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Endstation Borsigplatz?

Sarah Wiertz30. Mai 2015

Der letzte nationale Titel der Saison wird an diesem Samstag vergeben: der DFB-Pokal, Dortmund spielt gegen Wolfsburg. Der meist beachtete Mann steht nicht auf dem Platz, sondern an der Seitenlinie: BVB-Coach Klopp.

Arbeiter hantieren am in Berlin an einem Plakat mit der Aufschrift 'Erst Berlin dann Borsigplatz' von Borussia Dortmund (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa/L. Schulze

Kultstatus hat er längst, jetzt soll ihm ein gebührender Abschied bereitet werden - und das natürlich am liebsten mit dem Pokaltriumph. Die BVB-Spieler möchten ihrem Erfolgscoach Jürgen Klopp einen großen Traum erfüllen: zum letzten Mal in einem Autokorso durch die Dortmunder Innenstadt. "Noch einmal eine Runde mit dem Lastwegen um den Borsigplatz fahren - da hätte ich richtig Bock drauf", so der 47-Jährige.

Im Blickpunkt: Jürgen KloppBild: picture-alliance/dpa/L. Schulze

In seinen sieben Jahren bei Borussia Dortmund durfte Klopp das bereits dreimal erleben. Zweimal nach dem Gewinn der Meisterschaft (2011, 2012) und einmal nach dem Sieg im DFB-Pokal (2012). Jetzt soll der vierte Triumph her. "Ich habe nicht den Anspruch, der Held des Spiels zu werden", versucht er den Hype um seine Person beim Verein und den Fans (erfolglos) herunter zu spielen. "Das überlasse ich gerne den Spieler." Auch beim Gegner VfL Wolfsburg hält man den Trennungsschmerz für übertrieben.

"Das wird kein Klopp-Endspiel", meint VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs. "Wir spielen auch nicht gegen Klopp und auch Dieter Hecking tritt nicht gegen Jürgen Klopp an. Das ist ein Spiel zwischen den Mannschaften VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund." Letztlich könne Wolfsburg aber von der Klopp-Mania profitieren, sagte Allofs im DW-Interview: "In Dortmund geht es oft um den Trainer oder einige Spieler. Bei uns geht es doch stärker um das Team - und das sehe ich als großen Vorteil für uns."

Klaus Allofs vom VFL Wolfsburg

08:20

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Hecking: "Gute Chancen"

Die 70.000 Fans im ausverkauften Olympiastadion und Millionen Fernsehzuschauer dürfen eine spannende Partie erwarten, in der es keinen klaren Favoriten gibt. Der VfL hatte mit dem zweiten Tabellenplatz eine "Traumsaison", so Allofs, die man nun veredeln wolle. "Wenn man um die Problematik bei Borussia Dortmund weiß, sehe ich uns als Favorit" geht Wolfsburgs-Trainer Hecking selbstbewusst in die Partie. "Im Endeffekt erwarte ich ein offenes Spiel, aber mit guten Chanen für uns."

Der BVB blieb mit dem siebten Rang in dieser Saison zwar deutlich unter den Erwartungen, nach der katastrophalen Hinrunde kann der einstellige Tabellenplatz aber zumindest als Leistungssteigerung oder gar als Erfolg gelten. Zudem ist die Mannschaft in Klopps 319. und letztem Pflichtspiel für den BVB besonders motiviert.

Objekt der Begierde: der DFB-Pokal, ausgestellt in BerlinBild: imago/PEMAX

Was die Aufstellung betrifft, gaben sich beide Trainer bei der Pressekonferenz wortkart. Überraschungen wird es kaum geben. Beim BVB ist die interessanteste Personalie, wer im Tor steht: Weltmeister Roman Weidenfeller oder Pokalheld Mitchel Langerak? "Wir haben zwei starke Torhüter. Auf dieser Position haben wir sicherlich kein Problem", bleibt Klopp weiterhin geheimnisvoll vor der Partie, bei der estmals die Torlinientechnik eingesetzt wird. Beim Werksklub Wolfsburg wird der 32-Millionen-Einkauf André Schürrle vermutlich anfangs auf der Bank sitzen. "Er ist in guter Verfassung, aber Ivan Perisic und Daniel Caligiuri machen es zurzeit überragend", erklärt Hecking seine Entscheidung.

In Erinnerung an Malanda

Das besondere PokaltrikotBild: VfL Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg spielt mit einem besonderen Trikot, das an den tödlich verunglückten Junior Malanda erinnern soll. Das Jersey entspricht dem Heimtrikot für die neue Saison, enthält auf der rechten Brustseite aber ein Pokal-Emblem und auf der linken Brustseite ein grünes Herz mit seiner ehemaligen Rückennummer 19. Malanda war Anfang des Jahres bei einem Autounfall tödlich verunglückt.

Emotionen wird es also viele geben bei diesem Endspiel, bei dem der VfL auf den ersten und der BVB auf den vierten Pokaltriumph (1965, 1989, 2012) der Vereinsgeschichte hoffen. Auch im Ausland dürfte das Pokalfinale mit Interesse verfolgt werden. Dort genießt Klopp nämlich einen exzellenten Ruf - wegen seiner erfolgreichen Arbeit, aber auch wegen seiner lockeren Art, immer einen lustigen Spruch auf der Lippe. Vor allem in England steht er in der Gunst ganz weit oben. Mehrere Premiere-League-Klubs haben großes Interesse daran, Klopp zu verpflichten, zuletzt war er beim FC Liverpool verhandelt. "Es ist nach wie vor alles möglich. Aber ich habe nach wie vor mit keinem Verein gesprochen", kommentiere Klopp.

Das wäre gegenüber seiner "echten Liebe", so der Slogan des BVB, auch nicht gerecht. Bevor ein neues Kapitel anfängt, erst mal das alte beenden. Und das möglichst erfolgreich. Denn mit dem Pokaltriumph hätte Klopp beim BVB nicht nur Kultstatus, er würde sich als Legende beim BVB verewigen.

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