Feiertage in Bosnien-Herzegowina
25. November 2003Bonn, 25.11.2003, DW-radio/Bosnisch
DW-radio/Bosnisch, 25.11.2003, Zoran Pirolic
Neben dem größten islamischen Feiertag, dem Ramazan Bajram, wird heute in Bosnien und Herzegowina der 60. Jahrestag der Staatsgründung von Bosnien und Herzegowina gefeiert, allerdings nur in einem Teil des staatlichen Territoriums. Aus Sarajevo meldet sich Zoran Pirolic:
In der Akademie der Wissenschaften, aus Anlass der ersten Sitzung der Verfassungsgebenden Versammlung von Bosnien und Herzegowina (ZAVNO BiH – Gemeinsamer Antifaschistischer Volksbefreiungsrat von Bosnien und Herzegowina) sagte das Mitglied der Präsidentschaft von Bosnien und Herzegowina, Sulejman Tihic: "Auch heute, nach 60 Jahren, können wir sagen, dass die Prinzipien, die bei der ersten Sitzung der Verfassungsgebenden Versammlung von Bosnien und Herzegowina in Mrkonjic Grad am 25. November 1943 angenommen wurden, langanhaltende Gültigkeit hatten. Die Aggression gegen Bosnien und Herzegowina von 1992 bis 1995 hat gezeigt, welche Konsequenzen es hat, wenn versucht wird, diese Prinzipien zu zerstören."
Es ist Zufall, dass auf den gleichen Tag zwei Feiertage fallen. In seiner Bajram-Grußbotschaft erinnerte das Oberhaupt der islamischen Gemeinschaft von Bosnien und Herzegowina Reis ul Ulema Mustafa Efendija Ceric: "Und so wie das Fasten voller Entbehrungen ist, so ist der Bajram voller Freude. Insbesondere zu diesem Bajram hier in Bosnien und Herzegowina, weil er mit der Freude aus Anlass des Staatsgründungstages zusammenfällt, und das wird in unserer Geschichte sicher nur einmal geschehen. Und weil das auch so ist, erlauben Sie mir allen guten Bosniern, wo auch immer sie sind, einen glücklichen Staatsgründungstag zu wünschen und dass sie in Gesundheit, Frieden und Glück noch viele Staatsgründungstage in unserer gemeinsamen Heimat erleben. Ihnen allen wünsche ich von Herzen einen glücklichen Bajram und [bete zu] Allah für Ihre Gesundheit und Erfolg im Leben und bei der Arbeit."
Die zentrale Bajramfeier in Bosnien und Herzegowina wurde gestern, wie es Tradition ist, in der Gazihusrefbeg-Moschee in Sarajevo gefeiert. (md)
DW-radio/Bosnisch, 25.11.2003, Mladen Sipka
Auch in Banja Luka begehen heute die Muslime ihren größten Feiertag, aber die Staatsgründungstag wird dort nicht als staatlicher Feiertag begangen. Aus Banja Luka meldet sich Mladen Sipka:
Zum traditionellen Bajram Grußwort sandte der Mufti von Banja Luka Edhem Camdzic einen Aufruf an Europa, dass es sich in Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit am Wiederaufbau der Ferhadija-Moschee beteiligen möge: "Sie wurde in Europa zerstört und soll auch in Europa wiederaufgebaut werden. Denn es ist ein Symbol Europas und Bosniens und des Balkans und seiner Regionen. Und es ist ein Symbol aller gutwilligen Menschen, nicht nur der Muslime und Bosniaken, sondern aller gutwilligen Menschen."
Die Ferhadija wurde im Mai 1993 [von serbischen Nationalisten] zerstört. Die Zeiten ändern sich aber zum besseren, sagt Camdzic. In diesem Jahr wurde eine Moschee in Vrbanja wiederaufgebaut, und die Grundsteine für zehn weitere Moscheen in Banja Luka wurden gelegt. Drei der berühmtesten zerstörten Moscheen erwarten eine Finanzierung für deren Wiederaufbau. Nach Banja Luka sind nach den Worten von Camdzic etwa 8 000 vertriebene bosnische Muslime zurückgekehrt.
Die Überreste der Ferhadija wurden erneut dafür vorbereitet, all jene aufzunehmen, die nach dem Fastenmonat Allah danken wollen und dort eine dreitägige Feier beginnen wollen. Camdzic hoffte auch, dass mit der Feier das Recht der Menschen auf ihren Glauben unterstrichen werde. Ganz im Sinne Europas: Wir bewegen uns auf Europa zu und sind selbst Teil Europas, und deswegen müssen wir die europäischen Gesetze und Rechte der Demokratie achten, die Regeln der guten Nachbarschaft. Niemanden soll die Kirchenglocke stören oder aber der Ruf des Muhezin (...)".
In Banja Luka müsste heute eigentlich auch der Staatsgründungstag gefeiert werden. Allerdings kam gestern (24.11.) von den ethnisch-serbischen Funktionären nicht ein einziger zum Empfang des Premierministers Dragan Covic. Es spricht auch niemand davon, dass es ein staatlicher Feiertag ist. (Übersetzung: Fabian Schmidt) (md)