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Eiskunstläufer Kyrylo Marsak - für den Vater und die Ukraine

Matt Pearson
11. Februar 2026

Der russische Einmarsch in der Ukraine hat Kyrylo Marsak von seinen Eltern getrennt. Doch der Eiskunstläufer hat einen besonderen Weg gefunden, um sich seinem Vater nahe zu fühlen. Auch bei den Olympischen Spielen.

Kyrylo Marsak während seines Kurzprogramms in Mailand
Kyrylo Marsak während seines Kurzprogramms in MailandBild: Kyodo News/IMAGO

Kyrylo Marsak ist dem Krieg in der Ukraine entkommen, doch dieser verfolgt ihn unweigerlich - sogar bis in die Milano Ice Skating Arena. Es sei "psychisch schwierig", mit der Zerstörung seiner Heimatstadt Cherson seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 fertig zu werden, sagt der Eiskunstläufer im Gespräch mit der Deutschen Welle. Der 21-Jährige ist einer von 46 ukrainischen Athleten und Athletinnen bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo 2026.

"Was in meinem Leben Bedeutung hatte, insbesondere in Cherson, wurde zerstört", sagt Marsak. "Die Schule, die ich von der ersten bis zur achten Klasse besucht habe, ist dem Erdboden gleich, ebenso wie die Eislaufbahn und meine Wohnung - eine Bombe schlug einen Stock tiefer ein."

Innere Verbindung zum Vater an der Front

Auf der Eislaufbahn von Cherson entdeckte und entwickelte Marsak erstmals sein Talent, das ihn bis zu den Spielen in Mailand führte sollte, wo er in dieser Woche im Einzelwettbewerb der Männer antritt. Als Musik für sein Kurzprogramm am Dienstag wählte Marsak den Song "Fall on Me" des italienischen Vater-Sohn-Duos Andrea und Matteo Bocelli. Mit den Gedanken sei er bei seinem Vater Andriy, der Tausende Kilometer entfernt im Ukraine-Krieg an der Front kämpfe, sagt der Eiskunstläufer.

"Mein Vater und ich haben eine wirklich starke Verbindung. Wir denken aneinander und schreiben uns täglich. Nur 'Guten Morgen' und 'Gute Nacht' - um sicherzugehen, dass es uns beiden gut geht", so Marsak. "Ich spüre diese Verbindung sogar, wenn ich auf dem Eis stehe. Genau das wollte ich mit meinem Kurzprogramm ausrücken. Auch wenn wir nicht zusammen sind, kann ich meine Augen schließen und sehe ihn überall."

Mehr als drei Jahre in Finnland

Als Cherson zu Beginn des Krieges unter schweren Beschuss geriet, trennte sich die Familie. Während die Eltern zu Hause blieben, brachten sie Kyrylo und seine Schwester zunächst in Polen in Sicherheit. Die Schwester zog nach Lettland weiter und blieb dort. Kyrylo nahm ein Angebot der Peurunka Skating Academy in Finnland an. Dreieinhalb Jahre blieb er dort. Der finnische Eiskunstlauf-Routinier Valtter Virtanen wurde sein Mentor. "Er hatte so viel mehr Erfahrung als ich. Er gab mir Tipps und zeigte mir Wege auf, mich zu verbessern. Und er unterstützte mich dabei, meine Ziele zu erreichen."

Marsak hält sich jedoch bedeckt, was seine Ziele in Mailand angeht. "Ich habe mir keine konkrete Punktezahl oder Platzierung als Ziel gesetzt", sagt der Eiskunstläufer. "Das würde mich nur nervös und unruhig machen. Ich möchte die Atmosphäre der Olympischen Spiele genießen und so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln."

Problem mit russischem Konkurrenten 

Im Kurzprogramm landete der Ukrainer als Elfter einen Platz vor dem Russen Petr Gummenik, der als sogenannter "neutraler Athlet" bei den Winterspielen startet. Gummenik ist einer von 13 Aktiven aus Russland und sieben aus Weißrussland, denen das IOC eine Starterlaubnis unter neutraler Flagge erteilt hat. Die Bedingung war, dass sie den russischen Angriffskrieg in der Ukraine nicht unterstützt haben und zudem keine Verbindungen zum Militär oder den Sicherheitskräften haben.

Der Russe Petr Gummenik startet bei Olympia als "neutraler Athlet"Bild: Mickael Chavet/ZUMA/IMAGO

Die BBC hatte vor den Spielen berichtet, Gummenik sei von Ilja Awerbuch trainiert worden. Der frühere Eistänzer, der 2002 Olympia-Silber gewann, war von der Ukraine sanktioniert worden, weil er an Events in von Russland besetzten Gebieten teilgenommen hatte.

Wie die meisten Menschen in der Ukraine findet Marsak, dass russische Aktive unter keinen Umständen bei Olympischen Spielen starten sollten. "Ich denke, dass sie selbst unter neutralem Status nicht zugelassen werden sollten, da sie indirekt für diesen Krieg mit verantwortlich sind und die meisten von ihnen den Krieg heimlich unterstützen", sagt Marsak mit Blick auf Gummenik. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) habe solchen Fällen "keine Beachtung geschenkt".

"Russland steht für Terrorismus"

Enttäuscht ist der ukrainische Eiskunstläufer auch über den jüngsten Annäherungskurs von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry an Russland. Eine Äußerung der IOC-Chefin Anfang des Monats war als Signal verstanden worden, dass russische Aktive bei den Sommerspielen 2028 in Los Angeles wieder uneingeschränkt dabei sein könnten. Ohne Russland direkt anzusprechen hatte Coventry gesagt: "Wir verstehen die Politik und wissen, dass wir nicht in einem Vakuum agieren. Aber unser Spiel ist der Sport. Er muss neutral bleiben. Ein Ort, an dem jede Athletin und jede Athlet frei antreten kann, ohne durch die Politik oder Konflikte seiner Regierung zurückgehalten zu werden."

Marsak empfände es als besonders kränkend, wenn russische Sportlerinnen und Sportler wieder unter ihrer Nationalflagge und Hymne antreten dürften. "Wie kann man sagen, dass der Sport nichts mit Politik zu tun hat? Sie [die russischen Sportlerinnen und Sportler - Anm. d. Red.] vertreten ihr Land. Sie vertreten ihre Flagge. Das verbindet sie direkt mit der Politik. Ihr Land steht für Terrorismus."

In Mailand will sich Marsak jedoch vor allem auf seine eigene Leistung konzentrieren. "Ich bin sehr stolz darauf, mein Land zu vertreten", sagt der Eiskunstläufer der DW. "Mein Hauptziel ist es, mein Bestes zu geben und mich nicht um andere zu kümmern." Mit Ausnahme seines Vaters, dem er mit seinem Auftritt auf dem Eis ein olympisches Geschenk machen will. 

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Ukraine's Olympic skater has dad and country front of mind" adaptiert.

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