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Franzosen im Irak entführt

5. September 2004

Aus Protest gegen das Kopftuchverbot an französischen Schulen haben irakische Extremisten zwei Franzosen als Geiseln genommen. Die Verhandlungen über ihre Freilassung ziehen sich hin.

Verschleppt: Georges Malbrunot (rechts) und Christian ChesnotBild: AP


Mit der Entführung zweier französischer Journalisten im Irak haben islamische Extremisten die Innenpolitik Frankreichs ins Visier genommen. Wie der katarische Fernsehsender "El Dschasira" am Samstag berichtete (28.8.2004), forderten die Kidnapper die Regierung in Paris zur Aufhebung des im Februar beschlossenen Kopftuchverbots an staatlichen Schulen auf. Der Sender zeigte Videoaufnahmen der vermissten Reporter. Die wichtigsten schiitischen Geistlichen des Irak bekräftigten in Nadschaf ihre Ablehnung von Gewalt.

Bei den Journalisten handelt es sich laut "El Dschasira" um Christian Chesnot, einen Mitarbeiter von "Radio France" und "Radio France Internationale" (RFI) sowie Georges Malbrunot, der als Reporter für die Pariser Tageszeitung "Le Figaro" und die Regionalzeitung "Ouest-France" im Irak arbeitet. Die Franzosen wurden seit dem 20. August vermisst, als sie von Bagdad nach Nadschaf reisen sollten, um über die Kämpfe in der Schiitenhochburg zu berichten.

"Islamische Armee" ist bekannt

"El Dschasira" strahlte zwei Videosequenzen aus, in denen die Reporter sich als Geiseln der Extremistengruppe "Islamische Armee" bezeichnen. Auf das Konto der Gruppe geht bereits die Ermordung des italienischen Journalisten Enzo Baldoni. Die "Islamische Armee" hatte von der italienischen Regierung den Abzug ihrer Truppen aus dem Irak gefordert und dafür ebenfalls eine 48-Stunden-Frist gesetzt.

Der Rat der Ulema, die wichtigste Gruppe sunnitischer Religionsgelehrter, forderte die Freilassung der Reporter. Die Pariser Nationalversammlung hatte im Februar beschlossen, Kopftücher und andere auffällige religiöse Zeichen aus öffentlichen Schulen zu verbannen. Das Gesetz gilt ab diesem Schuljahr, das am 1. September 2004 begann.


Frankreich mobilisiert Behörden

Ein Sprecher des Pariser Außenministeriums erklärte, die französische Botschaft in Bagdad und die Behörden in Frankreich seien "mehr denn je mobilisiert".

In Nadschaf trafen sich ranghohe Geistliche zu Beratungen über die Lage. "Wir haben noch nicht alle friedlichen Lösungen ausgeschöpft, um die Besatzung zu beenden", sagte ein Sprecher des schiitischen Würdenträgers Baschir el Nadschafi nach einem Treffen mit Großayatollah Ali Sistani. Die höchste religiöse Instanz der Schiiten, die Mardschaija, lehne den bewaffneten Kampf gegen die US-Armee weiterhin ab, sagte Nadschafis Sprecher. Doch wenn sich herausstelle, dass keine Diskussionen mehr möglich seien, werde "der bewaffnete Kampf eine Option". (ali)

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