1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikEuropa

EZB-Chefin Lagarde tritt vorzeitig ab

29. Oktober 2026

Schon länger wurde hinter den Kulissen gemunkelt, die Französin könnte aus taktischen Gründen ihren Posten früher räumen als eigentlich vorgesehen. Hintergrund ist die anstehende Präsidentenwahl in ihrem Heimatland.

G20-Finanzministertreffen 2026 | EZB-Präsidentin Christine Lagarde mit blauer Brille
Bekannt für blaue Brillen: Christine Lagarde (Archivbild)Bild: Sam Wolfe/REUTERS

Christine Lagarde tritt vorzeitig als Präsidentin der Europäischen Zentralbank ab. Die Französin gibt ihren Posten zum 7. Februar 2027 auf, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Darüber habe Lagarde den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, informiert. Regulär wäre die achtjährige Amtszeit von Lagarde erst im Oktober 2027 zu Ende gegangen. 

Die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten sind nun gefordert, die Nachfolge der Französin früher zu regeln. Der Abtritt Lagardes ermöglicht es dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz, noch vor der Wahl in Frankreich die Neubesetzung eines der wichtigsten Spitzenposten in Europa zu klären.

Unter Lagardes Ägide wurden im Sommer auch neue Euro-Banknoten-Motive zur Abstimmung gestellt (Archivbild)Bild: Hannelore Foerster/IMAGO

Der Rückzug der 70-Jährigen kommt nicht überraschend, Gerüchte um einen vorzeitigen Abtritt gibt es schon länger. Bereits im Februar hatte die "Financial Times" geschrieben, Lagarde wolle sich vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027 zurückziehen.

Blockade durch Le Pen befürchtet

Hintergrund seien Sorgen, dass eurokritische Rechtspopulisten um Marine Le Pen die Wahlen in der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft gewinnen könnten, was die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren könnte. Macron darf nicht erneut antreten.

Im September bestätigte Lagarde in einem Interview erstmals selbst Überlegungen, sie könnte bei der EZB "ein paar Monate" früher abtreten. Medien berichten, die frühere französische Finanzministerin könnte zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in die Schweiz wechseln. Das WEF lehnte eine Stellungnahme hierzu ab.

Auf Deutsche wird nicht gewettet

Für die Lagarde-Nachfolge hatte sich auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ins Spiel gebracht. Europas größte Volkswirtschaft Deutschland stellte in der mehr als 25-jährigen Geschichte der Notenbank noch nie die EZB-Spitze. Als Top-Favoriten für die Lagarde-Nachfolge gelten aber der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel ist.

Marschallstab im Tornister: Pablo Hernández de Cos, derzeit Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Archivbild)Bild: Cézaro De Luca/dpa/picture alliance

EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die ebenfalls Interesse an Lagardes Nachfolge angemeldet hatte, wechselt Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington. Damit wird Schnabels Stelle im sechsköpfigen EZB-Direktorium schon bald frei. Ab Juni 2027 braucht die Notenbank zudem einen neuen Chefökonomen, weil dann die Amtszeit des Iren Philip Lane endet. Als wahrscheinlich gilt, dass auf europäischer Ebene ein ganzes Personalpaket verhandelt wird.

Klingbeil bittet um Gehör

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erklärte, Deutschland werde sein Gewicht als größter Staat im Euroraum einbringen, um eine breit getragene und verantwortungsvolle neue Führungsspitze der EZB zu bilden. Schon am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok hatte der Vizekanzler unlängst betont, "natürlich" werde Deutschland im Direktorium der Zentralbank weiterhin eine Rolle spielen.

Als größtes Hindernis für einen Deutschen an der EZB-Spitze gilt indes, dass bereits die Europäische Kommission von einer Deutschen geführt wird: Ursula von der Leyen. Zwei Deutsche an der Spitze von derart wichtigen Institutionen in Europa - das dürfte im Brüsseler Personalpoker nur schwer zu vermitteln sein.

jj/gri (dpa, afp, rtr)

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen