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Bluffen in La Vegas

Rolf Wenkel (mit dpa)5. Januar 2016

Die kalifornische Firma Faraday Future (FF) hat auf der CES in Las Vegas einen einsitzigen Elektro-Sportwagen vorgestellt, der viele enttäuscht hat. Schließlich will FF nicht weniger als die Mobilität neu erfinden.

USA CES 2016 FFZERO1
Bild: Reuters/S. Marcus

Das Ding sieht aus wie die Auto-Attrappe aus einem Batman-Film, ist superflach und hat einen einzigen Sitz. Der ist weiß und angeblich inspiriert vom Astronautensitz der NASA. Das behauptet zumindest Chefdesigner Richard Kim, den das Start Up-Unternehmen Faraday Future vom bayerischen Nobelkarossenbauer BMW abgeworben hat, wo er unter anderem für das Design des i3 und des i8 verantwortlich war.

Über Faraday Future hatte sowohl die Auto- als auch die IT-Branche lange gerätselt. In Image-Filmen behauptet das 2014 gegründete Unternehmen, die Mobilität der Menschheit völlig umzukrempeln. Bilder von smogfreien Innenstädten und Parties auf leeren Parkplätzen künden von einer sorgenfreien und umweltschonenden Zukunft der Mobilität, und Entwicklungschef Nick Sampson, früher bei Jaguar und bei Tesla beschäftigt, verspricht für den Transport von A nach B "neue Besitz- Nutzungsmodelle, ähnlich dem Abonnementservice in der Musikindustrie".

Zukunftsvision oder Batmobil?Bild: Reuters/S. Marcus

Investoren aus China

Kein Wunder, dass die Branche hinter den geheimnisvollen Geldgebern für Faraday Future Konzerne wie Apple oder Google vermutete, die selbst an selbstfahrenden Autos und Modellen für die Mobilität basteln. Doch als das erst 18 Monate alte Unternehmen mit dem Bundesstaat Nevada verhandelte, weil es dort eine Milliarde Dollar in eine Fabrik investieren will, wurde durch einen Brief an Nevadas Bundesregierung in Carson City zumindest einer der Geldgeber namentlich bekannt: Jia Yueting, ein Milliardär aus China.

"Wir wollen die Automobilindustrie durch ein integriertes, intelligentes Mobilitätssystem revolutionieren, das die Erde schützt und die Lebensbedingungen der Menschheit verbessert", schrieb Jia, der es in China mit der Videoplattform LeTV, dem Netflix Chinas, zum Milliardär gebracht hat. Der Regierung in Carson City wird das egal sein, Hauptsache, es entstehen tatsächlich die 4 500 Arbeitsplätze, die Faraday Future versprochen hat, und wofür der Bundesstaat Nevada bereit ist, Subventionen von rund 335 Millionen Dollar zu gewähren.

Fakten zu Leistung und Reichweite FehlanzeigeBild: Reuters/S. Marcus

Fakten Mangelware

Vollmundige Versprechen, professionell aufgezogene Imagefilme - wenn Amerikaner etwas beherrschen, dann ist es die Kunst, einen Riesenhype zu erzeugen, speziell in Hollywood und in Las Vegas. Und sei es nur der Hype um den Prototyp eines Autos, das der Korrespondent der "Welt" als "absurdes Batmobil" bezeichnet. Fakten und Zahlen zum Auto selbst waren am Montag in Las Vegas Mangelware, schreiben die Korrespondenten. Zur Reichweite des Elektromobils gab es keine Angaben, Produktion und Verkaufsstart sei erst "in einigen Jahren" zu erwarten.

Das will so gar nicht passen zu einem Start Up-Unternehmen, das in 18 Monaten beeindruckende Zahlen hingelegt hat. So werden jetzt schon nach eigenen Angaben 750 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 200 außerhalb der USA. Viele davon sind bei namhaften Arbeitgebern abgeworben worden, unter anderem von BMW, dem Elektroauto-Hersteller Tesla, von Google, Apple, Boeing, der NASA und dem Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Vision oder Bluff?

Vor allem hat Faraday Future etwas geschafft, wozu der Elektroauto-Pionier Tesla rund sieben Jahre gebraucht hat, nämlich mehrere hundert Experten zu einem Team zusammenzustellen und den Grundstein für eine Fabrik zu legen. Indes: Das in Las Vegas mit viel Tamtam vorgestellte Elektrofahrzeug bezeichnen viele Korrespondenten als enttäuschend. Und aus den künftigen revolutionären Mobilitätskonzepten wird nach wie vor ein Geheimnis gemacht, so sie denn tatsächlich existieren.

Denn Las Vegas ist nicht nur für seine Spielcasinos und die Konsumelektronik-Messe CES bekannt, sondern auch für gigantisch aufgezogene Shows großer Illusionisten. Und so konstatiert der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung denn auch ganz nüchtern: "Zwischen weltverändernder Vision und unnützem Quatsch ist alles möglich."

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