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Endemie, Epidemie, Pandemie: Das sind die Unterschiede

Sophia Wagner
11. Mai 2026

Der aktuelle Ausbruch des Andes-Hantavirus wirft Fragen auf, die seit der Corona-Pandemie vielen vertraut sind. Doch was unterscheidet diese Begriffe – und was sagen sie wirklich über die Gefahr einer Krankheit aus?

Illustration Mikroskop Coronavirus
Bild: picture-alliance/M. Schönherr

Der Ausbruch des seltenen Andes‑Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius wirft erneut Fragen auf: Wann spricht man von einem Ausbruch, wann von einer Epidemie – und ab wann von einer Pandemie? Die Begriffewerden häufig durcheinandergebracht. Dabei beschreiben sie nicht die Gefährlichkeit einer Krankheit, sondern deren Ausbreitung. Was bedeuten diese Begriffe genau?

Endemie: die ständige Bedrohung

Eine Krankheit, die in bestimmten Regionen regelmäßig auftritt, wird als endemisch bezeichnet. Bei einer Endemie bleibt die Zahl der Erkrankungen über die Zeit relativ konstant.

Sie ist höher als in anderen Gegenden, nimmt im Laufe der Zeit aber nicht weiter zu. In einem gewissen Zeitraum erkranken ungefähr immer gleich viele Menschen neu.

Ein typisches Beispiel ist die Malaria, an der jedes Jahr 300 Millionen Menschen weltweit erkranken, hauptsächlich in den Tropen. 

Endemisch bedeutet dabei nicht harmlos: Auch endemische Krankheiten können schwer oder tödlich verlaufen. Entscheidend ist allein, dass ihr Auftreten räumlich begrenzt und zeitlich stabil bleibt.

Epidemie: nur in einer Region

Von einer Epidemie wird gesprochen, wenn eine Krankheit in einer bestimmten Region und in einem begrenzten Zeitraum ungewöhnlich häufig vorkommt.

Eine Pandemie ist eine Epidemie, die sich über die Grenzen eines bestimmten Landes oder auch eines Kontinentes ausbreitet.

Das bedeutet vor allem, dass die erfolgreiche Kontrolle der Krankheit von der Kooperation der Gesundheitssysteme verschiedener Länder abhängt. Es bedeutet nicht, dass eine Krankheit besonders gefährlich oder tödlich ist.

Wenn die Zahl der Erkrankungen in einer bestimmten Region über das normal zu erwartende (endemische) Level steigt, spricht man von einer Epidemie. Wenn die Krankheitsfälle lokal begrenzt sind, wird oft von einem Ausbruch gesprochen. 

Eine Epidemie entsteht zum Beispiel, wenn sich die Virulenz eines bestimmten Erregers verändert: Ein Virus mutiert und wird dadurch ansteckender.

Auch wenn Krankheiten in ein bestimmtes Gebiet neu eingeführt werden, kann das zu Epidemie führen. Voraussetzung ist, dass eine Krankheit von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.

Ein Beispiel dafür sind die Pocken, die seit Beginn des 16. Jahrhunderts von den europäischen Eroberern nach Amerika eingeschleppt wurden. Weil die indigene Bevölkerung vorher noch nie mit den Erregern in Kontakt war, hatte sie keinerlei Abwehrkräfte.

Einzelne Hochrechnungen gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent der indigenen Bevölkerung Amerikas den Pocken zum Opfer fiel.

Wird die Pandemie endemisch?

03:48

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Pandemie: weltweite Ausbreitung

Breitet sich eine Krankheit nicht nur regional, sondern über Länder und Kontinente hinweg aus, sprechen Experten von einer Pandemie.

Laut WHO und CDC werden Pandemien meistens von neu auftretenden Erregern oder Virustypen verursacht. Das können zum Beispiel Zoonosen sein, also Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden.

Wenn eine Krankheit für Menschen neu ist, werden nur sehr wenige Personen gegen das Virus immun sein. Impfungen gibt es in diesem Fall ebenfalls keine. Das kann dazu führen, dass sehr viele Menschen erkranken.

Wie gefährlich oder tödlich die Erkrankung verläuft, hängt von dem spezifischen Virus und dem Gesundheitszustand des einzelnen Menschen ab.

Hantavirus - Droht eine neue Pandemie?

14:42

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Selbst wenn eine Krankheit prozentual gesehen in den meisten Fällen harmlos verläuft, kann die absolute Zahl der schweren Erkrankungen bei einer Pandemie sehr hoch sein. Das liegt einfach daran, dass insgesamt sehr, sehr viele Menschen mit den Krankheitserregern infiziert sind.

Eine typische Krankheit, die immer wieder pandemische Ausmaße annimmt, ist die Grippe. An der Spanischen Grippe von 1918 starben mit 25 bis 50 Millionen Toten mehr Menschen als im 1. Weltkrieg. Auch die Schweinegrippe löste im Jahr 2009 eine Pandemie aus.

Allerdings können auch bei einer Pandemie einzelne abgeschiedene Gebiete von der Krankheit verschont bleiben, Insel oder Berggebiete beispielsweise. Der Flugverkehr begünstigt allerdings die Ausbreitung von Pandemien.

Die Begriffe Epidemie und Pandemie bezieht sich im Normalfall auf Infektionskrankheiten. Weil der einen dringenden Handlungsbedarf vermittelt, werden manchmal aber auch nicht übertragbare Krankheiten so bezeichnet. Diabetes-Epidemie, zum Beispiel.

Dieser Artikel wurde zuletzt nach dem Ausbruch des Andes-Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius aktualisiert.

 

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