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SportGlobal

Füllkrug rettet Remis gegen Spanien

27. November 2022

In ihrem zweiten Spiel bei der Fußball-WM in Katar gegen Spanien zeigt die Mannschaft von Bundestrainer Hansi Flick eine verbesserte Leistung. Am Ende sticht mit Joker Niclas Füllkrug ein WM-Debütant.

Torjubel Niclas Füllkrug
Eingewechselt und gleich getroffen: Joker Niclas Füllkrug erlöst die deutsche MannschaftBild: Matthew Childs/REUTERS

Es waren gerade einmal ein paar Minuten zwischen Deutschland und Spanien gespielt, da ballte David Raum zum ersten Mal die Faust. Kurz vor der Halbzeit war es Jamal Musiala, der sich aufgrund seines immensen Einsatzes ein Extralob von den Kollegen einholte. Die deutschen Spieler kämpften, grätschten, warfen sich gegen die Spanier in die Zweikämpfe und gewann die meisten davon in einer Art und Weise, wie es sich die deutschen Fans nach der Auftaktniederlage gegen Japan kaum noch hätten vorstellen können. Und dann war da noch Niclas Füllkrug, der spät eingewechselt wurde und bei seinem Debüt bei einer Fußball-WM keine lange Anlaufzeit benötigte, um die deutsche Mannschaft mit dem 1:1-Ausgleichstreffer zu erlösen.

Die Mannschaft von Bundestrainer Hansi Flick wurde für ihr großes Engagement gegen die Spanier belohnt. Sie bot dem Team von Coach Luis Enrique entgegen vielen Befürchtungen ein Spiel auf Augenhöhe, war zeitweise sogar überlegen. Wie groß der Wille des gesamten Teams war, zeigte sich auch daran, wie sich Füllkrug von der ersten Sekunde an in die Partie einbrachte. Der lange Zeit so vermisste Typus klassischer Mittelstürmer - körperlich robust, durchsetzungs- und kopfballstark - stemmte sich mit seinem Körper gegen die spanische Defensive, brachte bei seinen Zweikämpfen viel Energie auf und wollte diesen Treffer unbedingt erzielen - was ihm mit seinem wuchtigen Schuss aus kurzer Distanz auch gelang.

Füllkrug zögerte nicht lange, nahm Mitspieler Musiala sogar den Ball vom Fuß, um selbst abzuschließen - gelernt ist gelernt. "Das macht er sehr gut. Mit welcher Entschlossenheit er da abzieht, das hat uns gutgetan", lobte Flick seinen Torschützen. Es war nach seinem Tor im Vorbereitungsspiel gegen den Oman der zweite Treffer im dritten Länderspiel des Angreifers von Werder Bremen. "Wir wollten unbedingt dieses Spiel ziehen. Es war wichtig, dass wir diesen Punkt holen", sagte Füllkrug mit einem breiten Grinsen im Gesicht. "Wir haben jetzt auf jeden Fall wieder die Möglichkeit, in die nächste Runde zu kommen."

Sinneswandel bei der DFB-Elf

Mit einem 1:1 (0:0) gegen die Spanier sicherte sich die deutsche Mannschaft vor der letzten Vorrundenpartie in Gruppe E gegen Costa Rica eine gute Ausgangsposition. Mit einem Sieg gegen die Mittelamerikaner würde das Flick-Team ins Achtelfinale der WM in Katar einziehen, vorausgesetzt Spanien kassiert gleichzeitig keine Niederlage gegen Japan. "Die Mannschaft hat bedingungslos gefightet, da muss man einfach sagen: Kompliment an die Mannschaft", sagte Flick nach dem Spiel, warnte aber gleichzeitig: "Wir haben erst einen Schritt gemacht, wir müssen den nächsten noch machen gegen Costa Rica." Das Problem: Die deutsche Mannschaft hat ihr Weiterkommen nicht selbst in der Hand, sondern ist abhängig von Dritten. Und das hat sie sich mit ihrer Herangehensweise ans Turnier selbst eingebrockt.

Der Einsatz gegen die favorisierten Spanier stimmt: Leon Goretzka (r.) wirft sich mit voller Energie in den ZweikampfBild: Robert Michael/dpa/picture alliance

So stellte sich nach den 96 Minuten gegen die Spanier im Al Bayt Stadium die Frage, weshalb die deutsche Elf nicht von Beginn des Turniers an mit genau dieser Einstellung in die Begegnungen gestartet ist. Nicht zuletzt das Freundschaftsspiel im Oman (1:0) eine Woche vor dem deutschen WM-Auftakt ließ bereits ernsthafte Zweifel an der Leidenschaft und dem Einsatzwillen des gesamten deutschen Teams aufkommen. Diese mangelnde Konzentration nahm das Team mit in die Partie gegen Japan - und offenbarte große Schwächen in Offensive und Defensive gegen besonders hart arbeitende Japaner. Umso erstaunlicher ist der plötzlich möglich gewordene Sinneswandel gegen Spanien.

Hoffen auf weitere Füllkrug-Tore

Natürlich funktionierte auch gegen die Spanier nicht alles so wie es sollte. Beim Gegentreffer durch Alvaro Morata (62.) reihten sich erneut ein paar Nachlässigkeiten in der Verteidigung aneinander. Und auch im Angriff ließen Musiala, Serge Gnabry und Co. wieder einige gute Tormöglichkeiten aus. Dennoch vermittelten die Spieler den Eindruck, als hätten alle nur ein Ziel: diese Begegnung für sich zu entscheiden. Das Team entwickelte einen gemeinsamen Spirit, einen Siegeswillen, der jedem einzelnen Spieler mehr Energie zu verleihen schien.

Lob vom Bundestrainer für den Torschützen: "Seine Entschlossenheit hat uns gutgetan."Bild: Kai Pfaffenbach/REUTERS

Und dann hatten sie ja auch noch Füllkrug. Sein Tor symbolisierte so etwas wie die Erkenntnis, dass mit dem richtigen Willen für das talentierte deutsche Team sehr viel möglich ist. Es bleibt noch das letzte Gruppenspiel, bei dem die Spieler ein ähnlich großes Engagement zeigen müssen, um das Abwehrbollwerk Costa Ricas zu knacken.

Die Mannschaft scheint nun in diesem Turnier angekommen sein. Alle Beteiligten dürfen darauf hoffen, dass es noch nicht zu spät für den Sinneswandel war - und auf weitere Füllkrug-Tore. Der Torschütze ließ zumindest schon einmal Zuversicht durchblicken: "Wir können jetzt mit einem guten Gefühl ins letzte Spiel gehen und hoffen, dass alles gut ausgeht."