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PanoramaGlobal

Frida Kahlo: Ikone damals und heute

Sarah Hucal
24. Juni 2026

Frida Kahlo war ihrer Zeit weit voraus. Sie lehnte weibliche Schönheitsideale ab, war bisexuell, politisch engagiert und in ihrer Kunst schonungslos ehrlich. Die Londoner Tate Modern widmet ihr eine große Schau.

Porträt von Frida Kahlo.
Sie fasziniert Menschen auf der ganzen Welt: Die mexikanische Malerin Frida Kahlo Bild: Lucas Vallecillos/IMAGO

Nur wenige Künstlerinnen haben ihr persönliches Leid so eindringlich in eine Bildsprache übersetzt wie Frida Kahlo.

Mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod im Jahr 1954 ist die mexikanische Malerin noch stets eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Kunstgeschichte. Ihre ikonische zusammengewachsene Augenbraue und ihr Blumenschmuck im Haar machen sie weltweit erkennbar, ihre Werke erzielen auf Auktionen Millionensummen. Vom 25. Juni 2026 bis zum 3. Januar 2027 widmet ihr die Londoner Tate Modern die Ausstellung "Frida: The Making of an Icon".

Frida Kahlo wurde 1907 in Coyoacán, heute Teil von Mexiko-Stadt, als Tochter eines deutschen Einwanderers und einer Mutter mit spanisch-indigener Abstammung geboren. Ihre Kindheit war von körperlichen Schmerzen geprägt: Mit sechs Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung; mit 18 hatte sie einen schweren Busunfall, der bleibende Schäden hinterließ und ihren Traum, Ärztin zu werden, zunichte machte. Während ihrer langen Genesungszeit begann sie mit dem Malen, wobei sie eine spezielle Staffelei und einen Spiegel über ihrem Bett benutzte.

Schonungslos ehrlich

Die meisten Menschen kennen Kahlos eindrucksvolle Selbstporträts, die den Großteil ihres Werks ausmachen. Doch anstatt sich selbst idealisiert darzustellen, war sie bei der Darstellung ihres Körpers schonungslos ehrlich. In ihren Kunstwerken setzt sie sich mit ihrer Behinderung, ihren Fehlgeburten und ihrem Liebeskummer auseinander. Solche Themen wurden zu ihrer Zeit selten thematisiert - und noch seltener aus der Perspektive einer Frau.

Kahlos Werke lassen sich nur schwer einordnen. Sie lehnte die Bezeichnung "Surrealismus" ab, die viele mit ihr in Verbindung brachten, und sagte dazu die berühmten Worte: "Ich habe nie Träume gemalt. Ich habe meine eigene Realität gemalt." Diese Realität war zweifellos reichhaltig genug. Kahlo führte eine turbulente Ehe mit dem mexikanischen Künstler Diego Rivera, der 20 Jahre älter war als sie und zu jener Zeit einer der berühmtesten Künstler des Landes.

Zu Lebzeiten stand Kahlo oft im Schatten von Riveras Ruhm, doch es ist ihr Vermächtnis, das die Zeit überdauert hat. Sie und ihre Kunstwerke sind überall zu sehen, von TikTok-Feeds über Souvenirläden bis hin zu Museumsausstellungen - ein Phänomen, das als "Fridamania" bezeichnet wird.

Im Jahr 2021 wurde ihr Gemälde "Diego y yo" (Diego und ich) bei einer Auktion für fast 35 Millionen Dollar (rund 31 Millionen Euro) versteigert. Es zeigt Kahlo, auf deren Stirn Rivera zu sehen ist, seinerseits mit einem dritten Auge auf der Stirn. Die leidenschaftliche Beziehung war von viel Schmerz und Leid geprägt. Dennoch verband die beiden eine starke emotionale und intellektuelle Bindung; das Paar blieb bis zu Frida Kahlos Tod im Jahr 1954 zusammen.

