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Politik

Ermittlungen gegen Landrat von Ahrweiler

6. August 2021

Rund drei Wochen nach der zerstörerischen Flut im Ahrtal ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Jürgen Pföhler wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Wurde zu spät vor den Wassermassen gewarnt und evakuiert?

Nun auch unter Druck der Staatsanwaltschaft: Der Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler
Nun auch unter Druck der Staatsanwaltschaft: Der Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler Bild: Thomas Frey/dpa/picture alliance

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat Ermittlungen gegen den Landrat des Landkreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), wegen der Flutkatastrophe vor rund drei Wochen aufgenommen. Gegen ihn bestehe der Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen, teilten die Behörde und das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt mit. Zudem werde gegen ein weiteres Mitglied des Krisenstabs ermittelt.

Warnung Stunden zu spät

Pföhler hatte den Angaben zufolge nach den Regeln des Landesbrand- und Katastrophenschutzgesetzes Rheinland-Pfalz möglicherweise die Einsatzleitung inne und daher die alleinige Entscheidungsgewalt. Das Mitglied des Krisenstabs hatte die Einsatzleitung den Erkenntnissen zufolge zumindest zeitweise übernommen.

Bad Neuenahr am 15. Juli 2021 Bild: Ferdinand Merzbach/AFP/Getty Images

Es hätten sich Hinweise darauf ergeben, nach denen die noch nicht von der Flutwelle betroffenen Bewohner des Ahrtals am 14. Juli spätestens um 20.30 Uhr hätten gewarnt und in Sicherheit gebracht werden müssen, so die Behörden. Dies soll laut Anfangsverdacht nicht in der gebotenen Deutlichkeit oder erst verspätet geschehen sein. Tatsächlich wurde der Katastrophenfall für den Landkreis Ahrweiler erst gegen 23.00 Uhr ausgerufen. Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, ein Unterlassen soll für einen Teil der Todesfälle und Verletzten mitursächlich gewesen sein. Eine Auswertung habe ergeben, dass die getöteten Menschen überwiegend ahrabwärts schwerpunktmäßig in Bad Neuenahr-Ahrweiler gestorben seien. 

Mindestens 142 Tote in Rheinland-Pfalz

Die Ermittlungen begannen dem Vernehmen bereits am Mittwoch. Nun wurden unter anderem Unterlagen und Daten des Krisenstabs des Landkreises Ahrweiler sowie die Handys der beiden Verdächtigen beschlagnahmt. Diese müssen noch ausgewertet werden. Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft wiesen darauf hin, dass die Ermittlungen Zeit bräuchten. Die Behörden baten weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung.

Bad Neuenahr am 18. Juli 2021Bild: Thomas Lohnes/Getty Images

Extreme Starkregenfälle hatten vor drei Wochen verheerende Überschwemmungen an Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im Ahrtal, wurden verwüstet. Allein in Rheinland-Pfalz kamen nach jüngsten Angaben mindestens 142 Menschen ums Leben. 16 weitere werden noch immer vermisst. Die Einsatzleitung zählte mehr als 760 Verletzte.

sti/mak (afp, dpa, rtr, epd)