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Politik

Eklat bei Gedenken an SS-Massaker

11. Juni 2017

Bei einer Gedenkfeier zum 73. Jahrestag des SS-Massakers im griechischen Ort Distomo hat ein Zwischenfall für Aufsehen gesorgt. Die Protagonisten: die frühere Parlamentspräsidentin und eine Legende des NS-Widerstands.

Griechenland Manolis Glezos und Zoe Konstantopoulou
Volksheld und leidenschaftliche Linkspolitikerin: Manolis Glezos (links) und Zoe KonstantopoulouBild: picture alliance/NurPhoto/W. Aswestopoulos//AP Photo/Y. Liakos

Sonnenschein, blauer Himmel, weiße Zeltdächer, Herren in Anzügen und Uniformen - und eine schwarz gekleidete Frau, die nur von hinten zu sehen ist: Wie ein auf Facebook veröffentlichtes Video zeigt, stellte sich die Politikerin Zoe Konstantopoulou am Samstag dem deutschen Botschafter Peter Schoof in den Weg, als dieser für die Opfer eines SS-Massakers an griechischen Zivilisten einen Kranz niederlegen wollte.

"Sie haben dazu kein Recht. Zahlen Sie die deutschen Reparationen an die Opfer", forderte Konstantopoulou, die 2015 als Mitglied der Regierungspartei Syriza kurzzeitig Parlamentspräsidentin war. In den Applaus einiger Zuschauer mischten sich auch Ausrufe wie "Schande" und "Heuchelei".

Dem deutschen Botschafter kam daraufhin ein anderer prominenter Gast zur Hilfe: Der ehemalige Widerstandskämpfer Manolis Glezos erhob sich von seinem Platz in der ersten Reihe und führte Schoof unter "Bravo"-Rufen aus dem Publikum an der Hand zum Mahnmal, wo Schoof den Kranz ablegen konnte. "Das Kind des Täters, gleichgültig welche und wie viele Verbrechen Vater und Mutter begangen haben, kann nichts dafür", sagte Glezos anschließend.

Peter Schoof (rechts) begrüßt Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in Athen (Archivbild)Bild: picture alliance/dpa/W. Kastl

Deutschland lehnt Reparationszahlungen ab

Der 94-Jährige gilt in Griechenland als Volksheld. Im Alter von 18 Jahren entfernte er im Mai 1941 im besetzten Athen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Hakenkreuzfahnen von der Akropolis. Von den Deutschen wurde er dreimal festgenommen und wiederholt gefoltert.

Während der Besatzung durch die Nationalsozialisten zwischen April 1941 und September 1944 wurden rund 300.000 Griechen getötet, darunter die meisten Einwohner des Dorfes Distomo. 218 von ihnen wurden am 10. Juni 1944 von der Waffen-SS massakriert. 

In der Vergangenheit haben griechische Politiker immer wieder Reparationszahlungen von Deutschland verlangt. Athen bezifferte die Forderungen zuletzt auf 296,5 Milliarden Euro. 2003 wies sie der Bundesgerichtshof ab, 2006 wurde das Urteil bestätigt. Zur Begründung hieß es unter anderem, der Zwangskredit falle unter das Londoner Schuldenabkommen von 1953, das Deutschland von allen Reparationen und Kompensationen freispricht. Die griechische Regierung verweist dagegen darauf, dass der Besatzungskredit und die Forderung nach Reparationen zu trennen seien.

hk/sti (dpa, afp)