Frühes WM-Aus für Deutschland: Was ist schief gelaufen?
30. Juni 2026
Was ist passiert?
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat zum dritten Mal in Folge das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft verpasst. Nach dem Aus jeweils schon in der Vorrunde in den Jahren 2018 und 2022 verlor das Team diesmal im Sechzehntelfinale gegen Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen.
Insgesamt tat sich die Mannschaft gegen den Außenseiter aus Südamerika schwer, nach der Verlängerung stand es 1:1. Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah verschossen ihre Elfmeter, auch starke Paraden von Manuel Neuer reichten diesmal nicht.
"Ja, es scheint wohl so zu sein", sagte Havertz nach dem Spiel auf die Frage, ob Deutschland inzwischen nur noch zweitklassig sei. "Da hat wahrscheinlich nicht so viel gepasst, wenn man - bei allem Respekt - gegen Paraguay ausscheidet. Und dann hat man es auch nicht verdient."
Seit dem Titelgewinn 2014 hat Deutschland kein K.-o.-Spiel bei einer WM mehr gewonnen. Zudem war es die erste Niederlage des DFB-Teams in einem WM-Elfmeterschießen. Zuvor hatte man alle vier Duelle für sich entschieden - 1982 gegen Frankreich, 1986 gegen Mexiko, 1990 gegen England und 2006 gegen Argentinien.
Wer trägt die Schuld am frühen Ausscheiden?
Die Gründe sind vielfältig. Viele Schlüsselspieler blieben unter ihren Möglichkeiten. Kapitän Joshua Kimmich enttäuschte und machte nie den Eindruck, dass er der Mannschaft als Rechtsverteidiger am besten helfen konnte. Florian Wirtz nahm seine schwache Vereinsform mit ins Turnier, und Jamal Musiala wirkte nach langer Verletzung außer Form. Insgesamt boten zu viele Spieler zu wenig.
Auch als Mannschaft überzeugte Deutschland nicht. Die Defensive wackelte, im Angriff fehlten Durchschlagskraft und Entschlossenheit. In keinem Spiel blieb das Team ohne Gegentor, und abgesehen vom Spiel gegen Curaçao wurden gute Ansätze selten in stabile Gesamtleistungen umgesetzt.
Verletzungen verschärften die Probleme. Der Ausfall von Serge Gnabry vor Turnierbeginn traf die Mannschaft, ebenso die schwere Verletzung von Lennart Karl kurz vor dem Start. Besonders schwer wog jedoch das Turnier-Aus von Nico Schlotterbeck nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste - ein zentraler Spieler im Aufbau, der gegen Paraguay laut Nagelsmann "zu langsam" war.
Auch der Bundestrainer steht in der Kritik. Die Rückholaktion von Manuel Neuer erwies sich nicht als entscheidender Faktor. Über die Entscheidung, an Kimmich als rechten Verteidiger festzuhalten, obwohl er dort gegen schnelle Gegenspieler erkennbar Defizite aufwies, wurde viel diskutiert.
Nagelsmanns Auswechslungen wirkten oft wie die eines Trainers auf der Suche nach der idealen Startelf. Gegen Ecuador brachten sie Unruhe ins Spiel und kosteten Momentum. Insgesamt hatte Nagelsmann offenbar Schwierigkeiten, das Beste aus der Mannschaft herauszuholen.
Wird Nagelsmann entlassen?
Diese Frage steht im Raum. Die Leistungen der Mannschaft sprechen gegen ihn, doch die Vergangenheit zeigt, dass Trainer beim DFB oft länger bleiben dürfen - auch wenn ein Turnier nicht erfolgreich lief.
Möglicherweise lernt der Verband aber aus seinen Fehlern, zu lange an Hansi Flick und Joachim Löw festgehalten zu haben und macht diesmal einen Schnitt.
"Ich bin keiner, der davonläuft. Ich stehe zur Verfügung und mache auch die Europameisterschaft 2028", sagte Nagelsmann selbst, der noch zwei Jahre Vertrag beim DFB hat, im Interview mit dem deutschen Fernsehen. "Wenn der DFB das nicht will, dann müssen sie mir das sagen."
Bleibt er im Amt, muss Nagelsmann viel Vertrauen zurückgewinnen. Themen wie die Neuer-Reaktivierung, die Kommunikation rund um Undav und Kimmichs Rolle haben viele Fans verärgert.
Ein Trainerwechsel wäre zudem teuer. Nagelsmann hatte seinen Vertrag erst Anfang 2025 verlängert. Nach zwei WM-Enttäuschungen könnte ein weiterer Wechsel die finanzielle Lage beim DFB zusätzlich belasten.
Wer könnte Nachfolger werden?
Als Favorit gilt Jürgen Klopp. Der frühere Trainer von Borussia Dortmund und Liverpool, inzwischen bei Red Bull tätig, dämpfte jedoch die Spekulationen.
"Ich verstehe, dass mein Name genannt wird, aber das ist nicht der Moment, darüber zu sprechen - und schon gar nicht mit mir", sagte Klopp.
Zuvor hatte er als TV-Experte mit dem Satz "Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf - noch!" für Aufsehen gesorgt. Viele sehen ihn dennoch als möglichen Kandidaten im Hintergrund.
Welche Spieler treten zurück?
Ein Umbruch erscheint wahrscheinlich. Manuel Neuer hat mit 40 Jahren sein letztes Turnier gespielt und wird nicht mehr für die Nationalmannschaft auflaufen. Das bestätigte er nach dem Aus gegen Paraguay in einem Fernsehinterview.
Da die Nummer zwei, der zurückgestufte Oliver Baumann, auch schon 36 ist, wird er demnächst wohl ebenfalls nicht mehr berufen werden, sondern eher die jüngeren Torhüter wie Alexander Nübel oder Jonas Urbig.
Auch Antonio Rüdiger (33), Leon Goretzka (31), Leroy Sané (30) und Pascal Groß (35) könnten altersbedingt vor dem Aus stehen.
Weitermachen möchte dagegen Kapitän Joshua Kimmich, der nach wie vor das Ziel hat, einmal in seiner Karriere mit dem DFB-Team einen Titel zu gewinnen. "Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist: Aufgeben!", kündigte er an.
Deutschlands nächstes Spiel findet Ende September in der Nations League gegen die Niederlande statt und markiert wohl den Beginn einer neuen Ära - vielleicht sogar schon mit einem neuen Bundestrainer an der Seitenlinie.
Der Artikel wurde aus dem englischen Original "Germany out of 2026 World Cup: What went wrong?" adaptiert.