"Für jeden fünften Bürger die Muttersprache"
28. Dezember 2001Bischkek, 24.12.2001, KABAR, russ.
Der kirgisische Präsident Askar Akajew hat heute ein Gesetz über die Neufassung von Artikel 5 der kirgisischen Verfassung unterzeichnet, wonach die russische Sprache in unserem Lande den Status einer Amtssprache erhält. Bei der Unterzeichnung erklärte Askar Akajew unter anderem folgendes:
Ein Großteil unserer Landsleute verfügt nicht nur über Grundkenntnisse des Russischen, sondern spricht auch täglich Russisch. Für jeden Fünften (kirgisischen Bürger) ist es die Muttersprache. Russisch wird nicht nur in der Hauptstadt der Republik (Bischkek) gesprochen, sondern auch in den entlegensten Gebieten gesprochen. Die russische Sprache hat wertvolle Dienste geleistet, wenn man bedenkt, dass wir, anders als viele andere GUS-Länder, die Jahre der Unabhängigkeit ohne Konflikte gelebt haben, in Frieden und Eintracht. Sie hat dazu beigetragen, dass wir uns untereinander verstehen und sie hat die zwischenethnischen Beziehungen gefördert. Während wir unsere eigene Staatssprache, Kirgisisch, wiederbeleben und über ihre Weiterentwicklung nachdenken, so leben wir doch in einem russischen Informationsraum. In unserem Lande werden mehrere Dutzend russischsprachige Zeitungen und Zeitschriften herausgegeben. Mehrere Kanäle des KIRGISISCHEN FERNSEHENS und viele Radiostationen senden in Russisch. (...) Und schließlich nutzen wir alle in der Regel auch russische Internet-Seiten. Es fällt schwer, sich unsere Informationslandschaft ohne dieses reiche Angebot vorzustellen. (...)
Das große Russland war und bleibt unser strategischer Partner. Die Annahme dieser Novelle der kirgisischen Verfassung wird, davon bin ich vollkommen überzeugt, zur allseitigen Umsetzung der im vergangenen Jahr unterzeichneten Erklärung über ewige Freundschaft, das Bündnis und die Partnerschaft zwischen der Republik Kirgisistan und Russland beitragen. Sie wird die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern und Völkern wesentlich erweitern.
Viele Kirgisen studieren nach wie vor an russischen Hochschulen, wo das Bildungsniveau bekanntlich auch nach internationalen Maßstäben höher ist. Viele unserer Landsleute arbeiten in Russland, dessen gigantischer Markt dazu gute Möglichkeiten bietet. Die GUS-Länder mit einem Großteil an russischsprachiger Bevölkerung sind nicht nur unsere guten Nachbarn, sondern auch Partner in allen Lebensbereichen, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich. Dies ist unsere langfristige Entwicklungsstrategie für das 21. Jahrhundert.
Dank der guten Russischkenntnisse wird der große russischsprachige Wirtschaftsraum für uns, das kirgisische Volk, stets von Vorteil sein. Tausende unserer Freunde und Verwandten leben in Russland und Weißrussland, in der Ukraine und in Kasachstan und in allen anderen Republiken der ehemaligen UdSSR, mit denen wir weiterhin herzliche freundschaftliche Beziehungen und enge Kontakte pflegen wollen und zweifellos auch pflegen werden, denn wir sprechen eine Sprache und können in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren - in Russisch. Es würde für das kirgisische Volk zu einem nie wieder gutzumachende Schaden führen, wenn wir uns vor dem stärkenden Einfluss der russischen Kultur verschließen würden. Die russische Kultur wird in der ganzen Welt geschätzt. Jeder Kirgise kann die großen Werke Puschkins, Dostojewskijs, Tolstojs, Nabokows, Solschenizyns, Pasternaks im Original lesen, in der Sprache des Autors. Das macht uns sehr glücklich. (...) (TS)