DW-RADIO
10. August 2007
Mit einer Überraschung ist die vergangene Spielzeit zu Ende gegangen. Nicht die hochgelobten Teams aus Schalke, Bremen oder München holten den Titel, sondern der Außenseiter aus Stuttgart. Trainer Armin Veh hatte die "jungen Wilden" an die Spitze geführt und ist überzeugt, "dass wir verdient Meister geworden sind." Nun will der VfB den Meistercoup wiederholen. Auf dem Transfermarkt übte sich der Verein aber in schwäbischer Zurückhaltung und gab lediglich zehn Millionen Euro für neue Spieler aus. Die Favoritenbürde laste eher auf dem FC Bayern, glaubt Armin Veh. "Das muss Bayern machen, das ist klar."
Denn klotzen statt kleckern heißt bei den Bayern die neue Devise. Kein Verein griff tiefer in die Vereinskasse als der Rekordmeister, der seinen Kader für rund 70 Millionen Euro verstärkte. Die Fans sind begeistert und freuen sich über die Neuen Miroslav Klose, Hamit Altintop und Italiens Weltmeister Luca Toni. Als herausragend im Team präsentierte sich bislang aber Frankreichs Nationalspieler Frank Ribery. Mannschaftskollege Philipp Lahm ist angetan über den mit 25 Millionen Euro teuersten Spieler, der je in Deutschland aktiv war. "Er ist ein sensationeller Fußballer, das sieht man immer an seiner Spielweise. Er ist für mich Weltklasse."
Trainer Ottmar Hitzfeld glaubt angesichts des neuen Kaders sogar an einen Anstieg der Sympathiewerte für sein Team. "Nach den Transfers, die man getätigt hat, ist natürlich auch in ganz Deutschland eine Begeisterung ausgebrochen für diese Spieler, dass man Topstars nach Deutschland in die Bundesliga holen kann. Da profitiert jeder Verein." Vor allem aber die Bayern, die bereits einen Titel einheimsen konnten: Sie gewannen den Ligapokal mit einem 1:0 gegen Schalke 04. Den Vizemeister aus Gelsenkirchen hält Hitzfeld auch für den schärfsten Konkurrenten. "Die Schalker haben ja eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass mit ihnen auch in der Saison wieder zu rechnen ist."
Die Königsblauen wollen den Titel nach 50 Jahren erstmals wieder nach Schalke holen. Coach Mirko Slomka gibt sich auch ohne spektakuläre Neueinkäufe selbstbewusst. "Wir sind stark, und ich glaube, dass wir konkurrenzfähig sind auch gegenüber Bayern München."
Vorne mitmischen will auch wieder Werder Bremen. Die Hanseaten setzen nach dem Weggang Miroslav Kloses vor allem auf den neuen Offensivmann Carlos Alberto aus Brasilien. Trainer Thomas Schaaf hat sich jedenfalls hohe Ziele gesetzt. "Ich weiß nicht, wie hoch wir kommen. Das kann ich nicht sagen, ob es der absolute Gipfel ist. Es ist schön, wenn man ganz oben ist, da hat man freie Sicht, stehen nicht viele einem im Weg." Auch nicht die Geheimfavoriten, zu denen der Hamburger SV, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und erstmals der VfL Wolfsburg mit Erfolgscoach Felix Magath gehören. Eher nach unten müssen sich wohl die drei Aufsteiger Karlsruher SC, Hansa Rostock und MSV Duisburg orientieren.
Und wieder einmal purzeln die Rekorde, etwa bei den Transferausgaben. So investierten die 18 Vereine bislang mehr als 170 Millionen Euro für neue Spieler. Die alte Bestmarke lag noch bei 147 Millionen Euro. Beim Trikot-Sponsoring stellte die Liga ebenfalls einen neuen Rekord auf, und auch beim Verkauf von Dauerkarten gab es einen Ansturm wie nie zuvor.
Und das Thema Doping? Spielt im Fußball kaum eine Rolle, beteuert Wilfried Kindermann, Chefarzt der deutschen Olympia-Mannschaft: "Natürlich wird es im Fußball auch immer wieder Verrückte geben, jemand ist lange verletzt gewesen oder jemand ist konditionell schwach. Da ist natürlich die Gefahr groß, dass auch ein solcher Spieler dopt. Aber ein solches system-immanentes Doping wie es im Radsport der Fall ist, dass schließe ich für den Fußball aus."
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