Verbot für Bisphenol A – wird die EU nun "BPA-frei"?
19. Juni 2026
In Säuglingsflaschen und in Thermopapier wie Kassenzetteln ist es schon verboten, nun soll die Chemikalie Bisphenol A (BPA) auch nicht mehr über Lebensmittel in unseren Körper gelangen. Mit dem Ende der Übergangsfrist im Juli 2026 dürfen in der EU keine Lebensmittelverpackungen mehr verkauft werden,die mit BPA oder ähnlichen Bisphenolen hergestellt wurden.
Bisphenol A ist eine Industriechemikalie. Mit ihr werden der harte und transparente Kunststoff Polycarbonat sowie sogenannte Epoxid-Kunstharze hergestellt. Diese Harze findet man beispielsweise in der Innenbeschichtung von Konserven- oder Getränkedosen. Dort sollen sie verhindern, dass das Blech rostet und sich Metalle lösen, die dann die Lebensmittel übergehen.
Auch in Plastikfolien, Druckfarben oder Klebstoffen kann BPA stecken. Laut der Umweltorganisation BUND wurden allein in Deutschland pro Jahr etwa 410.000 Tonnen BPA vermarktet.
Das EU-Verbot betrifft nicht nur Einwegverpackungen, sondern auch Gegenstände wie Trinkflaschen, Brotboxen oder Küchengeschirr aus Plastik.
Wie Bisphenole wie BPA unserer Gesundheit schaden können
Werden chemische Stoffe wie BPA in Lebensmittelbehältnissen verwendet, können geringe Mengen davon in die Lebensmittel und Getränke übergehen. Gerade Bisphenol A ist laut Ansicht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) dabei ein Gesundheitsrisiko - und zwar für alle Altersgruppen.
Unter anderem kann BPA laut EFSA bestimmte Mechanismen des Immunsystems verändern und Asthma und Autoimmunerkrankungen auslösen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass es das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit erhöht.
Vor allem aber wirkt BPA schädlich auf den Hormonhaushalt: Es kann beispielsweise die Fruchtbarkeit von Männern wie Frauen schädigen, möglicherweise die Entwicklung der Pubertät stören und wird auch mit der Entstehung bestimmter Krebsarten in Verbindung gebracht.
Hormonwirkung von BPA seit fast 100 Jahren bekannt
Dass Bisphenol A ähnlich wirken kann wie das natürliche weibliche Sexualhormon Östrogen, ist keine neue Erkenntnis. BPA wurde schon in den frühen 1930er-Jahren als künstliches Östrogen getestet. Zum Einsatz kam dann aber das Östrogen-Derivat DES (Diethylstilbestrol), das eine sehr ähnliche Molekülverbindung hat wie BPA.
DES wurde bis in die 1970er-Jahre gegen Komplikationen in der Schwangerschaft eingesetzt. Doch es zeigte sich, dass es das Brustkrebsrisiko erhöhte und bei Töchtern der behandelten Frauen stieg die Gefahr für geburtsbedingte Komplikationen sowie Vaginal- und Gebärmutterhalskrebs. 1971 wurde die Verschreibung von DES als synthetisches Hormon-Derivat verboten.
Studien in EU und USA: So gut wie jeder hat BPA im Körper
In Studien der Europäischen Umweltbehörde (EEA) in elf europäischen Ländern wurden bei 92 Prozent der Teilnehmenden Bisphenol A im Urin nachgewiesen. In einer nationalen US-Gesundheitsstudie aus den Jahren 2003 - 2004 hatten 93 Prozent der mehr als 2500 Teilnehmenden BPA im Urin.
In den USA gibt es kein bundesweites Verbot der Chemikalie in Lebensmittelverpackungen. Seit 2012 ist es aber in Babyflaschen und Trinklernbechern verboten und seit 2013 in Verpackungen von Säuglingsnahrung. Einige Bundesstaaten haben BPA in Thermopapier verboten und in Kalifornien müssen stark BPA-haltige Produkte mit Warnhinweisen versehen sein.
In Europa legte die EFSA im Jahr 2023 die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) an Bisphenol A auf 0,2 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht fest. In dieser Menge, so nimmt man an, richtet die Chemikalie keinen Schaden an. Vorher hatte der TDI-Wert bei 4 Nanogramm gelegen.
Zwar sind Bisphenole wie BPA oder auch die ähnlich wirkenden Stoffe BPF und BPS in vielen Produkten vorhanden, etwa auch in Material für Zahnfüllung oder in Unterwäsche aus Synthetikfasern. Auch in Luft, Staub oder Wasser findet sich BPA. Doch in unseren Körper gelangen die Chemikalien hauptsächlich über Behältnisse für Lebensmittel und Getränke. Schwangere Frauen geben sie über die Plazenta an den Fötus weiter.
Noch ist die EU nicht BPA-frei
Das jüngste BPA-Verbot für Lebensmittelbehältnisse in der EU ist zwar das strengste weltweit. Doch es gibt einige Ausnahmen und weitere Übergangsfristen.
So dürfen die noch in BPA-haltigen Verpackungen steckenden Lebensmittel so lange verkauft werden, bis die Bestände aufgebraucht sind - unter anderem um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.
Wo es noch keine geeigneten BPA-Alternativen gibt, gibt es Übergangsfristen, etwa bei Konservendosen mit säurehaltigen Lebensmitteln wie Fisch, Obst und Gemüse. Sie dürfen bis 2028 mit BPA beschichtet sein, denn das verhindert, dass das Blech durch die Säure angegriffen wird und Stoffe aus dem Metall auf den Inhalt übergehen.
Und auch in unser Trinkwasser kann Bisphenol A gelangen. Und zwar dann, wenn bei der Sanierung von Trinkwasserleitungen Epoxidharze zur Innenbeschichtung verwendet wurden. Denn die werden mit der Zeit spröde, die Chemikalie kann ins Trinkwasser übergehen. Daher sollte man besser kein warmes Wasser aus der Leitung trinken. Bei kaltem Wasser ist das Risiko deutlich geringer. Duschen mit Warmwasser ist dagegen kein Problem.
Wie können wir Bisphenole vermeiden?
In der EU gibt keine Pflicht, auf BPA-Beschichtungen hinzuweisen. Auch der Hinweis "BPA-frei" sagt wenig aus, denn es könnten andere Bisphenole bei der Produktion verwendet worden sein. Doch mit ein paar Maßnahmen können wir uns trotzdem schützen.
- Besser frisch kochen, statt Nahrung aus Konservendosen essen
- Glaskonserven als Alternative zu Dosen nutzen
- Statt Plastik Küchenutensilien aus Holz, Glas oder Edelstahl einsetzen
- Auf mikrowellengeeignetes Plastikgeschirr verzichten
- Beim Kauf von Kunststoffutensilien auf den Hinweis "Bisphenol-frei" achten - "BPA-frei" reicht nicht
- Auch beim Camping das Essen nicht in den Dosen erhitzen
- Leitungswasser grundsätzlich kalt trinken (schützt auch vor Schwermetallen)
Möglicherweise hilft es auch, Ballaststoffe zu essen. Von ihnen ist bekannt, dass sie toxische Stoffe binden und aus dem Körper ausleiten können, dazu zählen etwa manche Stoffe der PFAS-Gruppe. Ob dies auch bei Bisphenolen klappt, ist allerdings noch nicht erforscht.