Frida Kahlos "Diego y yo"Bild: John Angelillo/UPI Photo/Newscom/picture alliance

Die Versteigerung von Kahlos Werk "El Sueño" (Der Traum) im Jahr 2025 stellte den jüngsten Rekord auf: Es wurde für unglaubliche 54,7 Millionen Dollar (rund 47,2 Millionen Euro) verkauft - das teuerste Kunstwerk einer Frau, das je auf einer Auktion versteigert wurde. Es zeigt eine schlafende Kahlo im Bett, umrankt von Schlingpflanzen - wahrscheinlich ein Hinweis auf die chronischen Schmerzen, unter denen sie litt -, während ein Skelett mit Dynamit auf dem Baldachin über ihr ruht.

Gegen gängige Schönheitsideale

Kahlo war dafür bekannt, sich über konventionelle Geschlechterrollen hinwegzusetzen, weshalb ihre Kunst heute bei der LGBTQ+-Community großen Anklang findet. Sie lebte offen als bisexuelle Frau und hatte während ihrer Ehe mit Diego Rivera Affären mit prominenten Männern und Frauen.

Manchmal malte sie sich mit männlichen Zügen, wie beispielsweise in ihrem Gemälde "Selbstporträt mit abgeschnittenem Haar" aus dem Jahr 1940. Entgegen den gängigen Schönheitsidealen porträtierte sie sich oft mit ihrer charakteristischen zusammengewachsenen Augenbraue und einem Schnurrbart.

Ausstellungen mit ihrer Kunst ziehen nach wie vor ein großes Publikum an. Die bevorstehende Schau in der Tate Modern wird über 30 der "ikonischsten Werke" der Künstlerin zeigen und, wie die Kuratoren es beschreiben, ihre "'vielen Facetten' - die hingebungsvolle Ehefrau, die Intellektuelle, die moderne Künstlerin und die politische Aktivistin" - vorstellen.

Kahlos "Selbstporträt mit abgeschnittenem Haar" (1940)Bild: Frida Kahlo | gemeinfrei

Ein Buch als Popularitäts-Boost

Doch Kahlo war nicht immer eine Kultfigur. Das Buch "Frida: A Biography of Frida Kahlo" von Hayden Herrera erschien 1983 und trug maßgeblich dazu bei, die Künstlerin über akademische Kreise hinaus bekannt zu machen. Das Buch diente auch als Vorlage für den Film "Frida" aus dem Jahr 2002 mit Salma Hayek in der Hauptrolle.

Kritiker hinterfragen bis heute die Kommerzialisierung von Frida Kahlos Bild – das sich auf zahlreichen Produkten von Kaffeetassen bis hin zu T‑Shirts findet. Sie argumentieren, dass die vermarktete Ikone oft die politischen Überzeugungen der Künstlerin und die Nuancen ihres Werks in den Hintergrund drängt.

Kahlo war eine überzeugte Kommunistin, die sich intensiv mit den politischen Umwälzungen ihrer Zeit auseinandersetzte. Sie hatte enge Kontakte zu prominenten Persönlichkeiten der Linken, darunter auch zum im Exil lebenden russischen Revolutionär Leo Trotzki.

Für viele ist Frida Kahlo noch heute eine Quelle der InspirationBild: akg-images/picture alliance

Heute ist Frida Kahlo zweifellos Mexikos berühmteste Künstlerin. Traditionelle Tehuana-Kleider, indigene Symbolik und Bezüge zur Landschaft des Landes ziehen sich durch ihr gesamtes Werk. Doch obwohl sie sich als Tochter einer Mestizin für indigene Kulturen einsetzte, war ihr Verhältnis zur indigenen Identität komplex, wie Hayden Herrera hervorhebt. Kahlo nutzte indigene Bildsprache auch symbolisch, um ihre eigene künstlerische Persönlichkeit zu konstruieren und Ideen über mexikanische Identität, Weiblichkeit und Politik zu vermitteln, obwohl sie aus einem intellektuellen Milieu der Oberschicht stammte.

Doch solche Fragen haben ihr Gesamtwerk nicht überschattet und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die "Fridamania" bald nachlassen wird. Frida Kahlos starke Persönlichkeit, ihre Lebenserfahrungen und ihre Fähigkeit, ihre Gefühle in ihren Werken unverblümt zum Ausdruck zu bringen, haben dazu beigetragen, dass die Künstlerin noch immer populär ist.

Adaption aus dem Englischen: Katharina Abel

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