Epstein-Skandal: Früherer Prinz Andrew festgenommen
19. Februar 2026
Die britische Polizei hat Andrew Mountbatten-Windsor im Zusammenhang mit seinen Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein festgenommen. Dem früheren Prinzen Andrew wird vorgeworfen, in seiner damaligen Funktion als britischer Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an Epstein weitergeleitet zu haben.
Der 66-jährige Andrew, der an diesem Donnerstag Geburtstag hat, äußerte sich bislang nicht zu den Anschuldigungen. Zuvor hatten mehrere Medien über einen größeren Polizeieinsatz auf dem Anwesen Wood Farm auf dem königlichen Landsitz Sandringham berichtet.
Die Thames Valley Police bestätigte die Festnahme "eines Mannes in seinen 60ern" wegen des Verdachts des Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt, ohne den Namen zu nennen. Es handele sich um Andrew Mountbatten-Windsor, meldeten unter anderen Medien übereinstimmend die britische BBC, Sky News und die Nachrichtenagentur PA.
Andrew hat alle Titel, Ränge und Ehrenämter verloren
Mountbatten-Windsor war infolge seiner Verwicklung in den Epstein-Skandal bereits in den vergangenen Jahren schrittweise aus dem öffentlichen Leben zurückgedrängt worden. 2019 legte er alle royalen Verpflichtungen nieder. Später verlor er militärische Ränge, Ehrenämter und offizielle Titel. Im Oktober entzog ihm König Charles III. den Prinzentitel, in der vergangenen Woche musste er zudem sein Anwesen Royal Lodge in Windsor räumen.
Schwere Vorwürfe hatte insbesondere Epstein-Opfer Virginia Giuffre gegen ihn erhoben. Sie beschuldigte Mountbatten-Windsor, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben, auch als sie noch minderjährig gewesen sei. Diese Anschuldigungen wies er stets zurück. 2022 einigte sich der damalige Prinz mit Giuffre in einer Zivilklage auf einen außergerichtlichen Vergleich. Giuffre beging im vergangenen April Suizid.
Familie von Giuffre: Andrew "war nie ein Prinz"
Die Familie von Virginia Giuffre hat sich nach der Festnahme des ehemaligen Prinzen erleichtert geäußert. "Endlich, heute wurden unsere gebrochenen Herzen durch die Nachricht getröstet, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal die Königsfamilie", erklärten die Geschwister der Verstorbenen. Weiter hieß es, Andrew sei "nie ein Prinz" gewesen.
Neue Brisanz erhielt der Fall durch jüngst veröffentlichte Epstein-Unterlagen. Britische Medien berichteten über E-Mails, die nahelegen, Mountbatten-Windsor habe Berichte offizieller Auslandsreisen nach Hongkong, Vietnam und Singapur an Epstein weitergeleitet. Für britische Handelsgesandte gelten jedoch strenge Verschwiegenheitsregeln hinsichtlich dienstlich erlangter Informationen. Die laufenden Ermittlungen bedeuten rechtlich noch keinen Schuldspruch.
Königshaus will mit den Behörden kooperieren
Der britische König hat die Festnahme seines jüngeren Bruders nach eigenen Angaben "mit größter Besorgnis" zur Kenntnis genommen. In einer schriftlichen Stellungnahme betonte Charles: "Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen."
Weiter erklärte der Monarch: "Was nun folgt, ist ein umfassendes, faires und ordnungsgemäßes Verfahren, in dem diese Angelegenheit in angemessener Weise und durch die zuständigen Behörden untersucht wird." Den Ermittlungsbehörden sicherte er die "uneingeschränkte und vorbehaltlose Unterstützung und Zusammenarbeit" zu.
Zugleich stellte Charles klar: "Während dieses Verfahren andauert, wäre es nicht richtig, wenn ich mich weiter zu dieser Angelegenheit äußern würde." Ungeachtet der Entwicklungen werde die königliche Familie ihren öffentlichen Verpflichtungen weiterhin nachkommen.
Ein Sprecher des Palastes erklärte dazu weiter: "Die konkreten Vorwürfe sind von Herrn Mountbatten-Windsor zu klären. Sollte sich die Thames Valley Police an uns wenden, stehen wir bereit, sie zu unterstützen, wie es sich gehört." Zugleich betonte der Sprecher, die Gedanken und Sympathien des Königspaars gälten stets den Opfern jeglichen Missbrauchs.
US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte über Jahre hinweg ein internationales Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger unterhalten und Kontakte zu hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel gepflegt. Er wurde im Juli 2019 festgenommen. Einen Monat später wurde er laut offiziellen Angaben tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden.
pgr/se/pg (afp, dpa, rtr)
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