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Digitaler Euro: Europas Waffe gegen Trump?

Nik Martin
6. Juli 2026

Die Europäische Zentralbank will den digitalen Euro einführen. Dadurch soll Europa unabhängiger von Visa, Mastercard und Apple Pay werden. Doch wie überzeugt man Verbraucher und Banken? Und wie funktioniert das Ganze?

Symbolbild 2026 | Frau überweist Euro per Mobile Banking
Die Gemeinschaftswährung Euro soll auch digital werdenBild: Arman Zhenikeyev/Westend61/IMAGO

Digitale Währungen oder Kryptowährungen sollten die Art und Weise revolutionieren, wie wir für Waren und Dienstleistungen bezahlen. Doch auch 2026 greifen wir beim Einkauf im Geschäft oder online meist zu Bargeld oder Karte - nicht zuletzt, weil Kryptowährungen wie Bitcoin stark schwanken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) plant hingegen eine stabile digitale Währung. Mit ihr sollen Verbraucher sicher bezahlen können: im Geschäft, online oder von Person zu Person. Das alles gedeckt durch Europas Währungshüter. Die Pläne sind nicht nur ein digitales Update für Europa, sondern zunehmend auch eine geopolitische Notwendigkeit.

Auf der Suche nach Währungssouveränität

In einer Welt, in der die US-Regierung plötzlich Handelsregeln neu schreibt, über Nacht Zölle verhängt oder KI-Exportkontrollen verschärft, gilt die Unabhängigkeit der eigenen Währung als zunehmend wichtig.

Denn Europa ist stark auf US-Zahlungssysteme wie Visa und Mastercard angewiesen. Bezahldienste auf dem Smartphone wie Google Pay, Apple Pay oder PayPal schaffen eine weitere Ebene der Abhängigkeit. "Wenn weltweit alle Transaktionen in Dollar abgewickelt würden und es keinen digitalen Euro gäbe, würde das die Gestaltungskraft der Europäischen Zentralbank (EZB) über die eigene Währung einschränken", sagte Bas van Donselaar von der Beratungsfirma PaymentGenes gegenüber der DW.

Eine Pilotphase des digitalen Euro könnte im nächsten Jahr beginnen - die vollständige Einführung ist für 2029 vorgesehenBild: Daniel Kalker/picture alliance

Handel und Zahlungen verlagern sich immer stärker ins Internet und zunehmend auf ausländische digitale Währungen. Ein digitaler Euro könnte helfen, die Geldmenge besser zu steuern, auf Wirtschaftskrisen zu reagieren und den Euro gegen äußere Schocks zu schützen. Andere große Volkswirtschaften sind bereits schneller, darunter China mit dem digitalen Yuan (e-CNY).

Seit der ersten Pilotphase im Jahr 2020 wurden über 230 Millionen private und etwa 18,8 Millionen geschäftliche digitale Geldbörsen (Wallets) für den e-CNY eingerichtet. Peking treibt die Entwicklung weiter voran, weitet die grenzüberschreitende Nutzung aus und erlaubt inzwischen sogar die Verzinsung von Guthaben.

Finanzstabilität Europas in Gefahr?

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass der digitale Euro nicht wie ein vollwertiges Girokonto fungiert. Andernfalls könnten europäischen Banken wichtige Einlagen entzogen werden. Etwa in einer Wirtschaftskrise, wenn Verbraucher um ihre Ersparnisse fürchten, könnten sie Gelder in den digitalen Euro umschichten. "Wenn es keine Grenze dafür gibt, wie viele digitale Euro die Menschen halten können, wird er zum Ersatz für Bankkonten", warnt Emmanuelle Auriol, Ökonomin an der Toulouse School of Economics.

Um dem vorzubeugen, sieht die EZB Schutzmechanismen vor. Zum Beispiel eine mögliche Obergrenze von 3000 Euro (3420 US-Dollar) für Guthaben in digitalen Euro würde überschüssige Beträge automatisch auf ein verknüpftes Bankkonto zurückleiten. Der digitale Euro soll zudem nicht verzinst werden, um den Anreiz zu mindern, Ersparnisse von Banken abzuziehen. Unternehmen sollen nach den Plänen keine großen Guthaben halten dürfen.

