Das "Jugendwort des Jahres" heißt: "fly sein". Das Wort hatte in einer Online-Abstimmung weit hinten gelegen, eine Jury entschied sich aber dafür. Es bedeutet, jemand oder etwas "geht besonders ab".
Bild: picture-alliance/dpa/P. Kneffel
Anzeige
Das "Jugendwort des Jahres" heißt: "fly sein". Das Wort hatte in einer Abstimmung weit hinten gelegen, eine Jury entschied sich aber dafür. Es bedeutet, jemand "geht ab".
Bild: Fotolia/cybrflower
"fly sein" gewinnt 2016
Nachfolger vom "Smombie" als "Jugendwort des Jahres" wurde "fly sein". "fly sein" bedeutet in etwa "besonders abgehen" oder "besonders locker drauf sein". Wir stellen einige der Konkurrenz-Kandidaten der Online-Abstimmung vor, die auch hätten gewinnen können.
Bild: picture-alliance/dpa/P. Kneffel
Hopfensmoothie
30 Begriffe aus der heutigen Jugendsprache waren nominiert für das diesjährige Jugendwort des Jahres, das am 18. November bekanntgegeben wurde. Eines davon ist das scherzhafte Wort "Hopfensmoothie". Klingt so, als ob es gesund und fit machen würde (ein Smoothie halt...), bezeichnet aber schlicht und einfach "Bier".
Bild: Getty Images/AFP/C. Stache
darthvadern
Wer würde sich wohl geschmeichelt fühlen, wenn einen das eigene Kind als "Darth Vader" bezeichnen würde? Deutsche Jugendliche haben daraus ein Verb abgeleitet. Denkbar ist folgender Dialog: Vater: "Schluss jetzt. Ich mache die Regeln, denn ich bin Dein Vater." Kind: "Ach Papa, jetzt darthvader doch nicht schon wieder."
Bild: imago stock&people
Googleschreiber
Eine Anspielung auf den guten alten Begriff "Kugelschreiber". Ein "Googleschreiber" ist jemand, der eine URL statt eines Suchbegriffs bei Google eingibt - was ja im Grunde keinen Sinn macht, denn die URL kann man ja auch direkt in den Browser eingeben. Stattdessen verschwendet man wertvolle Sekunden, die man besser bei Snapchat oder Facebook hätte verbringen können...
Bild: picture-alliance/dpa
Dumfall
Flecken auf dem Hemd? Wieder über die eigenen Füße gestolpert? Ein Jugendlicher in Deutschland könnte einen solchen Zwischenfall als "Dumfall" bezeichnen. Eine Abkürzung für "dummer Unfall." Es ist unter Jugendlichen durchaus gefährlich, ein Tollpatsch zu sein. So gut wie jeder ist mit einem Smartphone bewaffnet: Viele Fotos landen im Internet, bevor man überhaupt "Serviette bitte!" rufen kann.
Bild: Fotolia/Jürgen Fälchle
Yologamie
Sind Jugendliche heutzutage eigentlich beziehungsfähig? Zumindest scheint die Bedeutung von Treue gedehnt worden zu sein. Dieses Wort beruft sich auf das Jugendwort des Jahres 2012, "YOLO" - "You Only Live Once" (Du lebst nur einmal). Monogamie wäre eine Beziehung mit einer Person. "Yologamie" ist eine offene Beziehung.
Bild: Colourbox/Pressmaster
Tindergarten
Wenn es darum geht, mehrere Partner für "Yologamie" zu finden, dann können Apps hilfreich sein. Der "Tindergarten" ist eine Mischung aus "Tinder" und "Kindergarten" - und bezeichnet eine Sammlung von Onlinedating-Kontakten, die manch einer auf seinem Handy mit sich herum trägt.
Bild: picture-alliance/dpa/F. Kraufmann
Swaggernaut
Wer so bezeichnet wird, darf sich freuen, denn es bedeutet, dass man als überaus cool wahrgenommen wird: Trendy, sportlich, attraktiv, einen klugen Spruch für jede
Situation und am besten auch noch eine Million Follower auf Instagram. "Swag" kommt aus der Rap-Szene und die Anspielung auf Astronauten gibt dem Wort zusätzlich ein außerirdisches Flair.
