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KonflikteSudan

Eskalation im Sudan nach Mord an Gouverneur von West-Darfur

16. Juni 2023

Khamis Abdullah Abakr wurden offenbar seine kritischen Worte über die Gewalt der Rebellenmiliz zum Verhängnis. Die sudanesische Armee - der Bürgerkriegsgegner der RSF - spricht von einer "Hinrichtung" des Gouverneurs.

Der ermordete Gouverneur der sudanesischen Provinz West-Darfur, Khamis Abdullah Abakr
Der getötete Gouverneur der sudanesischen Provinz West-Darfur, Khamis Abdullah AbakrBild: SUNA/AFP

Im Sudan hat die Armee die rivalisierenden Rapid Support Forces (RSF) beschuldigt, den Gouverneur der Provinz West-Darfur im Westen des Landes getötet zu haben. Die Streitkräfte verurteilten "das verräterische Verhalten der Rebellenmiliz Rapid Support Forces", die Khamis Abdullah Abakr entführt und hingerichtet hätten, auf das Schärfste, hieß es in einer Stellungnahme des Militärs. Zuvor hatten mehrere Medien über die Tötung des Gouverneurs berichtet. Die RSF selbst machten in einer Mitteilung "Gesetzlose" dafür verantwortlich und verurteilten ebenfalls die Tat.

Vor allem Leid in Hauptstadt Al Geneina angeprangert

Im Sudan kämpfen die RSF des früheren Vize-Machthabers Mohammed Hamdan Daglo, eine aus Milizen hervorgegangene Quasi-Armee mit Zehntausenden Kämpfern, seit mittlerweile zwei Monaten gegen die Streitkräfte unter der Führung von De-facto-Staatschef Abdel Fattah al-Burhan. Die beiden Generäle hatten sich 2019 und 2021 gemeinsam an die Macht geputscht, später jedoch zerstritten sie sich.

Die Satellitenaufnahme von Mitte Mai zeigt die Zerstörung des Marktes von Al GeneinaBild: Satellite image ©2023 Maxar Technologies/AFP

Abakr hatte am Mittwoch - wenige Stunden vor seinem Tod - ein Interview gegeben und die Tötung von Zivilisten kritisiert. In dem Interview des saudischen TV-Senders Al-Hadath machte Abakar die RSF insbesondere für Morde und die Zerstörung der Hauptstadt von West-Darfur, Al Geneina, verantwortlich. Er beschuldigte die paramilitärische Gruppe und verbündete Milizen zudem, einen Genozid an den Angehörigen der Volksgruppe der Masaliten begehen zu wollen, und forderte internationale Unterstützung.

Schon seit Wochen ist West-Darfurs Hauptstadt Al Geneina in die Kämpfe im Sudan involviert (Archivfoto von Ende April) Bild: Str/AFP

Aus West-Darfur hatte es in den vergangenen Tage tatsächlich Berichte über zahlreiche Übergriffe auf Zivilisten durch die RSF gegeben. Auch aus den Hauptstädten der Bundesstaaten Süd-Darfur, Nyala, und Zentral-Darfur, Zalingei, wurden Angriffe und Gewalttaten gemeldet. Filippo Grandi, der Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, schrieb ergänzend auf Twitter, dass bei gewaltsamen Zusammenstößen in und um Vertriebenenlager im Bundesstaat Nord-Darfur über 100 Menschen getötet worden seien. Es gebe zudem schockierende Berichte über entsetzliche sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Warnung vor erneuter humanitärer Katastrophe in Darfur 

Die Vereinten Nationen forderten, die Mörder Abakrs zur Rechenschaft zu ziehen. "Alle Verantwortlichen für diese Tötung müssen zur Rechenschaft gezogen werden, einschließlich derjenigen, die die Befehlsverantwortung tragen", sagte Jeremy Laurence, Sprecher des UN-Rechtsbüros, in Genf. Zugleich warnten die UN davor, dass die Kämpfe im Sudan zu neuen Gräueltaten in der Provinz West-Darfur wie Anfang der 2000er führen könnten. "Darfur entwickelt sich schnell zu einer humanitären Katastrophe. Die Welt kann dies nicht zulassen. Nicht noch einmal", erklärte UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths. Anfang der 2000er Jahren stützte sich die sudanesische Armee auf arabische Milizen - die Dschandschawid - um eine Rebellion bewaffneter Gruppen niederzuschlagen. Der damalige Präsident Omar al-Baschir wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht, nachdem 300.000 Menschen getötet und Millionen vertrieben wurden. 

WHO: Mehr als 2,2 Millionen Sudanesen auf der Flucht  

Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sind mittlerweile mehr als 2,2 Millionen Menschen vor den Kämpfen auf der Flucht. Davon seien 528.000 in die Nachbarländer geflohen. Unter anderem hätten gut 200.000 Sudanesen Ägypten erreicht, rund 150.000 den Tschad und 110.000 Südsudan. Schon vor Ausbruch der Kämpfe im April habe es 3,7 Millionen Vertriebene im Sudan gegeben, heißt es bei der WHO mit Sitz in Genf weiter. Fast 25 Millionen Menschen in dem nordostafrikanischen Land benötigten humanitäre Hilfe, vier Millionen Kinder und schwangere oder stillende Mütter seien akut unterernährt.

sti/jj (afp, dpa, rtr, epd)

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