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GesellschaftEuropa

Frankreich: 1800 Festnahmen bei Protesten

18. Oktober 2026

In Frankreich ist der Schock über den landesweiten Protesttag mit beispiellosen Ausschreitungen und Plünderungen groß. Präsident Emmanuel Macron verurteilt die Gewalt und kündigt eine rigorose Strafverfolgung an.

Dach und Turm des historischen Rathauses von Limoges in Frankreich stehen in Flammen (17.10.2026)
In Flammen: Das Rathaus von LimogesBild: Pascal Lachenaud/AFP

Viele Bürger in Frankreich sind erschüttert wegen Gewalt und Plünderungen bei den landesweiten Protesten. Im Zentrum der Hauptstadt Paris waren viele Straßen mit Unrat, herumgeworfenen Fahrrädern und Gegenständen aus geplünderten Läden übersät. Außerdem waren die Spuren der von Randalieren gelegten Brände vielerorts sichtbar. Die Stadtreinigung war seit der Nacht im Dauereinsatz, um in der Hauptstadt auf den Straßen und Plätzen aufzuräumen.

Aufräumen in Paris am Tag danachBild: Stephanie Lecocq/REUTERS

Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez sind 1800 Menschen während der Proteste festgenommen worden. Alleine in Paris kamen laut Polizeipräfektur 855 Menschen in Gewahrsam.

Landesweit seien 500 Polizeibeamte und Feuerwehrleute verletzt worden, wobei es sich dabei um vorläufige Angaben handele, sagte der Innenminister. Es liefen Ermittlungen, um die Verantwortlichen für die Gewalt, Sachbeschädigungen und Plünderungen vor Gericht zu bringen.

Rathaus von Limoges in Flammen

Plünderungen und schwere Beschädigungen habe es in Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux, Rennes, Straßburg, Grenoble, Nizza und weiteren Städten gegeben. In der zentralfranzösischen Stadt Limoges wurde das Ausmaß der Zerstörungen an dem historischen Rathaus sichtbar. Randalierer hatten das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Brand gesetzt.

Ausschreitungen gab es auch in MarseilleBild: Thibaud Moritz/AFP

"Dank der Einsatzmaßnahmen konnte der hintere Teil des Gebäudes gerettet werden", sagte der Präfekt des Département Haute-Vienne, Maurice Barate, dem Sender BFMTV. Die Flammen, die seinen Angaben nach vom Wind angefacht wurden, hatten hoch in den Nachthimmel gelodert.

Erst am Morgen war der Brand unter Kontrolle. Unter Tränen hatten Rathausbeschäftigte am Abend vor dem brennenden Gebäude gestanden.

Dem landesweiten Protesttag hatten sich verschiedene Gruppierungen angeschlossen, darunter Schüler und Studenten, die seit Wochen für bessere Lernbedingungen demonstrieren. Der Protestaufruf war keiner Organisation klar zuzuordnen.

Neben Verbesserungen im Bildungssektor ging es auch um hohe Spritpreise, niedrige Löhne, die große Zahl von zu Niedriglöhnen Beschäftigten sowie Probleme der Landwirtschaft und der Feuerwehr. Aufgrund des bereits hohen Haushaltsdefizits und Frankreichs hoher Verschuldung ist der Handlungsspielraum der Regierung allerdings begrenzt, um auf Forderungen der Demonstranten einzugehen.

Präsident Macron droht mit Konsequenzen

Premierminister Sébastien Lecornu sagte, die Polizei habe sich den ganzen Tag lang "einer besonders gewalttätigen Ultralinken" gegenübergesehen, "einer sehr gut organisierten, undurchsichtigen Gruppe, die methodisch versuchte, Eigentum, Personen, aber auch die Institutionen der Republik anzugreifen", so Lecornu.

Demonstranten vor dem brennendem Tourismusbüro in LyonBild: Jeff Pachoud/AFP

Es handle sich "um ein politisches Manöver, das Gewalt billigt". Er betonte: "Wir lassen uns davon nicht einschüchtern." 

Justizminister Gérald Darmanin sprach am späten Samstagabend von "Ausschreitungen von beispiellosem Ausmaß, die auch derzeit noch andauern". Er habe "alle Generalstaatsanwälte und Staatsanwälte erneut aufgefordert, eine äußerst entschlossene juristische Reaktion zu zeigen, die der Gewalt, die unser Land heimgesucht hat, angemessen ist", sagte der Minister.

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05:49

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Präsident Emmanuel Macron drohte den Verantwortlichen mit Konsequenzen. "In unserer Republik ist kein Platz für Gewalt", sagte er am Samstagabend. "Diejenigen, die sowohl Präfekturen als auch Geschäfte zerstört und angegriffen sowie sogar unsere Rathäuser geplündert haben, werden strafrechtlich verfolgt und bestraft."

Auch in Italien gewalttätige Proteste

Wie in Frankreich ist es auch in Italien am Rande friedlicher Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Betroffen war vor allem die norditalienische Metropole Mailand, wo schwarz gekleidete, vermummte Jugendliche die Polizei auf der zentralen Piazza Duomo mit Feuerwerkskörpern und Flaschen bewarfen sowie Barrikaden errichteten, wie die Nachrichtenagentur ANSA meldet. Die Polizei habe sich zunächst zurückziehen und auf Verstärkung warten müssen.

Auch in anderen Städten wie Turin, Bologna und Bergamo kam es demnach zu Zusammenstößen, bei denen Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizei geworfen wurden. Allein in Mailand seien mindestens vier Polizisten und 20 Demonstranten verletzt sowie über 50 Jugendliche festgenommen worden. Laut ANSA ist die Hälfte von ihnen minderjährig.

pg/AR (dpa, afp, rtr)

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