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Politik

Facebook und Co: Trump wird abgeschaltet

Marko Langer
7. Januar 2021

Der abgewählte Präsident kann soziale Medien kaum noch nutzen, um seine Anhänger zu erreichen. Facebook, Twitter und andere kommen zur Sicherheit ohne Trump aus. Daran dürfte sich bis zum 20. Januar nichts mehr ändern.

USA Trump-Anhänger Handy Telefon
Was schreibt er denn? Ein Trump-Anhänger sucht Informationen am MobiltelefonBild: Jeremy Hogan/SOPA Images/Zumapress/picture alliance

Wenn die Vorgänge nicht so ernst wären, könnte man einen Witz riskieren: Donald J. Trump kann das machen, wovon so viele Nutzer von Mobiltelefonen träumen. Weniger Facebook nutzen, nicht mehr dieser ständige Blick auf das Handy! Detox, Entgiftung, wer schafft das schon in diesen aufgeregten Zeiten?

Zuckerberg macht etwas, was Zuckerberg sonst nicht macht

Doch die Vorgänge in Washington rund um die Erstürmung des Kapitols sind ernst, daher hier die Fakten: Facebook sperrt den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump bis auf Weiteres. Trumps Konten bei dem Online-Netzwerk und auch bei der Fotoplattform Instagram sollten für mindestens zwei Wochen beziehungsweise bis zur Machtübergabe an Nachfolger Joe Biden blockiert bleiben. Dies gab Facebook-Chef Mark Zuckerberg höchstpersönlich bekannt. Zunächst hatte die Plattform Trump nur für 24 Stunden gesperrt. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter hat "realdonaldtrump" am Mittwoch abgeschaltet. Youtube und Snapchat - not available for posts by the President. Auf Twitter ist nun der Auftritt, mit dem Trump nach Ansicht vieler Beobachter den Sturm auf das Kapitol ausgelöst hatte, eines der letzten verfügbaren Lebenszeichen Trumps.

Später hatte Trump ein Video gepostet, in dem der Präsident seine Anhänger zwar zum Rückzug aus dem US-Parlamentsgebäude aufrief - aber zugleich abermals unbelegte Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug wiederholte. Auch zeigte er Sympathie für die Angreifer: "Wir lieben Euch. Ihr seid sehr besonders." In einem weiteren Beitrag auf den Plattformen schrieb Trump: "Das sind Dinge und Ereignisse, die passieren, wenn ein heiliger Erdrutschsieg so unvermittelt und gemein" gestohlen werde. "Ereignisse, die passieren" - gemeint war die Erstürmung des Kapitols. Shit happens? Eine Verurteilung von Gewalt klingt anders.

Time to say goodbye: Noch hat er hier fast 89 Millionen FollowerBild: Olivier Douliery/AFP

Shit happens?

Twitter hatte Trump wegen dieser Beiträge für zunächst zwölf Stunden blockiert - und drohte mit einer dauerhaften Sperre bei weiteren Verstößen gegen die Regeln. Facebook-Boss Zuckerberg schrieb nun: "Die schockierenden Ereignisse der vergangenen zwölf Stunden zeigten klar, dass Präsident Donald Trump seine verbleibende Amtszeit dafür nutzen will, die friedliche und legitime Machtübergabe an seinen gewählten Nachfolger Joe Biden zu untergraben." Die Erklärung Zuckerbergs: 

Daran sind - mindestens - zwei Dinge interessant. Erstens: Facebook macht eine weitere Wende, weil dem Zuckerberg-Konzern in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen worden war, zu wenig gegen populistische Statements und Verschwörungstheorien zu unternehmen. Zuckerberg musste sich dazu sogar interner Kritik stellen. Zweitens: Der Mann, der noch im Weißen Haus sitzt und Presseberichten zufolge die Ereignisse am Kapitol und im Parlamentsgebäude im Fernsehen verfolgt hat, verfügt nicht mehr über seine Lieblingsspielzeuge.

Eine Rede? Oder gar "Fake news media"?

Wobei der Begriff Spielzeuge die Dinge verharmlosen würde: Vor allem Twitter war Trumps wichtigste Plattform, um seine Anhänger ungefiltert zu erreichen und ungestört etwa durch Journalistenfragen Behauptungen in die Welt zu setzen. Er könnte jetzt noch zu einem Pressebriefing im Weißen Haus bitten. Eine Rede an die Nation halten. Oder einem TV-Sender ein Interview anbieten. Wird er das jetzt tun, wo ihn nach der verlorenen Präsidentenwahl sogar sein früherer Haussender Fox mitten in einer Erklärung abgeschaltet hat? Trump hat nur noch wenige Tage im Amt.

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