Tod eines Ultrarechten: Paris bestellt US-Botschafter ein
22. Februar 2026
Frankreichs Regierung reagiert verärgert auf US-Äußerungen zum gewaltsamen Tod eines ultrarechten Aktivisten in Lyon. Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte an, er werde den amerikanischen Botschafter in Paris, Charles Kushner, einbestellen. Grund dafür sei ein "Kommentar" der US-Vertretung.
Man verbitte sich jegliche Einmischung des Auslands, betonte Barrot. "Wir lehnen jede Instrumentalisierung dieses Dramas (...) zu politischen Zwecken ab", sagte der Außenminister. Frankreich müsse sich keinerlei "Lektionen" zum Thema Gewalt gefallen lassen - insbesondere von der "reaktionären Internationalen".
Nach dem Tod des 23-jährigen Rechtsextremen Quentin Deranque bei einem Angriff von Linksextremen in Lyon hatte das Außenministerium der USA erklärt, gewalttätiger Linksextremismus nehme in Frankreich zu und stelle eine "Bedrohung für die öffentliche Sicherheit" dar. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die US-Botschaft in Paris unter Kushners Leitung verbreitete dieses Statement weiter.
USA unterstreichen Gefahr durch Links
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, Gewalttaten aus dem linksextremen Spektrum besonders hervorzuheben - und sie als größeres Problem als rechtsextrem motivierte Gewalt darzustellen.
Charles Kushner, der Vater von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, war vom französischen Außenministerium bereits im Sommer vergangenen Jahres einbestellt worden. Der Botschafter hatte Staatschef Emmanuel Macron zuvor öffentlich einen "unzureichenden" Einsatz gegen Antisemitismus vorgeworfen.
In Frankreich hat Quentin Deranques Tod Trauer und Bestürzung ausgelöst, am Samstag gab es in Lyon Gedenkmärsche. Gegen sieben Personen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Unter ihnen ist ein früherer Mitarbeiter eines Abgeordneten der linksgerichteten Partei LFI. Die Partei hat die Tötung verurteilt.
wa/rb (afp, rtr)