Privatsphäre ohne Überwachung

Unter Verbrauchern bleibt die Privatsphäre eine der größten Sorgen. Einige befürchten, eine digitale Zentralbankwährung könnte staatliche Überwachung der Finanzen ermöglichen - Kritiker ziehen Parallelen zum chinesischen Sozialkreditsystem. Dort werden Bürger nach ihrem Verhalten bewertet, einschließlich ihrer finanziellen Zuverlässigkeit. Schlechte Bewertungen können den Zugang zu Krediten, Jobs, öffentlichen Dienstleistungen oder Reisen einschränken.

Auriol sieht keinen Zusammenhang zum digitalen Euro. "Sozialkreditsysteme (wie in China, Anm. d. Red.) haben damit nichts zu tun", sagte sie gegenüber der DW. "Der Schutz der Privatsphäre lässt sich mit Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung in Einklang bringen, ohne Instrumente sozialer Kontrolle zu schaffen."

Die EZB plant zudem, Peer-to-Peer-Zahlungen direkt zwischen Smartphones zu ermöglichen. So ließe sich für Zahlungen im Alltag eine bargeldähnliche Anonymität wahren, während die Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung weiterhin eingehalten werden. Evelien Witlox, Direktorin Digitaler Euro bei der EZB, beschreibt die Pläne als "eine sichere, öffentliche Option für digitale Zahlungen, die die Einfachheit und Bequemlichkeit moderner Zahlungsmethoden mit dem Vertrauen und der Stabilität von Bargeld verbindet".

Wie begeistert man die Banken? 

Derzeit verlieren Händler bei jeder Kartenzahlung einen Teil an Gebühren. Bei einer Transaktion über 100 Euro fallen etwa 0,5 bis 1,5 Prozent an - aufgeteilt zwischen Bank und Zahlungsabwickler. Der digitale Euro soll diese Kosten für Händler senken. Die Banken argumentieren jedoch, dass sie über die bisherigen Gebühren den Aufbau und Betrieb der digitalen Infrastruktur finanzieren. Ein Teil dieser Erlöse könnte wegfallen, weshalb viele Kreditinstitute eine faire Kompensation fordern.

"Der Balanceakt zwischen Vergütungsmodellen für Banken und Händlern ist entscheidend", sagte van Donselaar. "Zwar sind niedrigere Akzeptanzgebühren für Händler verständlich, aber die Banken werden den Großteil der Arbeit leisten und brauchen ebenfalls ein tragfähiges Geschäftsmodell", so der Zahlungsexperte gegenüber der DW.

Am Ende müssen die Verbraucher mitmachen

Damit der digitale Euro akzeptiert wird, will die EZB ihm den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels verleihen. Nach bisherigen Vorschlägen müsste jeder Händler mit Zahlungsterminal den digitalen Euro annehmen - ohne zusätzliche Gebühren für Verbraucher. "Wie bei physischen Banknoten würde sein Wert durch das Eurosystem - die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken - gedeckt. Ein digitaler Euro entspricht also immer einem normalen Euro. Anders als bei Kryptowährungen ist sein Wert stabil und schwankt nicht", so Witlox gegenüber der DW.

Rund 155 Milliarden bargeldlose Transaktionen werden jedes Jahr in den Ländern, die den Euro verwenden, abgewickeltBild: Jose De Jesus Saldana/Addictive Stock/IMAGO

Auch Nicht‑Euro‑Länder innerhalb der EU könnten die Währung anbieten. Der digitale Euro würde außerdem offline funktionieren, was bei Stromausfällen oder in Regionen mit schlechter Netzabdeckung nützlich sein könnte.

Noch ist der Weg allerdings weit: In der vergangenen Woche hat der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments grünes Licht für weitere Verhandlungen mit Europarat und EU-Kommission über die Einführung gegeben. Die europäischen Entscheidungsträger wollen den Rechtsrahmen noch in diesem Jahr verabschieden; ein Pilotprojekt ist für 2027 geplant, ein vollständiger Start könnte 2029 erfolgen.

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