EU-Mercosur-Freihandelsabkommen: die wichtigsten Fragen
9. Januar 2026
Worum geht es in dem Abkommen?
Das EU-Mercosur Freihandelsabkommen soll den Warenverkehr zwischen den 27 EU-Mitgliedsstaaten und den vier Mercosur-Volkswirtschaften Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay erleichtern. Die Verhandlungen dazu begannen vor über 25 Jahren.
Über mehrere Jahre wollen beide Seiten etwa 90 Prozent der aktuell geltenden Zölle abschaffen. Laut Angaben der EU würde so eine der größten Freihandelszonen der Welt entstehen, mit über 780 Millionen Menschen.
Für die europäische Industrie bedeutet das besseren Zugang zu südamerikanischen Märkten, wodurch die Auswirkungen von US-Zöllen abgefedert werden könnten. Aktuell gelten in Lateinamerika beispielsweise Zölle von bis zu 35 Prozent auf europäische Autos. Auch europäische Hersteller von Maschinen, chemischen Produkten und Arzneimitteln könnten laut Germany Trade & Invest (GTAI) profitieren.
Umgekehrt könnten Rohstoffe aus den Mercosur-Staaten leichter in die EU importiert werden - eine Alternative zu Lieferungen aus China. Auch Rindfleisch kann zukünftig zu einem ermäßigten Zollsatz eingeführt werden, allerdings nur in begrenzten Mengen, um europäische Landwirte zu schützen. Landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Zucker und Kaffee könnten günstiger werden für europäische Verbraucher, bei zu großen Preisstürzen würden Importe jedoch ausgesetzt.
Neben den positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft beiderseits des Atlantiks erhofft man sich in Europa auch eine Stärkung der eigenen geopolitischen Position, besonders in Zeiten zunehmender Spannungen mit den USA.
Was hat die EU beschlossen?
Anfang Januar sprach sich eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten für die Unterschrift des Abkommens aus. 21 der 27 Mitgliedsstaaten stimmten Anfang Januar 2026 für das Freihandelsabkommen - Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich und Irland waren dagegen, während Belgien sich enthielt.
Notwendig war die Zustimmung von mindestens 15 Mitgliedsstaaten, die zusammen mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung repräsentieren - eine sogenannte qualifizierte Mehrheit. Die kam durch die Zustimmung Italiens zustande.
Wie ist die Kommission Kritikern entgegengekommen?
Noch Ende Dezember war die Unterzeichnung des Abkommens wegen Bedenken der Regierung Meloni aufgeschoben worden, nachdem die italienische Agrarlobby die Ministerpräsidentin unter Druck gesetzt hatte. Nun hat man sich in Brüssel auf zusätzliche Zugeständnisse an die Landwirte geeinigt, wie etwa eine frühere Freigabe von Subventionen in Höhe von ca. 45 Milliarden Euro.
Außerdem wurde der Sicherungsmechanismus, mit dem das Abkommen ausgesetzt werden kann, angepasst: Importe können bereits suspendiert werden, wenn die Preise für europäische Agrarerzeugnisse um mehr als 5 Prozent sinken, oder Importe aus Lateinamerika um ebenso viel ansteigen. Ursprünglich waren 8 Prozent als Grenzwert vorgesehen. Sowohl das Europäische Parlament als auch die italienische Regierung hatten das gefordert.
Wer ist dagegen und warum?
Frankreichs Regierung konnte man damit nicht überzeugen - die Regierung des größten Agrarproduzenten der EU blieb bei ihrem Nein.
Umweltschutzorganisationen und landwirtschaftliche Verbände in Europa laufen nach wie vor Sturm gegen das Abkommen. Organisationen wie Greenpeace oder das Climate Action Network warnen, dass das Freihandelsabkommen die Zerstörung des Regenwaldes für die Produktion von Rindfleisch und Soja beschleunigen werde. Europäische Landwirte fürchten unfairen Wettbewerb durch billige südamerikanische Produkte, die unter weniger strengen Umwelt- und Arbeitsstandards produziert würden. Auch indigene Gruppen protestieren gegen den Deal, etwa in Brasilien.
Es gibt auch Kritik an der Vorgehensweise der Europäischen Kommission: Das Freihandelsabkommen ist Teil eines größeren Assoziierungsabkommens, das auch stärkere politische Kooperation mit den Mercosur-Staaten beinhaltet. Das kann aber nur mit der Zustimmung aller EU-Staaten beschlossen werden. Das Freihandelsabkommen fällt hingegen in die ausschließliche Zuständigkeit der EU und bedarf daher keiner Ratifizierung durch die einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Kritiker sehen darin einen Trick, um die nationalen Parlamente zu umgehen.
Was sind die nächsten Schritte?
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird das Abkommen zwar voraussichtlich kommende Woche in Paraguay unterzeichnen, es tritt damit jedoch noch nicht in Kraft. Dafür ist die Zustimmung des Europäischen Parlaments nötig, das in den kommenden Monaten darüber abstimmen wird - und den Deal auch noch scheitern lassen könnte.