Ein Museum in Berlin präsentiert ungewöhnliche Gerichte - darunter Euterschnitzel, Frosch-Smoothie und Mäusewein. Geschmäcker sind eben regional verschieden.
"Habushu" aus Japan: Schlangen werden bis zur Ohnmacht gekühlt und lebend in Reiswein eingelegtBild: DFM Berlin
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Na? Wird Ihnen schon beim Artikelbild schlecht? Schlangenwein ist bestimmt nicht für jeden etwas, aber in seiner Herkunfstregion in China erzeugt er keinen Ekel. Wo einem Mensch das Wasser im Mund zusammenläuft, bekommt der nächste Brechreiz. Und Ekel kann völlig verschiedene Auslöser haben: Mal ist es die Gestalt, mal der Geruch, der Geschmack oder die Produktionsweise eines Gerichts.
Kuckuck! Tomatensaft mit Augapfel vom Schaf, auch bekannt als "Mongolische Mary"Bild: DFM Berlin
Das Disgusting Food Museum, das Ende Mai in Berlin seine Pforten geöffnet hat, stürzt sich mit Humor und Anspruch ins Thema und zeigt in 80 Exponaten internationale Gerichte wie Bullenpenis, gegrillten Hund oder Kuhblut. Einige Gerichte können auch im Museumsshop erworben oder direkt vor Ort an der Tasting Bar gekostet werden.
Kathedrale des Ekels: Blick in den AusstellungssaalBild: DFM Berlin
Die Ausstellung hatte ihren Ursprung 2018 im schwedischen Malmö, wo sie mit viel Medienaufsehen eröffnet wurde. Entwickelt wurde sie von Museumsdirektor Martin Völker und Kurator Samuel West mit dem Ziel, über Ekel ins Gespräch zu kommen.
Gibt's eher selten beim Italiener: mit Muttermilch gefüllter Magen vom Zicklein aus SardinienBild: DFM Berlin
Statt eines Tickets wird den Besucherinnen und Besuchern am Eingang eine Spucktüte gereicht - ob Sie sie brauchen werden oder nicht, kommt ganz auf Ihre individuelle Ekelschwelle an. Man kommt jedenfalls sehr nah ran an die Objekte, kann Fotos von ihnen machen und daran riechen - zum Beispiel an einem fermentierten Hai aus Island.
Die Exponate sind nicht nach Ländern sortiert, sondern nach Art der Lebensmittel. "Man kann es quasi wie ein Menü aus mehreren Gängen erleben", sagt Direktor Martin Völker. Zuerst kommen die Getränke. Dazu gehören "Bibergeil", ein Schnaps, der mit dem Aroma aus den Analdrüsen des Bibers angereichert wird, oder Eierlikör aus Straußeneiern.
Mäusewein ist eine "Medizin" aus China: tote Baby-Mäuse, eingelegt in WeinBild: DFM Berlin
Viele der Exponate wirken auf Mitteleuropäer komplett exotisch, wie zum Beispiel gegrilltes Meerschweinchen, ein Frosch-Smoothie, Schnitzel aus dem Euter einer Kuh oder Milbenkäse: "Wir ekeln uns vor Sachen, die uns fremd sind oder zu nah", sagt Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Wir würden hier keinen Hund essen, weil der uns zu nah ist." In Indien hingegen sei es unvorstellbar, die heilige Kuh zu essen.
Einen kolonialistisch anmutenden Blick auf den Rest der Welt vermeiden die Macher geschickt, indem sie den internationalen Exponaten ähnlich bizarre deutsche Gerichte wie Gänsestopfleber oder "Tote Oma" (Grützwurst mit Kartoffeln) gegenüberstellen.
Ekel in Dosen: Der "Wall of Disgust" im Disgusting Food MuseumBild: DFM Berlin
Doch die Erforschung und Relativierung des Ekelbegriffs ist nicht die einzige Mission des Museums und seines Direktors. "Wir triggern die Leute mit dem Begriff Ekel", so Martin Völker. Er wolle jedoch mit der Ausstellung nicht nur Aufmerksamkeit erreichen, sondern zu Themen wie Nachhaltigkeit und Tierwohl aufklären. Daher werden für die Ausstellung auch keine Tiere getötet.
In der Pressemappe des Museums heißt es: "Ekel und Tierwohl bzw. Tierleid hängen zusammen. Unsere Exponate zeigen, welchen Schaden wir auch der tierischen Umwelt zufügen für das, was wir gern essen oder trinken." Eine der Fragen, die die Ausstellung aufwirft, lautet auch: Was und wie wollen wir in Zukunft essen? Vielleicht kann die Erweiterung oder Veränderung der persönlichen Ekelgrenze dazu beitragen, dass wir uns in Zukunft anders ernähren und neue Wege finden, um ökologisch nachhaltiger zu leben.
