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PolitikVenezuela

Faktencheck: Diese Fakes kursieren zu Venezuela

Silja Thoms | Tetyana Klug
5. Januar 2026

Mehrere virale Videos sollen Menschen in Venezuela zeigen, die angeblich nach Maduros Festnahme feiern oder protestieren. Der DW Faktencheck erklärt, warum diese Aufnahmen irreführend oder sogar gefälscht sind.

Demonstrierende mit venezolanischer Flagge vor dem Bundesgefängnis im Stadtteil Sunset Park in Brooklyn.
In vielen Städten protestierten Menschen gegen den Angriff der USA auf Venezuela, wie hier in New York am 4. Januar 2026Bild: Anthony Behar/Sipa USA/picture alliance

In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar haben die USA Venezuela angegriffen und Machthaber Nicolás Maduro sowie seine Ehefrau Cilia Flores gefangen genommen. Bei dem Angriff wurden laut der kubanischen Regierung 32 Menschen getötet. Spitzenvertreter der Europäischen Union und der Vereinten Nationen (UN) forderten unterdessen die Achtung des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen.  

Nur kurze Zeit später teilten Nutzende auf Social Media zahlreiche Bilder und Videos der Festnahme Maduros. Laut dem Recherchenetzwerk Eurovision News Spotlight sind einige davon KI-generiert und damit fake. Immer wieder tauchen auch Videos und Bilder von angeblichen aktuellen Protesten auf – sowohl gegen Maduro als auch für ihn. Ein DW Faktencheck. 

Feiern Venezolaner die Absetzung Maduros?  

Ein Bild von einem Protest von 2024 wird fälschlicherweise als aktuell verbreitetBild: x.com/realalexjones

Behauptung: In den sozialen Medien werden zahlreiche Videos geteilt, die angeblich feiernde Venezolaner zeigen sollen. Alex Jones, ein bekannter US-amerikanischer Verschwörungsideologe, behauptet in seinem Post auf der Plattform X etwa: "Millionen Venezolaner strömten auf die Straßen von Caracas und anderen Großstädten, um den Sturz des kommunistischen Diktators Nicolás Maduro zu feiern." Das Video hat mehr als zwei Millionen Aufrufe und wurde ebenso auf anderen Plattformen wie Facebook geteilt. 

DW Faktencheck: Falsch  

Das Video ist nicht aktuell. Eine Bilderrückwärtssuche mithilfe von Google zeigt, dass das Video schon mindestens über ein Jahr alt ist und im Sommer 2024 auf einem Facebook-Account veröffentlicht wurde. Auch auf diversen anderen Accounts  tauchte das gleiche Video zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2024 auf.  

Geteilt wurde es damals unter anderem von Tomás Guanipa, einem venezolanischen Oppositionspolitiker - ehemals Mitglied der Partei "Primero Justicia". Er forderte hier , dass der Nationale Wahlrat (CNE) die Wahlergebnisse vollständig veröffentlicht. Kurz vor der Veröffentlichung dieses Videos fanden in Venezuela Präsidentschaftswahlen statt, bei denen sich Venezuelas bisheriger autoritärer Machthaber Nicolás Maduro zum Wahlsieger erklärte. Tausende Oppositionsanhänger protestierten daraufhin gegen den umstrittenen Präsidenten.  

Nach den Wahlen 2024 protestierten tausende Menschen gegen die Wiederwahl von MaduroBild: Jesus Vargas/Getty Images

Das Video, das derzeit in den sozialen Medien geteilt wird, stammt also tatsächlich von einer vergangenen Demonstration und hat nichts mit der aktuellen Situation im Land zu tun. 

Die Lage in Venezuela ist derzeit angespannt und unsicher. Die venezolanische Journalistin Noris Sotu, die sich gerade in Caracas aufhält, sagte im Interview mit der DW: "Man sieht weder Proteste noch Feierlichkeiten, weil die Menschen Angst haben." Viele in Venezuela hätten nicht erwartet, dass Venezuelas jetzige Interimspräsidentin und einige der wichtigsten Führungspersonen des Maduro-Regimes weiterhin an der Macht bleiben würden. "Die Menschen haben das Gefühl, dass der Chavismus in Venezuela immer noch präsent ist." (Anm.d.Red.: Der "Chavismus" bezeichnet die politische Ideologie und Bewegung, die vom ehemaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez geprägt wurde.)

