Zu große Nähe zu Trump? FIFA-Präsident Infantino unter Druck
10. Dezember 2025
Gianni Infantino, Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA, sieht sich dem Vorwurf der "wiederholten" Verletzung seiner Neutralitätspflicht in politischen Angelegenheiten ausgesetzt. Die Organisation FairSquare hat eine offizielle Beschwerde bei der Ethikkommission des Weltverbands eingereicht.
Laut Berichten von "The Athletic" und der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" umfasst das Schreiben acht Seiten und listet vier mutmaßliche Verstöße gegen FIFA-Richtlinien auf. FairSquare fordert zudem eine Untersuchung der Vergabe des umstrittenen FIFA-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump.
FairSquare ist eine unabhängige, in London ansässige Nichtregierungsorganisation, die sich für Menschenrechte und gute Regierungs- und Unternehmensführung im Sport einsetzt.
Die Vorwürfe beziehen sich auf Infantinos enge Beziehung zum US-Präsidenten. Grundlage ist Artikel 15 des FIFA-Ethikcodes, der allen Funktionären politische Neutralität vorschreibt. Sie dürfen keine öffentlichen Stellungnahmen oder Handlungen vornehmen, die als Unterstützung oder Ablehnung politischer Parteien, Regierungen oder deren Programme verstanden werden könnten.
Ziel ist es, die Integrität und Unabhängigkeit des Fußballs zu wahren. Verstöße können mit Geldstrafen und Sperren für alle fußballbezogenen Tätigkeiten geahndet werden.
Wiederholte Unterstützung für Trumps Politik
Einer der Vorwürfe betrifft die WM-Auslosung am vergangenen Freitag. In einem Video wurden politische Maßnahmen Trumps ausdrücklich gelobt und dessen Erzählung wiederholt, er habe weltweit zahlreiche Kriege beendet. Infantino betonte, Trump könne stets auf seine Unterstützung zählen. Bereits Anfang Oktober hatte Infantino Trump für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Am 5. November lobte er den Republikaner bei einem Wirtschaftstreffen in Miami: Trump setze "nur um, was er angekündigt hat, daher sollten wir alle seine Maßnahmen unterstützen, denn ich finde, dass sie ziemlich gut aussehen", sagte der Schweizer.
In einem Instagram-Video nach Trumps Amtseinführung griff Infantino zudem den Slogan "Make America great again" auf.
Gefahr für die Integrität des Fußballs
FairSquare erkennt an, dass die FIFA mit der US-Regierung wegen der WM 2026 zusammenarbeiten müsse. Dennoch heißt es in dem Schreiben: "Durch seine klare Unterstützung der politischen Agenda von Präsident Trump im In- und Ausland hat Herr Infantino gegen diese Pflicht verstoßen, und zwar in einer Weise, die eine eindeutige Gefahr für die Integrität und den Ruf des Fußballs und der FIFA selbst darstellt."
Auch die Einführung des neuen "Friedenspreises" wird kritisiert. "Die Verleihung eines Preises dieser Art an einen amtierenden politischen Führer ist an sich schon ein klarer Verstoß gegen die Neutralitätspflicht der FIFA", schreibt FairSquare. Laut Medienberichten war das FIFA-Council an der Entscheidung nicht beteiligt.
Die DW hat die FIFA und deren Ethikkommission um eine Stellungnahme gebeten. Konkret geht es um die Bewertung von Infantinos Äußerungen zugunsten Donald Trumps im Hinblick auf Artikel 15 des Ethikcodes, die Entscheidungsprozesse rund um den FIFA-Friedenspreis sowie die Frage nach einer unabhängigen, transparenten Untersuchung der Vorwürfe.
Die Medienabteilung der FIFA reagierte zunächst nur mit dem Satz: "Wir werden intern prüfen und uns bei Ihnen melden, falls es eine Stellungnahme gibt."