Von der Currywurst zum Insektenburger war es ein langer Weg: In Deutschland hat sich die Imbisskultur drastisch verändert. Was einst verpönt war, ist heute vielseitig und spiegelt unterschiedliche Lebensstile.
Bild: Imago/R. Wölk
Die Currywurst
Die Currywurst ist in Berlin und im Ruhrgebiet geradezu identitätsstiftend und wird gerne auch in Kombination mit Pommes Frites als sogenannter "Manta-Teller" serviert. Herbert Grönemeyer widmete ihr 1982 sogar eine Ode im breiten Ruhr-Slang: "Kommse vonne Schicht / Wat schönret gibt et nich als wie Currywurst".
Bild: Imago/R. Wölk
Tatort Wurstbude
Verzehrt werden die Currywurst und ihre weniger exotische Verwandte, die Rostbratwurst, in der Regel an einem Stehtisch vor der Wurstbude. Die Wurstbude ist vor allem in Westdeutschland und Berlin weit verbreitet und dient in der Kölner Version der erfolgreichen TV-Serie "Tatort" als wiederkehrende Kulisse.
Bild: picture-alliance/dpa/O. Berg
Das Fischbrötchen
Das Fischbrötchen ist so etwas wie die Currywurst des Nordens. Es its schnell zubereitet: Matjeshering (im Bild), Nordseekrabben oder Lachs werden zwischen zwei Brötchenhälften gepackt und mit Salat und Zwiebeln garniert, fertig. Das Fischbrötchen gehört zu den Klassikern der deutschen Snacks "to go" und existiert seit dem Beginn des Massentourismus in den 1960er Jahren.
Bild: Fotolia/Anne Katrin Figge
Kultiger Brauch
Verkauft werden die Fischbrötchen an Fischständen wie diesem im Hamburger Hafen. So richtig Kult wurde der maritime Snack, nachdem die ehemals verruchte Reeperbahn zur Partymeile für alle geworden war. Seitdem gehört das Fischbrötchen nach einer durchzechten Nacht zu einem Hamburg-Besuch dazu.
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Treffpunkt Trinkhalle
Besonders im Ruhrgebiet und im Rheinland findet man dieses Urgestein der deutschen Imbisskultur. In zwangloser Atmosphäre wird hier nach Feierabend an kleinen runden Stehtischen darüber geredet, was gerade so los ist. Dazu gibt es einen Kaffee oder ein Bier und ein belegtes Brötchen.
Bild: picture-alliance/dpa/blickwinkel/S. Ziese
Die Pizza
Das schnell zubereitete, schmackhafte Essen aus Italien trat seinen Siegeszug in Deutschland in den fünfziger Jahren nach Ankunft der ersten Gastarbeiter an und gehört bis heute zu den beliebtesten Außer-Haus-Snacks. Sowohl als Stück auf die Hand zum Mitnehmen als auch in der Pizzeria erfreut sie sich ungebrochener Beliebtheit.
Bild: picture-alliance/dpa/T. Kleinschmidt
Döner macht schöner
Ob er nun 1972 in Berlin oder 1969 in Reutlingen das erste Mal verkauft wurde - der Döner Kebab gehört zu den beliebtesten Snacks der Deutschen. Spätestens seit den 1990ern gibt es ihn überall in Deutschland - ob klassisch mit Fleisch oder vegetarisch, gerollt als Dürüm-Teigtasche oder im Brötchen. Die Urform des Döner Kebab entstand vermutlich im 19. Jahrhundert im Norden der Türkei.
Bild: picture-alliance/R. Schlesinger
Sushi
Noch vor wenigen Jahren war es etwas ganz Besonderes, das man nur bei einem japanischen Restaurant essen konnte. Heute gibt es Sushi in vielen gut sortierten Supermärkten, vor allem in den Großstädten. Das ehemalige Trendfood ist für viele Berufstätige auch eine willkommene Abwechslung zum Kantinenessen in der Mittagspause.
Bild: picture-alliance/dpa/R. Vennenbernd
Esskultur und Lifestyle
Mittlerweile gibt es für jeden Geschmack Imbissbuden und Street-Food-Läden, auch für gesundheits- oder umweltbewusste Konsumenten. Die Imbisskultur ist anpassungsfähig, anspruchsvoll und gilt nicht mehr nur als Fast Food. Hier beißt ein Mann genüsslich in einen Insektenburger, dessen "Fleisch" aus Getreideschimmelkäfer-Larven hergestellt wurde.
Bild: picture-alliance/dpa/F. Gentsch
Bewegliche Buden
Es gab sie schon im Mittelalter, nun erleben sie ihre Neuauflage als hypermoderne Food Trucks: mobile Imbissbuden. In zahlreichen deutschen Städten finden regelmäßig Street-Food-Märkte statt, auf denen regionale und internationale Spezialitäten aus Food Trucks serviert werden. Hier lassen sich die aktuellsten Imbiss-Trends beobachten und probieren.