"Eines der geheimsten Museen im Lande"
30. Dezember 2002Moskau, 20.12.2002, 0600 GMT, PERWYJ KANAL, russ.
(...) Fünf verschiedene Sonderdienste sorgen heute für die Sicherheit des Landes. Gewöhnlich dauert es 15 bis 20 Jahre, bis die Öffentlichkeit etwas über die besonderen Verdienste, oder seltener – die Niederlagen – der Geheimagenten erfährt. Ihre Berichte sind in Akten mit dem Vermerk "streng geheim" abgelegt. "Tschekisten" ist aber an Weltruhm nicht gelegen. Sie tun einfach nur ihre Arbeit.
Unserem Korrespondenten ist es gelungen, in eines der wohl am strengsten bewachten Museen zu gelangen. Die Exponate dort werfen ein Licht auf viele Geheimnisse der staatlichen Geheimdienste. Maksim Golland berichtet aus Sankt Petersburg:
Dies ist wohl eines der geheimsten Museen im Lande. Über die Hälfte seiner Exponate trägt den Vermerk "streng geheim" oder "nur für amtlichen Gebrauch". Die meisten Stände dürfen nicht gefilmt werden. Fotos von Agenten, die immer noch im Dienst sind, tragen keine Namen: entweder man kennt sie durch die Arbeit oder man braucht sie nicht zu kennen.
(Ein Mitarbeiter des Museums) "Es gibt bestimmte Besuchsvorschriften für dieses Gebäude am Litejnyj Prospekt Nr. 4 – den Bolschoj dom (großes Haus, Spitzname für das KGB-Hauptquartier – MD). Es ist schließlich eine geheime Organisation. Natürlich kann ein Außenstehender nicht einfach so hinein."
Besonders interessant ist das erste strafrechtliche Ermittlungsregister der Petrograder (Sankt Petersburger – MD) Tscheka. Der erste Eintrag stammt vom März 1918 und bezieht sich auf Ermittlungen in Sachen "konterrevolutionäre Propaganda". Die Haftbefehle jener Zeit enthalten Formulierungen wie "den Fahrer Nikolajew verhaften, das Haus durchsuchen und alles mitnehmen" oder "Blasch und alle Männer festnehmen".
Aus den dreißiger Jahren ist nur ein Exponat zu sehen. Es ist eine Lange Liste führender Persönlichkeiten der Leningrader Verwaltung, der Staatlichen Politischen Verwaltung beim Rat der Volkskommissare der UdSSR (OGPU) und des NKWD, die während der so genannten Säuberungen 1933-39 erschossen wurden – insgesamt 22 618.
Die Exponate, die der Kriegszeit gewidmet sind, berichten über Partisanenkämpfe hinter den feindlichen Linien im Leningrader Gebiet, über subversive Tätigkeit und entlarvte Geheimagenten Hitlers.
Nach Angaben des FSB war die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die produktivste Zeit der sowjetischen Geheimdienste. Fotos von entlarvten ausländischen Geheimagenten, von Verstecken und verschiedene Spionageausrüstungen sind ebenfalls ein Beweis dafür.
Eine Menge Interessantes aber Geheimes über die heutige Arbeit der Geheimdienste ist hier zu sehen. Die Öffentlichkeit bekommt es aber nicht zu Gesicht – noch ist die Zeit dafür nicht gekommen. (TS)