Internationale Wahlbeobachter und Nichtregierungsorganisationen hatten in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass Wahlen in Venezuela nicht fair ablaufen. Der Regierung von Maduro wurde immer wieder vorgeworfen, Einfluss auf die Justiz und die Wahlbehörden auszuüben, oppositionelle Kandidaten auszuschließen und die Medienfreiheit zu beschneiden. 

Feiernde Venezolaner - echt oder KI? 

Das Video soll Proteste in Venezuela zeigen - doch der Inhalt ist KI-generiertBild: Instagram

Behauptung: Ein 15-sekündiges Video auf Instagram erreichte rund 4,5 Millionen Aufrufe. Es soll angeblich Venezolaner zeigen, die dicht gedrängt auf der Straße die Festnahme von Nicolás Maduro feiern. Das Video wurde auch auf Facebook , Threads  und TikTok  geteilt. 

DW Faktencheck: Fake

Das Video ist nicht echt, sondern KI-generiert. 

Die dargestellten Personen wirken stark emotional: Einige umarmen sich, andere weinen oder schreien, manche stehen still. Beim genaueren Hinsehen fallen mehrere Unstimmigkeiten auf, die typisch für KI-generierte Videos sind. So flackert und verschwindet der Zeigefinger eines Mannes, der mit erhobener Hand schreit. Die Hand eines anderen Mannes wirkt deformiert. Außerdem erscheint der Schmuck mehrerer Personen fragmentiert und unvollständig. 

Ein anderer auffälliger Fehler im Bild: Ein Strommast im Hintergrund scheint direkt mit den Balkonen des Hauses verbunden zu sein – eine unrealistische Darstellung. 

Mit Hilfe einer Bilderrückwärtssuche konnte zudem der wahrscheinliche Ursprung des viralen Videos auf TikTok ermittelt werden. Dort wurde das Video, das inzwischen fast 13 Millionen Aufrufe erreicht hat, vom Creator als KI-generiert gekennzeichnet. 

Auch einige weitere KI-generierte Videos der angeblichen Feierlichkeiten in Venezuela werden in den sozialen Medien geteilt.  

Gibt es Demonstrationen zugunsten von Maduro?

Der Jugendtag im November 2025 fälschlicherweise als aktueller Pro-Maduro-Protest veröffentlichtBild: X

Behauptung: "Heute in Caracas. Große Menschenmengen unterstützen Präsident Maduro." Zu der Behauptung teilt ein Nutzer auf der Plattform X ein Video, das angeblich Demonstrierende zeigt, die Machthaber Maduro unterstützen. Das Video wurde auch auf anderen X-Accounts geteilt. 

DW Faktencheck: Falsch 

Das Video ist nicht aktuell. Eine Bilderrückwärtssuche zeigt, dass das Video schon etwa über einen Monat alt ist und im November 2025 veröffentlicht wurde. Die Bildunterschrift deutet auf einen Jugendtag in Caracas hin, der im November 2025 stattgefunden hat. 

Die venezolanische Regierung veröffentlichte selbst Fotos des Jugendtags auf ihrer Seite – darunter auch Bilder, die Maduro in einer Menschenmenge zeigen. Die Daten stimmen überein. Das bestätigt auch ein Vergleich mit unabhängigen Agenturbildern vom selben Tag. Das Original-Video zeigt also eine Menschenmenge vom Jugendtag und keine aktuelle Pro-Maduro-Demonstration.  

Demonstranten fordern die Freilassung von Nicolás MaduroBild: Leonardo Fernandez Viloria/REUTERS

Aber tatsächlich gibt es aktuell Demonstrierende, die Maduros' Freilassung fordern. Kurz nach dem US-Angriff auf Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores sind Mitglieder der als "Colectivos" bekannten Maduro-treuen Milizgruppe auf die Straßen gegangen und haben seine Freilassung gefordert.   

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