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Politik

Erster Corona-Fall bei Paris schon im Dezember

5. Mai 2020

In Frankreich hat es nach Angaben eines Mediziners schon Ende 2019 und damit einen Monat früher als bisher bekannt einen COVID-19-Erkrankten gegeben. Das Virus wurde erst jetzt bei einem 43-Jährigen bei Paris entdeckt.

Frankreich Coronavirus Pandemie Mandelieu
Menschen mit Schutzmasken warten vor einem Postamt im französischen MandelieuBild: Reuters/E. Gaillard

Bei dem Patienten handelt es sich um Amirouche Hammar, der in der Nähe von Paris lebt. Er habe trockenen Husten, Fieber, Müdigkeit und schwere Atembeschwerden gehabt, sagte der Mann dem Sender BFMTV. Im Krankenhaus von Bobigny wurde dann eine Lungeninfektion diagnostiziert. Man habe ihm nicht sicher sagen können, was er hat - nur, dass es sehr ernst wäre, berichtete Hammar. Nach wenigen Tagen konnte er nach eigenen Angaben das Krankenhaus wieder verlassen.

Bislang waren die ersten positiven Tests in Frankreich auf den 24. Januar datiert worden. Dabei handelt es sich um Menschen, die einen Bezug zu China hatten. Die Ärztinnen und Ärzte einer Klinikgruppe bei Paris haben nun bereits entnommene Proben von Menschen mit schweren Atemwegsinfektionen noch einmal getestet - und zwar auf das neue Virus SARS-CoV-2. Es handelte sich um Patientinnen und Patienten, bei denen damals keine sichere Diagnose gestellt werden konnte. Von mehreren getesteten Proben war eine positiv auf COVID-19 - sie war von einem Patienten, der am 27. Dezember in die Klinik eingeliefert wurde: Amirouche Hammar.

Hammar infizierte seine Kinder. Erst vor kurzem erfuhr er, dass er sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte. Er wurde von Professor Yves Cohen, dem Leiter der Intensivstation der Klinikgruppe Avicenne-Jean Verdier, kontaktiert. Hammar hatte keine Verbindungen zu China und war nicht ins Ausland gereist, bevor er im Dezember für 15 Tage krank wurde. Die Ursache für seine Infektion ist unklar.

Spekulationen über Infektionsweg

"Den einzigen Kontakt, den er hatte, war zu seiner Frau", sagte Cohen. Diese habe neben einem Sushi-Stand in einem Supermarkt in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulle in der Nähe von Kollegen mit chinesischer Herkunft gearbeitet. Es sei aber unklar, ob diese Kollegen nach China gereist seien. Seine Frau könnte ein sogenannter asymptomatischer Fall gewesen sein, also eine kranke Person, die keine wahrnehmbaren Zeichen einer Infektion zeigt. In China war das Auftreten des neuartigen Virus Ende 2019 erstmals gemeldet worden.

In Frankreich gibt es im Vergleich zu anderen Ländern viele COVID-19-Fälle. Zuletzt hatten die Behörden von knapp 25.000 Toten berichtet, in Deutschland sind es knapp 6700. Die Frage des ersten Auftretens der Erkrankung ist wichtig, um möglichst keine unerkannten Infektionsherde im Land zu haben.

Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnete die positive Coronavirus-Probe in Frankreich von Ende Dezember als "sehr interessant, aber nicht überraschend". Gleichwohl ergebe sich ein völlig neues Bild. Die Erkenntnisse würden dabei helfen, die "potenzielle Zirkulation von COVID-19" besser zu verstehen.

In der chinesischen Stadt Wuhan habe es schon im Dezember mysteriöse und zunächst nicht als Infektionen mit einem neuen Virus erkannte Lungenerkrankungen gegeben, so die WHO. Menschen aus Wuhan könnten das Virus bei Reisen im Dezember unwissentlich nach Frankreich und in andere Länder eingeschleppt haben.

Die WHO ruft nach dem Fall in Frankreich auch andere Staaten dazu auf, ähnliche Krankheitsfälle auf eine Coronavirus-Infektion hin zu überprüfen - und zwar nachträglich ab Ende 2019. Es sei möglich, dass sich noch mehr Lungenentzündungs-Patienten als frühe Corona-Fälle entpuppen, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier in Genf.

kle/qu (dpa, rtr, ape)

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