Suchtgefahr: EU-Kommission ermahnt Marc Zuckerbergs Meta
10. Juli 2026
Die EU-Kommission hat geprüft und rügt nun den Digitalkonzern Meta. Der Vorwurf: Das Unternehmen aus den USA tue nicht genug, damit Nutzer von Facebook oder Instagram keine Sucht entwickeln.
"Unsere Untersuchung zeigt, dass Meta diese Risiken weder angemessen bewertet, noch wirksame Maßnahmen zu ihrer Minderung angeboten und umgesetzt hat", machte Kommissionssprecher Thomas Regnier in Brüssel deutlich. Es gebe bei Facebook und Instagram kein effektives Tool zur Steuerung der Bildschirmzeit, keine wirksame Sensibilisierungsmaßnahmen oder eine funktionierende Kindersicherung. Der Konzern schütze Minderjährige auf den Plattformen Instagram und Facebook nicht ausreichend und verstoße damit gegen die EU-Digitalgesetze, so Regnier.
Die oberste Behörde der Europäischen Union fordert Meta deshalb zu Änderungen an seinen Social-Media-Kanälen auf. Der EU-Kommission geht es zum Beispiel um Funktionen wie Videos, die von selber starten, Push-Benachrichtigungen oder die Algorithmen, die Inhalte auf die Vorlieben des einzelnen Nutzers bezogen ausspielen.
EU fordert Pause im endlosen Videostrom
Die Endlosfeeds auf den Meta-Angeboten seien so entworfen, dass sie Kinder und Jugendliche süchtig machen, so die Kommission in ihrer vorläufigen Analyse. Die Folgen: "Kinder leiden unter Angstzuständen, Depressionen und Schlafmangel, um nur einige Beispiele zu nennen", sagte Kommissionssprecher Regnier.
Und er machte die Entschlossenheit in Brüssel deutlich: "Wie Sie an der heutigen Entscheidung sehen können, werden wir Online-Plattformen zur Verantwortung ziehen, denn die großen Tech-Konzerne sollen nicht auf Kosten des Wohlergehens unserer Kinder Geld verdienen.
Die EU-Kommission fordert Meta auf, die automatische Wiedergabe weiterer Videos standardmäßig zu deaktivieren und verpflichtende Pausen einzuführen. Außerdem soll der Algorithmus weniger stark darauf reagieren, was Nutzerinnen und Nutzer zuletzt angesehen haben.
In seinen Berichten an Brüssel habe das Unternehmen von Tech-Milliardär Mark Zuckerberg die Risiken für Kinder und Jugendliche unterschätzt, teilte die Kommission weiter mit. Instagram und Facebook fallen laut dem EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) unter die Aufsicht der EU-Kommission. Sie überwacht, ob sich große Digitalkonzerne an die Regeln halten. Bei Verstößen droht eine saftige Strafe.
Meta verweist auf seine "Teen Accounts"
Meta kritisierte in einer ersten Reaktion die vorläufigen Ergebnisse. Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen seien nicht angemessen berücksichtigt worden, so ein Sprecher. Seit Beginn der Untersuchung seien "Teen Accounts" zum Schutz von Jugendlichen eingeführt worden. Diese würden die Jugendlichen "automatisch" schützen und Eltern die Kontrolle geben, argumentierte der Konzern.
Eine Kommissionsvertreterin sagte dazu: "Das reicht nicht aus." Die Einstellung lasse sich leicht wieder deaktivieren und sei deswegen nicht wirksam. Die Elternkontrollsysteme seien ebenfalls nicht wirksam, "weil man wirklich ein Experte sein muss, um sie überhaupt zu finden und tatsächlich zu aktivieren", sagte die Kommissionsvertreterin. "Und wie wir wissen, ist nicht jedes Elternteil das."
Sollte sich bei Facebook und Insta nichts im Sinne der EU ändern, droht dem US-Konzern eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes. Meta hat nun die Möglichkeit, auf die Vorwürfe zu reagieren, bevor die Kommission in den kommenden Monaten eine endgültige Entscheidung trifft.
Weitere Mängel bei Meta
Zudem ermittelt die Behörde in einem weiteren Fall gegen Meta wegen sogenannter Kaninchenbau-Effekte, bei denen Nutzer durch Algorithmen zu immer ähnlicheren Inhalten gedrängt werden.
In den USA scheiterte Meta im vergangenen Monat mit dem Versuch, eine Klage von Generalstaatsanwälten aus 29 Bundesstaaten abzuweisen, in der Facebook und Instagram ebenfalls vorgeworfen wird, süchtig zu machen.
Im Februar hatte die EU-Kommission bereits ein ähnliches Verfahren gegen den chinesischen Konzern Byte Dance eingeleitet. Dessen Videoplattform Tiktok wurde angewiesen, die Funktionsweise zu ändern und die Suchtgefahr für Kinder und Jugendliche zu verringern.
Zeitgleich laufen in Brüssel die Vorbereitungen für ein mögliches Social-Media-Verbot für Heranwachsende. Am Montag soll - ähnlich wie bereits in Deutschland - ein Expertengremium seine Empfehlungen vorstellen, ein Gesetzentwurf wird im September erwartet.
AR/se (afp, kann, rtr, dpa, EBU)