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Kommentar zur FIFA-WM-Vergabe

2. Dezember 2010

Die Würfel sind gefallen. Russland und Katar dürfen die Weltmeisterschaften 2018 bzw. 2022 ausrichten. Bei der FIFA-Wahl waren aber nicht sportliche Gesichtspunkte ausschlaggebend, meint DW-Redakteur Arnulf Boettcher.

Themenbild Kommentar
Bild: DW

Die Freude ist riesig in Russland und Katar. Beide Länder haben von der FIFA den Zuschlag für die Weltmeisterschaften 2018 bzw. 2022 erhalten und dürfen nun am Milliarden-Geschäft Fußball-WM partizipieren. Großer Verlierer ist hingegen der Fußball-Weltverband. Er hat in den vergangenen Tagen einen enormen Imageverlust erlitten. Transparenz und Glaubwürdigkeit blieben rund um die skandalträchtige Wahl der FIFA-Exekutive, der Fußball-Weltregierung sozusagen, auf der Strecke.

FIFA-Willkür

Arnulf BoettcherBild: DW

Zunächst einmal drängt sich der Verdacht der Willkür auf. So durften zwei Exekutiv-Mitglieder an der Abstimmung nicht teilnehmen - wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Gegen drei weitere Gremiumsmitglieder aber, die ebenfalls unter Korruptionsverdacht geraten waren, ging die FIFA nicht vor. Hat die FIFA hier mit zweierlei Maß gemessen? Nun drohen möglicherweise juristische Auseinandersetzungen mit hohem Blamagepotential für die FIFA.

Deutschlands Exekutiv-Mitglied Franz Beckenbauer betonte zudem, es sei ein großer Fehler gewesen, zwei Weltmeisterschaften an einem Tag zu vergeben. Recht hat der "Fußball-Kaiser". Denn schon im Vorfeld hatte es Klagen wegen unlauterer Absprachen zwischen einzelnen Kandidaten und möglicher Manipulationen gegeben. Von einem skrupellosen Wettbewerb war sogar die Rede. Unklar scheint somit, ob tatsächlich auch die besten Bewerber gewonnen haben.

FIFA vor großen Herausforderungen

Die WM-Vergabe geriet also zur Farce. Nicht fußballerische Kriterien, sondern allein die Finanzen haben den Ausschlag gegeben. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes. Um verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen, ist eine strukturelle Erneuerung der FIFA um Präsident Joseph Blatter dringend erforderlich. Einsichten dafür sind beim Weltverband allerdings eher nicht zu erkennen.

Und es bleiben organisatorische Probleme. Eine WM im riesigen Russland mit neun Zeitzonen und eine WM im kleinen Wüstenstaat Katar mit außergewöhnlichen Hitzetemperaturen stellen alle Verantwortlichen vor riesige Herausforderungen.

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Calle Kops