Assisi zeigt erstmals Gebeine des Heiligen Franziskus
22. Februar 2026
Die Reste eines Skeletts in einer Plexiglas-Vitrine: Der Schädel in kleine Teile zerbrochen, die einzelnen Knochen fein säuberlich anatomisch angeordnet. Es sind die Gebeine des Heiligen Franziskus, die ab diesem Sonntag bis zum 22. März in der Basilika von Assisi in Italien erstmals einer breiten Öffentlichkeit gezeigt werden - wenn man eines der Tickets ergattert hat.
Franz von Assisi, wie er auf Deutsch genannt wird, gehört zu den berühmtesten Heiligen der katholischen Kirche. Er wurde im 12. Jahrhundert in eine wohlhabende Familie geboren, entsagte aber seinem Reichtum, um als Bettelmönch zu leben und die Kirche zu reformieren.
In Stickstoff sicher verwahrt
Gläubige verehren ihn für seine Friedensbotschaft, seine Liebe zur Schöpfung und sein Engagement für die Armen. Zudem ist er Italiens Nationalheiliger. Sein Todestag jährt sich in diesem Jahr zum 800. Mal.
Anlass für Gedenkgottesdienste und eben auch für diese Ausstellung, in der die sterblichen Überreste zu sehen sind - in Stickstoff sicher verwahrt und unter einer weiteren Hülle aus schusssicherem Glas. Die Entscheidung, die Gebeine aus der Krypta zu holen, soll die Botschaft von Franz von Assisi lebendig halten und Christen die Möglichkeit geben, vor ihnen zu beten, so die Verantwortlichen.
Tausende sind an diesem Sonntag nach Assisi gekommen, um als Erste die Reliquien zu sehen und zu verehren. Schon in den Morgenstunden bildete sich ein breiter Pilgerstrom, der sich langsam in die Basilika San Francesco bewegte.
Wegen des großen Andrangs können die Basilika-Besucher nur wenige Augenblicke vor den Reliquien in der Unterkirche verharren. Manche von ihnen berühren den durchsichtigen Sarg mit der Hand und bekreuzigen sich dann.
Per Handy-Ticket zum Heiligen
Fast 400.000 Menschen aus verschiedensten Ländern haben sich nach Angaben des Franziskanerordens bereits angemeldet. In den kommenden vier Wochen werden täglich rund 15.000 Besucher erwartet, die ganz zeitgemäß per QR-Code auf dem Handy Einlass finden. Rund 400 Freiwillige wurden rekrutiert, um die Pilger durch die Kopfsteinpflastergassen der mittelalterlichen Stadt in die Unterbasilika zu geleiten.
Franz von Assisis Knochen wurden bereits 1978 in einem quaderförmigen Plexiglas-Sarg ausgelegt und wurden damals genau einen Tag lang einem sehr kleinen Publikum gezeigt. Seitdem ruhten sie in einem steinernen Sarkophag.
Experten versicherten, dass die aktuelle Ausstellung den Erhaltungszustand der Knochen nicht beeinträchtigen wird. "Die Vitrine ist versiegelt, sodass kein Kontakt mit der Außenluft besteht", sagte Giulio Cesareo, Kommunikationsdirektor des Franziskanerklosters in Assisi. "Tatsächlich befinden sich die Artefakte noch immer unter denselben Bedingungen wie im Grab."
Auch die Beleuchtung in der Kirche, die gedämpft bleiben wird, dürfte keine Auswirkungen haben. "Die Basilika wird nicht wie ein Stadion beleuchtet sein", betonte Cesareo. "Das ist kein Filmset."
Ein junger Heiliger in der Nachbarschaft
Assisi ist ohnehin eines der beliebtesten christlichen Pilgerziele der Welt. Die Stadt liegt malerisch auf einem Hügel in der Landschaft und ist aus rosafarbenem Kalkstein erbaut, der ihr ein einzigartiges Leuchten verleiht, besonders bei Sonnenuntergang.
Millionen von Pilgern strömen jedes Jahr in die 27.500-Einwohner-Gemeinde in der Region Umbrien - wegen des Grabes des heiligen Franziskus und der prächtigen Basilika, die mit Giottos Fresken aus dem Leben des Heiligen geschmückt ist und sich darüber erhebt.
Inzwischen zieht aber auch ein weiterer Heiliger in Assisi eine neue Generation von Pilgern an: Nur wenige hundert Meter von der Basilika entfernt, in der Wallfahrtskirche Santa Maria Maggiore, ruht Carlo Acutis. Der Italiener starb 2006 mit 15 Jahren an Leukämie. Seit seiner Heiligsprechung durch Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr ist Acutis als erster "Internet-Heiliger" bekannt.
AR/wa (ap, dpa, kna, afp)