Ozeane heizen sich auf - Meere so warm wie nie
1. Juli 2026
Wissenschaftler des EU-Klimaprogramms Copernicus ermittelten an den Meeresoberflächen einen Durchschnittswert von 20,86 Grad. Der Copernicus-Meeresdienst nannte mit 21,0 Grad Celsius eine sogar noch höhere Zahl. Damit wurden die bisherigen Rekordwerte für diesen Tag aus den Jahren 2023 und 2024 übertroffen. Damals waren zum Stichtag 1. Juli 20,83 Grad beziehungsweise 20,9 Grad Celsius gemessen worden.
Wenn jeweils zwei Messwerte mit leichter Abweichung voneinander ermittelt wurden, erklärt sich das auch durch die Tatsache, dass an vielen verschiedenen Punkten gemessen wurde. Fakt ist auf jeden Fall: Sowohl das EU-Klimaprogramm Copernicus wie auch der Copernicus-Meeresdienst stützen sich auf Messungen an der Meeresoberfläche in Kombination mit Satellitendaten, die unter anderem von der europäischen Weltraumbehörde ESA bereitgestellt werden.
"Unbekanntes Terrain"
Die Ozeane bedecken rund zwei Drittel der Erdoberfläche. Ihre derzeit besonders hohen Temperaturen dürften nach Einschätzung von Copernicus vermutlich anhalten oder auch noch steigen. "Die gegenwärtigen Bedingungen könnten den Beginn einer neuen Phase einläuten und uns - einmal mehr - in unbekanntes Terrain führen", warnt Copernicus-Direktor Carlo Buontempo.
Verantwortlich für die Entwicklung ist den Angaben zufolge ein Zusammenspiel von Klimawandel und dem Klimaphänomen El Niño. "Angesichts der aktuellen Meerestemperaturen und El Niño am Horizont dürften in den kommenden Monaten weitere Temperaturrekorde fallen", sagte Buontempo.
El Niño bezeichnet ein natürliches Klimaphänomen, das sich alle zwei bis sieben Jahre ereignet und mit einer Abschwächung der Passatwinde im tropischen Pazifik beginnt. Die bislang letzte El-Niño-Phase gab es in den Jahren 2023/2024 - aus ihr stammte auch der bisherige Juni-Rekordwert für die Erwärmung der Ozeane.
Steigt die Temperatur im Meer, steigt sie an Land
Die Ozeane spielen eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des globalen Klimas, da sie den Großteil der überschüssigen Wärme aufnehmen, die durch die CO2-Emissionen der Menschheit verursacht wird. Höhere Meerestemperaturen können schädliche Folgen für die Erde haben: Sie befeuern stärkere Stürme und Niederschläge, verursachen Korallenbleiche und sorgen für einen Anstieg des Meeresspiegels.
Seit Beginn des Industriezeitalters haben die Ozeane 90 Prozent der überschüssigen Wärme aufgenommen, die durch menschliche Aktivitäten erzeugt wurde. Europa ist nach Angaben von Wissenschaftlern der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Welt.
Im Oktober 2024 hatte das aufgeheizte Mittelmeer einen Sturm befeuert, der die folgenreichsten Überschwemmungen in Spanien seit Jahrzehnten zur Folge hatte. Mehr als 230 Menschen kamen damals in den Regionen Valencia, Andalusien und Murcia ums Leben.
haz/AR (dpa, afp, kna, marine.copernicus.eu)