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Fotos, die berühren

20. April 2017

Eine Kinderbraut steht trotzig neben ihrem Ehemann. Mädchen, die Boko Haram entkommen sind, schauen an der Kamera vorbei. Portraits von Stephanie Sinclair. Die Fotojournalistin erhält nun den Anja-Niedringhaus-Preis.

US-Fotojournalistin Stephanie Sinclair
Die drei Geschwister Yagana, Yakaka und Falimata waren von Boko Haram entführtBild: Stephanie Sinclair

Ihre Fotos berühren die Seele und sie zeigen Mut, schreibt die Jury. Mut, den man braucht, um sich Szenen voller Verzweiflung und Schmerz immer wieder auszusetzen. Seit fünfzehn Jahren reist Stephanie Sinclair um die Welt und fotografiert Mädchen und junge Frauen, die Opfer von Gewalt, Genitalverstümmelung oder Zwangsheirat wurden. In Afghanistan, Jemen oder Indien. Berühmt ist ihre Fotoserie "Too young to wed”, die in eindrucksvollen Bildern zeigt, wie Kinderehen das Leben von Mädchen zerstören.

Erhält 2017 den Anja-Niedringhaus-Preis: Stephanie SinclairBild: picture-alliance/dpa/S. Pilick

"Es war dieses Mädchen in Afghanistan. Sie hieß Marsja", erinnert sich die amerikanische Journalistin an die Begegnung, die ihre berufliche Laufbahn und ihr Leben veränderte. "Sie war neun Jahre alt, als sie verheiratet wurde. Mit 15 Jahren versuchte sie, sich umzubringen. Von da an wollte ich verstehen, was  sie dazu bringt, Selbstmord als die beste Option anzusehen," sagt die Fotojournalistin. In diesem Jahr wird Stephanie Sinclair mit dem Anja-Niedringhaus-Preis ausgezeichnet. Er ist nach der deutschen Kriegsfotografin und Pulitzer-Preisträgerin benannt, die 2014 in Afghanistan erschossen wurde.

Der Anja-Niedringhaus-Preis – eine bittersüße Ehre

Berührt sie seit Jahren - das Schicksal junger Mädchen in Kinderehen

"Die Auszeichnung zu bekommen, ist eine große Ehre. Bittersüß", sagt Sinclair. "Ich kannte Anja, habe sie in Afghanistan getroffen." Verliehen wird der mit 20.000 Dollar dotierte Preis von der "International Women's Media Foundation" (IWMF), die sich seit 1990 für Pressefreiheit und die Stärkung mutiger Journalistinnen einsetzt. Am 8. Juni wird er in der Deutschen Botschaft in Washington D.C. überreicht. Besonders würdigen möchte die Jury in diesem Jahr auch Louisa Gouliamaki für ihre Geschichten über die Flüchtlingskrise in Europa. Auch Nicole Tung wird ausgezeichnet für ihre Fotos, die zeigen, welche Traumata die Kriege im Nahen Osten verursachen. Die Deutsche Welle ist Medienpartner.

Hingabe und Mitgefühl

Alle drei Fotojournalistinnen zeichneten Hingabe und Mitgefühl aus, sagt die Jury. "Ich bin immer wieder davon fasziniert, wie tapfer diese Mädchen sind", erzählt Stephanie Sinclair. "Sie sind furchtlos. Auch wenn sie Schreckliches gelitten haben, wollen sie unbedingt, dass ihre Geschichten erzählt werden." Geschichten, die manchmal kaum zu ertragen sind.

Ein Initiationsritual in Sierra LeoneBild: Stephanie Sinclair

Wie kann sie selbst diese Geschichten verarbeiten?  "Offenbar gar nicht so gut", sagt Sinclair und lacht. "Andernfalls würde mich das Thema nicht seit 15 Jahren beschäftigen." Inzwischen hat sie eine NGO gegründet, die versucht, den Mädchen direkt zu helfen. "Ich würde mich nicht wohl fühlen, nur eine Geschichte zu erzählen und dann weiterzuziehen", sagt die Fotografin. 

Erst kürzlich hat sie in der New York Times einen Artikel über junge Frauen im nigerianischen Maiduguri veröffentlicht, denen die Flucht aus den Fängen der Terrormiliz Boko Haram gelungen war. Sie hofft, dass die dramatischen Schilderungen der Mädchen die Welt aufrütteln – auch amerikanische Politiker. Ende April reist Stephanie Sinclair für dieses Thema nach Washington. Im US-Kongress wird sie vom Leid der nigerianischen Mädchen berichten. 

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