Sturz Maduros: US-Militäraktion sendet Warnsignal an Iran
6. Januar 2026
Nach dem beispiellosen US-Militäreinsatz in Venezuela und der Festnahme des Machthabers Nicolás Maduro und seiner Frau schrillten auch in der iranischen Führung die Alarmglocken. Teheran ist einer der engsten Verbündeten des von den USA entführten Präsidenten, der 2024 nach massiven Wahlmanipulationen an der Macht blieb und von der EU und Deutschland nicht als legitimer Präsident von Venezuela anerkannt ist. Der Prozess gegen Maduro in New York wegen Drogenterrorismus hat am Montag begonnen.
Mit dieser Aktion hat US-Präsident Donald Trump demonstriert, dass seine Regierung unter Missbilligung der UN-Charta und des Völkerrechts ein verfeindetes Regime mit militärischen Maßnahmen zum Sturz bringen kann, und sendet anderen autoritär regierten Ländern ein klares Warnsignal.
Der Iran hat nach der US-Militärintervention die sofortige Freilassung von Nicolás Maduro gefordert. "Der Präsident eines Landes und seine Ehefrau sind entführt worden", sagt ein Sprecher vom iranischen Außenministerium am Montag (05.01.2026), "es gibt keinen Grund, stolz zu sein. Das ist ein illegaler Akt."
Der gemeinsame Gegner verbindet
Die Beziehungen zwischen dem Iran und Venezuela lassen sich mit klassischen außenpolitischen Kriterien kaum erklären. Venezuela liegt an der Karibik und ist mehrheitlich katholisch. Der Iran befindet sich am Persischen Golf und ist muslimisch geprägt. Der bilaterale Handel bleibt überschaubar. Zwischen beiden Hauptstädten gab es nicht einmal einen Direktflug.
Was verbindet, ist vielmehr der gemeinsame Gegner, die USA. Auch der Umgang mit den internationale Sanktionen und ihre Überlebenskunst in der US-dominierten Weltordnung bringen beide Länder zusammen. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich diese Verbindung von politischer Sympathie und antiamerikanischen Parolen zu einem komplexen Netzwerk aus Öl-, Finanz-, Industrie- und Sicherheitskooperation entwickelt.
Diese Beziehungen blieben unverändert, sagte der iranische Ministeriumssprecher weiter. "Unsere Beziehungen zu allen Ländern, einschließlich Venezuela, basieren auf gegenseitigem Respekt. Und so wird es bleiben." Die Regierung in Teheran stehe in Kontakt mit den venezolanischen Behörden.
Iran fürchtet US-Einmischung
Die politischen Entwicklungen in Venezuela fallen in eine sensible Zeit für den Iran. Seit mehr als einer Woche dauern landesweite Proteste infolge explodierender Preissteigerung an. Die Demonstrierenden fordern soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen. Die Führung in Teheran steht sehr unter Druck.
US-Präsident Trump spart nicht an Warnungen an den Iran. Er drohte diese Woche erneut mit einem Angriff. Die USA beobachteten die Proteste sehr genau, sagte Trump in der Air Force One nach Washington. "Wenn die iranische Regierung damit anfängt, Menschen zu töten, wie sie es in der Vergangenheit auch getan hat, dann wird sie, denke ich, von den USA sehr hart getroffen werden. Wir beobachten das sehr genau."
Unklar blieb, welche Schritte die USA möglicherweise erwägen. Breits im Juni 2025 flog die US-Luftwaffe im Rahmen des israelisch-iranischen Kriegs direkte Angriffe auf die iranischen Atomanlagen, um die Nuklearkapazitäten des Landes zu zerstören.
"Die Reaktionen, die mich nun aus dem Iran erreichen, sind ambivalent", sagt Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour, der in Teheran geboren wurde und mit zwölf Jahren mit seiner Familie nach Deutschland auswanderte. "Sehr viele wünschen sich dort einen Regimewechsel. Aber die Interventionen der letzten Jahre und jetzt auch in Venezuela zeigen, dass Trump keinen Plan für den Tag danach hat. Deshalb bin ich sehr vorsichtig."
Botschaft angekommen
Dennoch sei die Botschaft auch an den Iran eindeutig, sagt Damon Golriz, Analyst für internationale Politik und Forscher am Institut für Geopolitik in holländischen Den Haag. Teheran habe spätestens jetzt verstanden, dass auch seine politische Führung ein militärisches Ziel der USA werden könnte. Golriz sieht nach den Interventionen in Caracas einen Kurswechsel von Präsident Trump. Dieser war im Sommer 2025 zurückhaltend gegenüber israelischen Plänen gewesen, Irans obersten Revolutionsführer Ali Chamenei und andere Militärführung gezielt zu töten.
Aber Teheran spart auch nicht an Polemik. "Die USA mögen auf ihre Soldaten aufpassen", schrieb Ali Laridschani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats auf X. Im Nahen Osten sind bis 45.000 US-Soldaten in unterschiedlichen Ländern wie dem Irak, Syrien und Katar stationiert. Im Juni 2025 hatte der Iran als Vergeltung für die Bombardierung seiner Atomanlagen den größten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten in Katar angegriffen. Verletzt wurde dabei niemand. Nach US-Präsident Trump waren die USA zuvor vom Iran gewarnt worden.
Der Sturz Maduros habe zudem Auswirkungen auf den Sicherheits- und Militärapparat im Iran, so Golriz. Dort werde bereits nach einem Nachfolger für Ajatollah Ali Chamenei gesucht. Anders als Venezuela existiert im Iran keine nennenswerte Opposition in einer sehr personenzentrierten Machtstruktur.
Der US-Angriff auf Venezuela habe außerdem eine psychologische Wirkung auf den Iran, glaubt Reza Talebi, iranischer Journalist im türkischen Exil. Die Entscheidungsträger in Teheran stünden vor einer zentralen Frage: "Wenn die USA einen solchen Sturz in der westlichen Hemisphäre erfolgreich durchgeführt haben, warum sollten sie es anderswo nicht ebenfalls tun?"
Das könne die strategischen Kalkulationen des Iran im Umgang mit den USA und deren Verbündeten Israel verändern. Noch am Wochenende kam scharfe Rhetorik aus Israel. Der israelische Ex-Ministerpräsident und nun Oppositionsführer in der Knesset, Jair Lapid, forderte Teheran auf, die Entwicklungen in Caracas genau zu beobachten.
Die Verschärfung externer Bedrohung sei aber auch eine Steilvorlage für die Regierung, Proteste noch stärker zu unterdrücken. Außerdem könne die Hoffnung auf einen militärischen Eingriff durch die USA oder "einen externen Retter" die Natur der laufenden Demonstration aus der einheimischen Zivilgesellschaft heraus schwächen. "Die Annahme, der Druck der Trump-Regierung diene in erster Linie der Unterstützung der iranischen Bevölkerung, ist naiv und oberflächlich", sagt Talebi.