Rassismus gegen Mbappé: Frankreich kündigt Klage an
7. Juli 2026
"Trottel", "kolonisierter Kameruner", "voller Minderwertigkeitskomplexe, neureich, arrogant und hässlich" - mit diesen und weiteren rassistischen Beschimpfungen hat die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia eine internationale Empörungswelle ausgelöst.
Ziel ihrer Angriffe war Frankreichs Fußballstar Kylian Mbappé. Nach den verbalen Entgleisungen stellt sich nun ganz Frankreich hinter seinen Nationalmannschaftskapitän. Der französische Fußballverband (FFF) kündigte rechtliche Schritte an, auch Staatspräsident Emmanuel Macron schaltete sich ein.
Hart geführtes Spiel mit viel Emotion
Auslöser des Streits war das emotional geführte Achtelfinale der Fußball-WM zwischen Frankreich und Paraguay in Philadelphia. Die Franzosen setzten sich mit 1:0 gegen den Deutschland-Bezwinger durch.
Mbappé war während der Partie wiederholt hart attackiert worden und sorgte nach dem Schlusspfiff mit provokanten Gesten in Richtung der paraguayischen Spieler für zusätzliche Diskussionen. Besonders sein verweigerter Handschlag für Torhüter Orlando Gill sorgte für Gesprächsstoff.
Kurz darauf veröffentlichte Amarilla de Boccia mehrere Beiträge in sozialen Netzwerken. Unter anderem schrieb sie über Mbappé, er sei ein "kolonisierter Kameruner, der sich als Franzose ausgibt, verbittert, neureich, arrogant und hässlich".
In einem weiteren Beitrag bezeichnete sie den Stürmer als "Trottel", der nicht einmal schreiben gelernt habe. "Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen", so Amarilla de Boccia.
Mbappé schlägt zurück und erhält Unterstützung
Der Star von Real Madrid reagierte öffentlich und ungewöhnlich scharf auf die Angriffe der Politikerin: "Madame Celeste Amarilla, sie sind eine verachtenswerte Frau und ihrer Funktion nicht würdig. Sie vertreten nicht Paraguay, dieses Land, das während des gesamten Wettbewerbs Leidenschaft und Ehre verströmt hat", schrieb Superstar Mbappé auf X.
Der Angreifer machte zugleich deutlich, dass er die rassistischen Angriffe nicht unbeantwortet lassen werde. Celeste Amarilla habe "durch ihren unverhohlenen Rassismus (...) das schlechtest mögliche Bild ihres Landes abgegeben. Ich werde Menschen wie ihr niemals die Freiheit lassen, ihren Hass und ihren Rassismus in der ganzen Welt zu verbreiten", erklärte Mbappé weiter.
Die Reaktion des französischen Nationalspielers fand in seiner Heimat breite Zustimmung. Viele Politiker, Sportfunktionäre und Fans stellten sich öffentlich hinter den Weltmeister von 2018.
Verband kündigt juristische Schritte an
Besonders deutlich positionierte sich der französische Fußballverband. Die FFF verurteilte die Aussagen der Senatorin in einer Stellungnahme auf das Schärfste.
"Die rassistischen Äußerungen der paraguayischen Senatorin Celeste Amarilla gegen Kylian Mbappé sind völlig abscheulich und inakzeptabel", erklärte die FFF. Der Verband kündigte zudem eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft an, "um strafrechtliche Schritte einzuleiten".
Auch Verbandspräsident Philippe Diallo stellte sich demonstrativ vor seinen Kapitän. Die französischen Nationalspieler repräsentierten das ganze Land, erklärte er. Entsprechend seien die Angriffe auf Mbappé auch ein Angriff auf Frankreich selbst.
Unterstützung kam außerdem aus dem Élysée-Palast. Präsident Emmanuel Macron erklärte, dass er "Kylian Mbappé und die französische Nationalmannschaft angesichts der rassistischen Angriffe unterstützt".
Nach Angaben des Präsidialamts habe sogar Paraguays Präsident Santiago Peña die Äußerungen der Senatorin verurteilt. Auch das paraguayische Außenministerium distanzierte sich demnach von den Aussagen.
FIFA-Präsident Infantino verurteilt Beleidigungen
Die Affäre beschäftigte schließlich auch den Weltfußball. FIFA-Präsident Gianni Infantino reagierte mit einer Botschaft der Solidarität. Die Beleidigungen verurteile er "unmissverständlich", erklärte Infantino.
Die "Gesellschaft und der Fußball stehen solidarisch an der Seite des französischen Kapitäns", schrieb der FIFA-Chef bei Instagram. Zugleich betonte er: "Wir müssen Rassismus gemeinsam bekämpfen und besiegen."
Unter dem wachsenden internationalen Druck meldete sich Amarilla de Boccia später noch einmal zu Wort. In einem offenen Brief erklärte sie, ihr Konflikt richte sich gegen Mbappé persönlich und nicht gegen Frankreich.
Zudem zeigte sie teilweise Reue. "Schon nach kurzer Zeit bereute ich es, dich mit denselben Beleidigungen beschimpft zu haben, die ich selbst zu hören bekomme", schrieb die Senatorin und verwies darauf, dass sie als Latina ebenfalls rassistischen Beleidigungen ausgesetzt sei.