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Ein großer Hindu-Tempel für Berlin

2. Juni 2026

Fünftägige Feierlichkeiten, Diplomaten und Staatsgäste: Nach mehr als 20 Jahren Planung und Bau eröffnet in Berlin ein großer Hindu-Tempel. Es werden Tausende Besucher erwartet.

Die Spitze des 19 Meter hohen Portals wurde zur Eröffnung noch einmal eingerüstet, weil die Priester auch Gottheiten auf der Oberseite waschen und segnen werden. Deshalb erkennt man die Gerüste. Deutlich wird auch die bunte Bemalung des Gebäudes.
Die Spitze des 19 Meter hohen Portals wurde zur Eröffnung noch einmal eingerüstet, weil die Priester auch Gottheiten auf der Oberseite waschen und segnen werdenBild: Christoph Strack/DW

Noch telefoniert Vilwanathan Krishnamurthy auf Hindi. Er klingt aufgeregt. "Das war das indische Fernsehen", sagt der 73-jährige nach dem Telefonat. "Sie wollen nun auch dabei sein, wenn wir unseren Tempel eröffnen."

Von Mittwoch bis Sonntag feiern Hindus in Berlin die Einweihung eines neuen Tempels - nach mehr als 20 Jahren Planungen und Bauarbeiten. "Damit erfüllt sich für mich ein großer Traum", sagt Krishnamurthy der Deutschen Welle. Gott habe ihn "als Werkzeug benutzt, einen Tempel zu errichten".

Vilwanathan Krishnamurthy (73) im neuen TempelgebäudeBild: Christoph Strack/DW

1975 kam er mit seiner Frau nach Berlin. Er hatte Arbeit beim damaligen Elektrokonzern AEG gefunden, "für drei Mark die Stunde" (nach heutiger Kaufkraft rund 3,20 Euro). 2004 begann Krishnamurthy gemeinsam mit anderen Privatleuten, den Bau eines Hindu-Tempels zu planen, des "Sri-Ganesha-Hindu"-Tempels.

Der Bezirk Neukölln gab das Grundstück

2005 gründeten sie einen Verein. Der Bezirk Neukölln stellte ein Grundstück am Rande der Hasenheide, einem Volkspark zwischen Neukölln und Kreuzberg, zur Verfügung. Jedes Mal, wenn Krishnamurthy den Namen des damaligen Neuköllner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky erwähnt, spürt man seine Dankbarkeit.

Eine Statue der Gottheit VishnuBild: Christoph Strack/DW

Der Bau selbst wurde komplett durch Spenden finanziert. "Wir wollten nicht, dass unsere Kinder später noch den Kredit abzahlen müssten." Gut 1,1 Millionen Euro kamen zusammen. Aber die Baustelle lag immer mal wieder still. Und dann kamen die Corona-Jahre.

Krishnamurthy kann aus seiner Erfahrung über das Bauen in Deutschland berichten: Vorschriften, Genehmigungsverfahren, Terminfristen und Finanzierungskonzepte. Und noch eine Herausforderung gab es: Nach hinduistischer Tradition muss man bei solchen Vorhaben längere Ruhephasen der Götter respektieren. Zuletzt kamen sowohl alle Stein-Materialien als auch die Götter-Figuren und die traditionellen hinduistischen Tempelbaumeister, die sogenannten Stapathi, aus Indien.

Über die Jahre erzählt das Vorhaben auch die Geschichte der indischen Migration nach Deutschland. Die Krishnamurthys, heute längst Großeltern, kamen 1975 als junges Gastarbeiter-Paar nach Berlin. Damals lebten nur wenige Inder in der Stadt. Vor allem seit einem Ende 2022 unterzeichneten deutsch-indischen Migrationsabkommen stieg die Zahl von Indern in Deutschland rasant. Nicht wenige von ihnen arbeiten in der IT-Branche.

Das Innere des Tempelbaus mit dem Ganesha geweihten (und vor der Eröffnung noch leeren) Tempelchen im Zentrum des BausBild: Christoph Strack/DW

Krishnamurthy sagt, die indische Community zähle mittlerweile rund 45.000 Menschen. "Wenn nur zehn Prozent davon zur Eröffnung kommen würden", sagt er aufgeregt. Und  betont, der Tempel stehe allen Hindus offen, auch Gläubigen beispielsweise aus Sri Lanka, Bhutan oder Singapur.

Tausende Besucher, hunderte freiwillige Helfer

Zu den fünftägigen Feiern, die zum Teil rund um die Uhr laufen, rechnet Krishnamurthy mit "abertausenden Besuchern". Die Vorbereitungen laufen seit Langem. So haben sich, wie Krishnamurthy erläutert, 400 junge Leute aus der indischen Community als freiwillige Helfer registrieren lassen. Sie seien stolz, dabei zu sein. Allein 60 junge Frauen kümmerten sich um die Sauberkeit und die Abläufe im Tempelbau.

Das Tempelgebäude selbst wurde während der vergangenen Monate sowohl von außen als auch im Inneren farbenfroh an- und ausgemalt. Im Gebäude selbst finden sich fünf kleinere Tempel, vergleichbar mit kleinen, im Raum verteilten Kapellen. Im Zentrum steht Ganesha, der figürlich mit einem Elefantenkopf und Rüssel dargestellt wird; die weiteren Statuen stellen die Eltern Ganeshas, Shiva und Parvati dar, sowie einen Onkel und einen jüngeren Bruder Ganeshas.

Für die fünftägige Tempelweihe reisen zehn Hindu-Priester an. Der Ablauf ist strikt geregelt. Den Höhepunkt bilden zwei Tage. Am Freitag werden den Götter-Figuren die (bislang zugeklebten) Augen geöffnet. Dann werden sie gebadet und an neuem Ort "in den Schlaf geschickt", wie Krishnamurthy sagt. Und der nächste Tag, der Samstag, bietet die einzige Gelegenheit, dass jeder Gläubige, jeder Besucher, jede Besucherin in die Tempel hineingehen und die neuen Götter-Figuren mit Öl salben dürfen. Künftig darf nur noch der Priester in die einzelnen Tempel hinein und dort Gaben der Besucher platzieren.

Die schwarz gehaltene Figur der Gottheit Ganesha, bei der (im oberen Teil des Bildes erkennbar) die Augen noch mit Klebeband verschlossen sindBild: Christoph Strack/DW

Die benachbarte Baracke, die den Hindus in den vergangenen Jahrzehnten für Liturgien, Gebete und Opfer und Begegnungen diente, soll künftig für Gespräche mit Besuchergruppen und interreligiösen Austausch dienen. "Herzlich willkommen allen Berlinern, allen Religionen! Kommt vorbei!", sagt Krishnamurthy im Gespräch. Hier könne jeder "ein Stück Frieden und Ruhe bekommen". Ihm ist der Dialog der Religionen wichtig - und vertraut. Die beiden Söhne der Krishnamurthys haben Frauen aus verschiedenen christlichen Bekenntnissen geheiratet, aus der katholischen Kirche und der serbischen Orthodoxie. Berlin ist gewiss eine säkulare, aber auch multi-religiöse Stadt.

Schulklassen zu Gast

Bereits jetzt kommen regelmäßig Schulklassen aus Berlin oder dem Land Brandenburg zum Tempel.  "Die Kinder sind interessiert", sagt Krishnamurthy. Diese Begegnungen seien wichtig. Alle Religionen seien gleich, alle Religionen verdienten Respekt. Das wolle er den Heranwachsenden vermitteln.

Der Blick durch das Hauptportal in den Tempel mit Vilwanathan Krishnamurthy im Zentrum des BildesBild: Christoph Strack/DW

Irgendwann im Gespräch bricht geradezu die Rührung aus dem 73-Jährigen hervor. Es sei doch eine Fügung, dass auf den Tag genau 51 Jahre nach seiner Ankunft in Berlin der Tempel fertig werde. Nach seiner Aussage ist es der größte Hindu-Tempel in Deutschland und der größte Ganesha-Tempel Europas.

Am Freitag erwarten die Organisatoren Abgeordnete aus dem Berliner Landesparlament und dem Bundestag, eine Senatorin aus der Landesregierung, den Neuköllner Bezirksbürgermeister und diverse Botschafter. Aber Krishnamurthy denkt schon weiter.

Im Oktober erwartet er den Besuch des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz gemeinsam mit dem indischen Premierminister Narendra Modi. Die beiden wollten einander aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Indien in Berlin treffen - und dabei auch offiziell den Tempel besuchen. Dann werde auch die hölzerne Pforte im 19 Meter hohen Tor-Gebäude fertig sein und mit den Politikern gemeinsam eingeweiht.

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