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Urlaub mit Eulen

5. Januar 2010

Küste, Wattenmeer und Salzwiesen bei St. Peter-Ording zeigen eine besondere Artenvielfalt: neben Würmern, Muscheln, Fischen, Vögeln, Seehunden und Schweinswalen haben sich ganz spezielle Eulen dort angesiedelt.

Eulen auf einem Schild und an der Außenwand hängend vor dem Eingang zum Dünenhotel 'Eulenhof' (Foto: DW)
Bild: DW/Jäger

Vorerst nur vereinzelte, dezent verteilte Eulen weisen dem Besucher den Weg zur 3-Sterne-Herberge mitten in den Dünen - unweit der duftenden Salzwiesen, des Weltnaturerbes Wattenmeer und dem endlosen Sandstrand. Die tierischen Beobachter aus Ton, sandfarben und auch blau lasiert, lauern auf dem sandigen Boden oder hinter Hortensien und Kiefern.

Empfangskomitee vorm HotelBild: DW/Jäger

Ein paar Meter weiter begrüßen Eulenfamilien unterschiedlicher Größe den aufmerksamen Gast von Grünflächen aus. Allen gemein sind ein großer runder Kopf, die stolze aufrechte Haltung, die wachsamen Tubularaugen und der stark gekrümmte Schnabel.

Die Sinne schärfen für Eulen

Am Eingang zum Haupthaus setzt sich die Eulenparade fort. Plüscheulen, die an der Hauswand hängen, werden flankiert von Holz- und Steineulen am Boden. Auf dem Weg zur Rezeption muss der Gast vorbei an weiteren Exemplaren dieser nachtaktiven Vögel, denen man nachsagt, weise zu sein.

Gisela Herth, Gastgeberin für Mensch und TierBild: DW/Jäger

Früher hieß der Ort einmal "Pension Eichhörnchen". "Die Vorbesitzer haben das Hotel dann in 'Eulenhof' umbenannt", erzählt Gisela Herth und schüttelt mit dem Kopf. Eine Erklärung dafür hat die Hotelchefin nicht. Vielleicht, weil sich hier vor Ort die Eulen irgendwann gegen die kleineren Waldbewohner durchgesetzt haben.

Echte Eulen habe es jedenfalls tatsächlich gegeben, berichtet Gisela Herth. "Die hatten sich im Backsteingemäuer auf dem Gelände eingenistet". Sie selbst habe gar keine große Affinität zu diesen Tieren gehabt. Bis irgendwann vor gut zehn Jahren die erste Eule am Empfang aufgetaucht sei, erinnert sich die Eigentümerin. Ein Vater und sein Sohn hatten sie aus Muscheln gebastelt. Das war der Anfang einer langen Schaffensperiode.

Beutetiere und StaubfängerBild: DW/Jäger

Eigene Kreationen und Ansammlungen von großen Uhus, mittleren Käuzchen und kleineren Schleiereulen - so genau sind die Nachbildungen der Gattungen nicht voneinander zu unterscheiden. Allesamt zählen sie zur Ordnung der Eulen. Die Treppenhäuser zieren Galerien mit dieser Spezies. In den Sommerferien übertrumpfen sich Kinder bei Eulen-Malwettbewerben. Kinder waren es auch, die mit dem Zählen der Tiere anfingen. "Bei etwa 1300 haben sie aufgehört", lacht Gisela Herth. Das sei schon ein paar Jahre her, und inzwischen seien schon wieder hunderte hinzu gekommen.

Von Eulen aus aller Welt umzingelt

"Viele Gäste entdecken zuhause oder auf Flohmärkten plötzlich Eulen, erinnern sich an den Urlaub und schicken sie uns zu als Dank", erzählt Gisela Herth. Sie ist eine Frau, die Wert auf heimelige Atmosphäre im Haus legt und mit ihren Mitarbeitern dafür sorgt, dass dem Gast bei Bedarf auch einmal ein Knopf an der Jacke angenäht wird. Sie habe gar nicht gewusst, wie viele Leute irgendwo Eulen entdecken oder überhaupt erst wahrnehmen, nachdem sie im "Eulenhof" zu Gast waren.

Jedes Mitbringsel hat seine eigene Geschichte. Gisela Herth fand "ihren" Vogel auf Mallorca. Ein spastisch gelähmtes Mädchen hatte ihn aus Pappmachee gebastelt.

Lieblingseule aus Mallorca "eingeflogen"Bild: DW/Jäger

Die weiteste Anreise hatte eine Eule aus Japan. Ein Lehrer, den es einmal im Jahr ins Land der Dichter und Sammler zieht, zog sie aus dem Koffer.

Zwischen Kitsch und Kunst

Das wertvollste Exemplar hat einen schmiedeeisernen Fuß, einen Korpus aus buntem Glas und einen Kupfer-Kopf. Blumentöpfe, Windspiele, Uhren, Schuhlöffel, Kleiderbügel, Thermometer, Aschenbecher, Salzstreuer, Buchstützen, Steiff-Tiere. Es gibt wohl nichts, was es nicht gibt in Eulenform. Sogar in Lakritzform zum Naschen liegen sie bereit. Letztere genießen ausnahmsweise keinen Artenschutz.

Eine von Aussterben bedrohte Spezies

Der Lebensraum von Eulen wird in Deutschland zunehmend eingeschränkt durch Bebauung naturnaher Gebiete. Alter Baumbestand, den Eulen als Verstecke und Brutstätten nutzen, wird abgeholzt. Eulen, Käuze, Uhus fliehen vor Mensch und Autoverkehr, verenden in Stromleitungen. Heute engagieren sich mehr und mehr Tierschützer für den Erhalt der unermüdlichen Mäusejäger, indem sie zum Beispiel Nistkästen bauen.

Wer sich im Laufe seines Aufenthalts intensiver mit den nachtaktiven Geschöpfen beschäftigen will, der kann dazu den "Eulenführer" zur Hand nehmen. Auf 200 Seiten erfährt der Interessierte alles über 3000 "Eulen-Attraktionen" weltweit. Denkmäler, Schulen, Universitäten, Restaurants mit Eulenlogos, Vogelparks und Zoos, naturhistorische und naturkundliche Museen sind dort aufgelistet.

Die tierische Hoteldeko fördert die Kommunikation

Gäste, die sich zuvor nicht kannten, kommen über die Eulen ins Gespräch. Viele staunen über die Vielfalt an Formen und Materialien. Einige "Uhurlauber" geben eigene Eulengeschichten zum Besten oder plaudern über ihre persönlichen Sammelleidenschaften. "Einige wenige Gäste fühlen sich überfordert von der massenhaften Präsenz", gibt Gisela Herth zu.

Ignorieren kann die Tierchen jedenfalls keiner. Auch nicht die Mitarbeiter, die für die Reinhaltung sorgen. "Doch die Luft an der Nordsee ist so rein, dass sämtliche Eulen nur zwei Mal pro Jahr entstaubt werden müssen", freut sich Gisela Herth. Insofern sind die Dauerbewohner des Dünen-Hotels "Eulenhof" durchaus pflegeleicht.

Autorin: Karin Jäger
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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