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Eine Pionierin: Stéphanie Frappart

Marko Langer
12. August 2019

Ein "Vorbild für Millionen von Mädchen und Frauen" sei sie. Dabei hat Stéphanie Frappart erst in den letzten Monaten die Karriere-Stufen genommen. Auf die Schiedsrichterin setzt man auch beim UEFA Supercup der Männer.

Fussball l Schiedsrichterin Stephanie Frappart
Bild: Getty Images/Bongarts/R. Hartmann

Natürlich waren die französischen Sportzeitungen und -reporter, ohnehin gelegentlich zur Aufregung neigend, ganz aufgeregt, als die Meldung kam: Schiedsrichterin Stéphanie Frappart wird den UEFA Supercup zwischen Champions-League-Sieger FC Liverpool und Europa-League-Champion FC Chelsea am 14. August in Istanbul leiten. "Le Parisien" titelte zum Beispiel: "Stéphanie Frappart, à jamais la pionnière". Für immer eine Pionierin.

Schneller Aufstieg

Das ist die 35-Jährige aus dem Département Val-d'Oise in der Tat, nicht nur, weil sie jetzt als erste Frau ein bedeutendes Pflichtspiel der Männer pfeifen darf. Im April kam sie in Frankreich als erste Schiedsrichterin in der Ligue 1 der Männer zum Einsatz. Danach leitete sie das Endspiel der Frauen-WM. Und nun der Einsatz für die Europäische Fußball-Union. Ein schneller Aufstieg. 

"Eine der besten Schiedsrichterinnen"

Strenge Mimik und Frisur, klare Gesten, keine Unklarheiten - so erkennt man auf Bildern den signifikanten Stil der 1,64 Meter großen Sportsfrau. Mit zehn Jahren spielte sie in Herblay-sur-Seine im Mittelfeld, entschied sich aber schon zu Kinderzeiten, als Nachwuchsschiedsrichterin die Regeln perfekt zu lernen. Heute sagt UEFA-Schiedsrichter-Boss Roberto Rosetti über die Französin, diese verfüge "über das Rüstzeug, auf der großen Bühne zu bestehen". Die Unparteiische habe "über Jahre hinweg gezeigt, dass sie eine der besten Schiedsrichterinnen ist, und zwar weltweit".

Dass sie nun ausgerechnet in der türkischen Metropole Istanbul ihren ersten Einsatz in der großen Fußball-Männerwelt hat, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Es gibt sicher Stadien, in denen man als Frau noch stärker akzeptiert werden dürfte. Den britischen Fußballern aus Liverpool und Chelsea dürfte die Personalie allerdings nicht ganz so wichtig sein.

"Es ist an der Zeit"

"Es ist an der Zeit", sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp. "Ich bin sehr glücklich,
dass wir Teil dieses historischen Moments sein können." Er werde
versuchen, sich zu benehmen: "Ich werde mich von meiner besten Seite
zeigen - sonst würde meine Mutter sauer werden", sagte er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. 

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin erklärte: "Als europäischer Dachverband legen wir größten Wert darauf, dass sich der Frauenfußball auf allen Ebenen entwickelt." Frappart solle als Vorbild für "Millionen von Mädchen und Frauen in ganz Europa" dienen. "Sie sollen sehen, dass aus jedem Traum Wirklichkeit werden kann."

Gelb für eine Spielerin in Orange: Frappart beim Endspiel der Frauen-WMBild: Getty Images/AFP/J. P. Ksiazek

Wie schon jüngst bei der Leitung des Endspiels der Frauen-WM werden ihr Manuela Nicolosi (Frankreich) und Michelle O'Neal (Irland) assistieren. Als Vierter Offizieller fungiert der Türke Cuneyt Cakir, als Video-Assistent ist Frapparts Landsmann Clement Turpin vorgesehen.

Nicht die Erste

Frappart, das französische Pendant zur Deutschen Bibiana Steinhaus, ist allerdings nicht die erste Schiedsrichterin bei einem UEFA-Pflichtspiel im Männer-Bereich. Die Schweizerin Nicole Petignat kam schon zwischen 2004 und 2009 bei drei Qualifikationsspielen im UEFA-Pokal zum Einsatz. Die Schlagzeile "Stéphanie Frappart, à jamais la pionnière" gilt aber dennoch. Für immer eine Pionierin.

 

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