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Samsung-Erben muss in Haft

25. August 2017

Der Erbe des Samsung-Imperiums muss ins Gefängnis. Ein koreanisches Gericht verurteilte Lee Jae Yong unter anderem wegen Bestechung und Untreue. Die Folgen für den Samsung-Konzern dürften beträchtlich sein.

Südkorea Anhörung Lee Jae Yong
Samsung Manager Lee Jae YongBild: picture-alliance/dpa/J. Heon-Kyun

Das Verfahren gegen Lee Jae Yong stand im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um eine enge Freundin der früheren Präsidentin Park Geun Hye. Samsung soll hohe Summen an Organisationen der Freundin Parks gezahlt und im Gegenzug politische Unterstützung für die Fusion zweier Firmentöchter erhalten haben.

Park wurde ihres Amtes enthoben und steht in einem separaten Prozess vor Gericht. Sie soll direkt oder indirekt Druck auf die staatliche Pensionskasse ausgeübt haben, damit diese ihre erforderliche Zustimmung für die Fusion der Samsung-Töchter vor zwei Jahren erteilte. 

Das Bezirksgericht in Seoul fand Lee am Freitag der Bestechung, der Untreue und des Meineids für schuldig. Auch soll er Vermögenswerte im Ausland und Gewinne aus kriminellen Straftaten verborgen haben. "Der Kernpunkt dieses Falls ist die enge Verbindung zwischen politischer und wirtschaftlicher Macht", wurde die Richter von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Lee sei in der Position gewesen, davon am meisten zu profitieren.

Lee leitet faktisch die Samsung-Gruppe, seit sein Vater 2014 einen Herzinfakt erlitt. Hintergrund des jetzt ergangenen Urteils ist das Ringen um die Erbfolge in der Samsung-Gruppe. Um die Macht der Familie zu festigen, hat der Enkel des Gründers einen Umbau in die Wege geleitet. Wichtiger Bestandteil war dabei die Firmenfusion innerhalb der Gruppe. 

Fünf Dutzend Firmen

Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft für Lee gefordert. Der 49-Jährige selbst bestritt vor Gericht jegliches Fehlverhalten, sein Anwalt kündigte an, in Berufung zu gehen. In dem Verfahren ging es um Beträge, die sich auf rund 40 Millionen Dollar summierten.  Außer Lee wurden vier frühere Topmanager des Konzerns zu Haft- oder Bewährungsstrafen verurteilt. 

Samsung könnte durch das Urteil für lange Zeit in eine Führungskrise getrieben werden. Das Konglomerat ist der wichtigste Industriekonzern Südkoreas. Samsung ist der weltgrößte Hersteller von Smartphones und Speicherchips. Der Konzern, der 1938 von Lees Großvater gegründet wurde, umfasst mehr als fünf Dutzend Firmen und ist neben Samsung Electronics in vielen anderen Geschäftsfeldern aktiv, vom Schiffsbau über Baukonzerne, von der Hausgerätebranche über Arzneimittel bis zu Hotels. 

Die großen Industriedynastien Südkoreas - Chaebols genannt - haben eine entscheidende Rolle gespielt bei der Entwicklung eines armen Land zu einer Industrie- und Hochtechnologiemacht. Ihre enge Verflechtung mit der Politik wurde deswegen jahrelang hingenommen; Korruptionsklagen endeten meist mit Begnadigungen.

Wohl oder Wehe?

Das Urteil und die Haftstrafe werden von Beobachtern als Zeichen gewertet, dass den Chaebols nun ein schärferer Wind ins Gesicht bläst. Der neue Präsident des Lands, Moo Jae In, wirft ihnen vor, die Wirtschaft heute eher zu bremsen und kleine Unternehmen sowie Start-ups zu behindern. Außerdem fordert die Gesellschaft mehr Transparenz und eine konsequente Bekämpfung der Korruption. Das wurde in den Massendemonstrationen gegen Park deutlich.

Präsident Moon Jae In, sagte in einem Interview unlängst, er glaube nicht, dass das Wohlergehen von Samsung nur von Lee abhänge. Er verwies darauf, dass die Kurse von Samsung-Aktien bei Lees Verhaftung in die Höhe gegangen seien. Nach der Urteilsverkündung gab der Kurs von Samsung Electronics um mehr als ein Prozent nach. Auch die Kurse anderer Konzernfirmen fielen.

Wirtschaftlich läuft es momentan rund bei Samsung. Der anhaltende Boom bei Speicherchips hat dem Konzern im zweiten Quartal einen Rekordgewinn beschert. Trotz einer Delle im Smartphone-Geschäft schnellte das Betriebsergebnis um 73 Prozent auf umgerechnet 10,8 Milliarden Euro in die Höhe.

ar/bea (dpa, rtr, afp)

 

 

 

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