1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Konflikte

Zweites türkisches Bohrschiff vor Zypern

8. Juli 2019

Die Türkei nimmt sich das Recht, vor der zyprischen Küste nach Erdgas zu bohren. Zypern fordert dagegen Sanktionen von der EU, um die türkischen Aktivitäten zu stoppen.

Turkei | Bohrschiff Yavuz
Das Bohrschiff Yavuz auf dem Weg zu Erdgasbohrungen im MittelmeerBild: Reuters/M. Sezer

In der Nacht ist ein zweites türkisches Bohrschiff vor der Ostküste der Republik Zypern eingelaufen, berichtet das zyprische Fernsehen (RIK). Laut türkischen Angaben soll die "Yavuz" Probebohrungen nach Erdgas im Golf der zyprischen Hafenstadt Famagusta durchführen. Und das ohne eine Genehmigung durch die Regierung in Zypern.

Neben der "Yavuz", die nach Angaben des türkischen Energieministers Fatih Dönmez für drei Monate in 3300 Tiefe bohren soll, sind zwei weitere türkische Schiffe vor den Küsten Zyperns aufzufinden. Im Westen der Insel bohrt das Schiff "Fatih" ebenfalls nach Erdgas und im Süden werden seit Anfang Mai Untersuchungen von dem Forschungsschiff "Barbaros Hayreddin" durchgeführt. 

Die Schiffe arbeiten innerhalb der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Zypern. In der AWZ hat Zypern das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Ressourcen. Bereits im Mai hatte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini an die Türkei appelliert sich zurückzuhalten. Beim EU-Gipfel hatten Zypern und Griechenland neben der klaren Verurteilung der türkischen Aktivitäten auch Sanktionen gegen Ankara gefordert. In den Gipfel-Schlussfolgerungen zeigte die EU sich bereit, angemessen auf die illegalen Aktivitäten der Türkei zu reagieren.

Türkei sieht sich im Recht

Die Türkei wehrt sich gegen die Kritik und ist der Ansicht, mit der längsten Küste ebenfalls Anspruch auf die Meeresgegend zu haben. Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay warnte während seines letzten Zypern-Besuchs, dass es niemanden gelingen werde, der Türkei ihre legitimen Rechte zu verweigern. Während der 1970er Jahre wurde der Norden Zyperns von türkischen Truppen besetzt und später als die "Türkische Republik Nordzypern" proklamiert. Diese wird nicht international anerkannt. Trotzdem sieht sich die Türkei in der Rolle des Anwalts für die türkischen Zyprer. Friedensfördernde Maßnahmen blieben bislang erfolglos. Seit der Entdeckung reicher Erdgasvorkommen westlich der Insel, ist der Streit zwischen der Türkei und dem EU-Mitglied Zypern weiter entflammt. Ankara lehnt Aktivitäten ab, die ohne die Zustimmung der türkischen Zyprer vorgenommen werden - vor allem, solange der Konflikt um die geteilte Insel nicht gelöst ist.

jvo/sti (dpa, rtre)