Frauenmagazin "Emma" wird nach 50 Jahren eingestellt
21. Oktober 2026
Ein halbes Jahrhundert prägte die feministische Zeitschrift "Emma" von Alice Schwarzer die Bundesrepublik Deutschland. Doch Ende des Jahres soll Schluss sein.
"Nach 50 Jahren und 398 Ausgaben mit 36.584 Seiten verlässt 'Emma' die Bühne", teilte die 83-jährige Journalistin und Frauenrechtlerin am Redaktionssitz in der westdeutschen Metropole Köln mit. Schwarzer ist bis heute Herausgeberin und Chefredakteurin der von ihr gegründeten Zeitschrift.
Während drei Feministinnen-Generationen habe "Emma" die Stellung gehalten, allen Moden widerstanden und gegen manchen "Unsinn im Namen des Feminismus" Stellung bezogen. "Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet."
Im Dezember ist Schluss
Am 8. Dezember erscheint die letzte Ausgabe von "Emma". "Wir haben lange gezögert und nachgedacht. Es bricht uns selber das Herz. Aber es geht nicht anders", schreibt die Redaktion zum Abschied. Ursache sind demnach Schwierigkeiten, die von "Emma" seit der Magazin-Gründung 1977 vertretene Perspektive des "universalistischen Feminismus" weiterzuführen.
Immer mal wieder kam in den vergangenen Jahrzehnten auch die Frage auf, ob Schwarzer die Leitung des im Zweimonatsrhythmus erscheinenden Magazins nicht in jüngere Hände geben müsse. Dazu heißt es nun zum Ende dieses Kapitels deutscher Mediengeschichte: "Wir haben immer wieder versucht, weitere Kolleginnen in unserem Geiste zu finden, immer wieder auch eine potenzielle Chefredakteurin." Dies habe aber nicht funktioniert.
Gescheiterter Führungswechsel
"Wir haben dabei jedoch so problematische Erfahrungen gemacht, dass wir uns irgendwann gesagt haben: Wir lassen es. Wir verlassen uns auf uns, die Kerntruppe", so Schwarzer in der aktuellen Oktober-Ausgabe.
2008 hatte tatsächlich die Journalistin Lisa Ortgies die Chefredaktion übernommen. Doch schon nach kurzer Zeit kam es zum Zerwürfnis, und Schwarzer nahm das Heft wieder selbst in die Hand.
Die Redakteurinnen kritisieren in ihrem Abschiedswort, dass sich der klassische Feminismus immer stärker in einem "Queerfeminismus" auflöse. So sei "zu guter Letzt noch nicht einmal mehr klar, was in dieser patriarchalen Welt noch eine Frau ist und was ein Mann und wofür beziehungsweise wogegen wir uns warum engagieren", schreibt die Redaktion.
Transkritik und Schulterschluss mit Wagenknecht
Durch diese Positionierung und ihre Haltung zu Transpersonen hatte Schwarzer in den vergangenen Jahren zum Teil heftige Kritik bis hin zu persönlichen Angriffen ausgelöst. 2023 hatten beim Festival "Literarischer Herbst" in Leipzig 33 Autorinnen und Künstler gefordert, eine Lesung von Schwarzer abzusagen, da diese "immer wieder durch transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen" auffalle.
Schwarzer reagierte empört: Sie habe Transpersonen noch nie angegriffen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur: "Was ich allerdings kritisch sehe, ist die neue Transideologie, die das Recht auf den Personenstandswechsel ab dem 14. Lebensjahr und auf gefährliche Hormonbehandlungen und Operationen für alle fordert." Es müsse möglich sein, diese Meinung zu vertreten, ohne gleich aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden.
Auch die Haltung der "Emma"-Herausgeberin zum Ukraine-Krieg schlugen hohe Wellen. Schwarzers Eintreten für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland an der Seite von Sahra Wagenknecht, der Gründerin der linkspopulistischen Partei BSW, hatten zu massiver Kritik und Abo-Kündigungen geführt.
Leitblatt des deutschen Feminismus
Schwarzer hatte die "Emma" 1977 gegründet und schnell zum Leitblatt des deutschen Feminismus entwickelt. In ihren Hochzeiten hatte die Zeitschrift Auflagen von rund 200.000 Exemplaren. Bis 2023 ging diese Zahl auf rund 26.000 Exemplare zurück, seitdem veröffentlichte das zuletzt alle zwei Monate im Eigenverlag erscheinende Blatt keine Auflagenzahlen mehr.
Laut Schwarzer ist das Blatt aber nicht defizitär. Passend zu ihrem zeitlebens kämpferischen Auftreten will die Herausgeberin ihre "Emma" dabei erhobenen Hauptes gehen lassen: Nicht aus ökonomischen Gründen, nicht wegen der sinkenden Auflage werde das feministische Magazin eingestellt, betonte sie. "Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!"
Ein kleiner Trost: Das "Emma"-Archiv mitsamt Kisten und Kartons, Korrespondenzen und Kampagnen werde vollständig in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen und dort Interessierten erschlossen. Damit werde "Emma" letztlich "in die Ewigkeit gehen".
AR/gri (kna, afp, dpa, epd)