Bild: Fotolia/George Dolgikh
Tintling
Wichtig: Wer ein "Swaggernaut" sein will, sollte möglichst tätowiert sein. Und wer tätowiert ist, der könnte auch als "Tintling" durchgehen. Tintling ist eigentlich eine Bezeichnung für eine Gruppe von Pilzarten, in diesem Fall aber bezeichnet es - in Anspielung an das Wort Tinte - Menschen, die tätowiert sind.
Bild: Imago/N. Celaya
Tweef
Die meisten Jugendlichen in Deutschland sind gern und viel online unterwegs. Da kann es dann bisweilen auch mal hoch hergehen. Ein "Tweef" (Tweet plus Beef) ist eine Bezeichnung für einen Streit auf Twitter. "Beef" heißt eigentlich Rindfleisch auf Englisch, bedeutet in der Umgangssprache aber auch Groll gegen jemanden zu hegen.
Bild: Imago/R. Peters
Analog-Spam
Die Digitalisierung schreitet rasch voran, dennoch finden sich nach wie vor unzählige Werbebriefe im Briefkasten. Als "Analog-Spam" bezeichnen deutsche Jugendliche die ungewollten Kataloge, Briefe und Werbung, die meistens direkt in die Altpapier-Tonne wandern.
Bild: Fotolia/cybrflower
11 Bilder1 | 11
Zur Auswahl standen insgesamt 30 vorgeschlagene Begriffe, über die bis zum 31. Oktober abgestimmt werden konnte. Die Kriterien für die Auswahl waren sprachliche Kreativität, Originalität, Verbreitungsgrad des Wortes sowie gesellschaftliche oder kulturelle Ereignisse, die die Sprache der Jugendlichen beeinflussen.
Bei der Online-Abstimmung im Vorfeld der Bekanntgabe lag noch der Begriff "isso" als Zustimmung oder Unterstreichung von etwas mit 20 Prozent vorne, gefolgt von "Vollpfostenantenne" als Bezeichnung für einen Selfiestick (13 Prozent) und dem Neubegriff "Hopfensmoothie" (11 Prozent) für Bier. "fly sein" schaffte es mit vier Prozent nicht mal aufs Podest. Allerdings ist die Jury nicht an diese Abstimmung gebunden.
Im vergangenen Jahr machte "Smombie" - ein Kunstwort aus Smartphone und Zombie - das Rennen. Die jährliche Wahl gibt es seit 2008 und ist eine Marketingaktion des Langenscheidt-Verlags.
Spricht so die Jugend?
Wer oder was ist hier wohl "fly"?Bild: RBB
Alle Jahre wieder wird das "Jugendwort des Jahres" verkündet. Und alle Jahre wieder wird debattiert, ob Jugendliche wirklich so reden. Manch Sprachwissenschaftler, aber auch Jugendliche haben da so ihre Zweifel. Dafür spricht wiederum, dass auch in der 17-köpfigen Jury Sprachwissenschaftler sitzen, sowie Mitglieder der Zielgruppe, also Schüler und Studenten. Zu den Juroren gehören auch Pädagogen und Medienvertreter oder der YouTuber iBlali und die Junior-Bloggerin Livia.
Da sie alle jedoch nicht an die Abstimmung gebunden sind, kann es, wie diesmal, immer wieder zu Überraschungen kommen. Auch im vergangenen Jahr lag in der Online-Abstimmung das Verb "merkeln" vorne, das so viel bedeuten sollte wie "nichts tun, keine Entscheidung treffen". Die Jury kürte dann aber "Smombie" zum "Jugendwort des Jahres". Es beschreibt jemanden, der von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, weil er nur noch auf sein Smartphone starrt.
Wer weiß? Vielleicht integriert erst die Wahl zum "Jugendwort des Jahres" einen Begriff wie "fly sein" in die deutsche Sprache. Vermutlich sorgt die Werbeaktion des Langenscheidt-Verlags für sein Jugendsprachen-Lexikon auch weiter für Diskussionen - und so mancher Diskutant wird dabei garantiert "fly sein".