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Schriftsteller Philippe Sands nimmt Friedenspreis entgegen

11. Oktober 2026

Traditionell wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels übergeben. Philippe Sands kritisiert in seiner Dankesrede das "unanständige Schweigen" Deutschlands zu Israel.

Philippe Sands während seiner Dankesrede in Frankfurt am Main
Philippe Sands erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am MainBild: Hannes P. Albert/dpa/picture alliance

Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde dem französisch-britischen Völkerrechtler und Autor Philippe Sands in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Damit würdigte die Jury den Einsatz von Sands für Gerechtigkeit, Frieden und das Völkerrecht. 

Sands ist Professor für Internationales Recht am University College London und wurde seit 2016 durch mehrere literarische Sachbücher einem breiten Publikum bekannt. Dazu gehört "Rückkehr nach Lemberg", 2018 auf Deutsch erschienen. Darin erzählt Sands mit Blick auf die eigene Familiengeschichte von der Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen in der heute ukrainischen Stadt Lwiw während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

Friedenspreisträger kritisiert deutsche Israel-Politik

In seiner Dankesrede warf der 65-Jährige Deutschland "unanständiges Schweigen" im Umgang mit Israel vor. Völkerrechtsverletzungen müssten klar benannt werden - gerade unter Freunden. "Es ist nicht antisemitisch. Es ist nicht Anti-Israel. Es ist die Wahrheit", sagte Sands.

Die Frage, ob Israel an den Palästinensern einen Genozid verübe oder nicht, sei "ein nutzloses Ablenkungsmanöver", setzte Sands fort: "Es gibt keine Hierarchie unter den verschiedenen Völkerstraftaten." Sie müssten angeprangert werden "und diejenigen, die anprangern - ganz gleich, welche Bezeichnung sie verwenden -, sollten nicht zum Schweigen gebracht, ausgeschlossen oder bestraft werden, nur weil sie ihre Rede- und Meinungsfreiheit ausüben." Die "Debattenbeschränkung" in Deutschland sei "beunruhigend".

"Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung"

Viele Staaten hätten inzwischen Palästina als Staat anerkannt, Sanktionen verhängt oder das Handeln Israels in den besetzen Gebieten als ethnische Säuberungen bezeichnet, so Sands. "Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung. Warum dann das Schweigen?" 

Eine echte Staatsräson für Deutschland müsse das Schweigen über Völkerstraftaten brechen, betonte - "wo auch immer sie geschehen und durch wen auch immer sie begangen werden, auch wenn es Freunde, vor allem, wenn es Freunde sind". Unter Applaus sagte er: "Schweigen ist nicht der Weg. Nicht für eine Familie. Nicht für eine Gemeinschaft. Nicht für ein Land."

Philippe Sands erhielt die Auszeichnung in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.)Bild: Hannes P. Albert/dpa/picture alliance

Gleichzeitig stellte Sands klar: "Die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 waren entsetzlich." Auch dies sei "eine ungeheuerliche Verletzung grundlegender Normen des Völkerrechts". Wie jeder Staat habe Israel das Recht, sich zu verteidigen. Aber: "Dieses Recht ist nicht unbegrenzt und muss innerhalb der Grenzen des Völkerrechts ausgeübt werden."

"Ein Anlass zur Hoffnung"

Am Ende seiner mit viel Applaus bedachten Rede zitierte Sands unter Live-Begleitung aus dem Lied "Anthem" von Leonard Cohen. Darin heißt es, in allem sei ein Sprung und durch ihn gelange das Licht hinein.

Die Laudatio hielt die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Mirjam Zadoff. Sands sei "der Nachkomme einer großen jüdischen Lemberger Familie" und zugleich "einer der wichtigsten Völkerrechtsexperten unserer Zeit". Dass er den Friedenspreis erhalte, sei "nicht weniger als ein Anlass zur Hoffnung".

An dem Festakt in Frankfurt nahmen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour, Bundesjustizministerin Stefanie Hubig sowie die Publizisten Navid Kermani, Carolin Emcke und der Historiker Karl Schlögel, die in den vergangenen Jahren mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden waren.

pg/wa/ack (dpa, kna)

Redaktionsschluss 17.30 Uhr (MESZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert! 

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