Bundestrainer Klopp: keine Zeit für Dummheit und Rassismus
2. Oktober 2026
Immer wieder hallten Sprechchöre wie "Schwarz-Rot-Gold" oder "Deutschland, Deutschland" durch das Stadion in München. Die Fans schwenkten stolz ihre Fahnen, sangen und feierten ihre Nationalmannschaft. Der 2:0 (1:0)-Sieg gegen Serbien wirkte wie ein Befreiungsschlag - auf mehreren Ebenen.
Zum einen war es der erste Sieg für den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp, dem an diesem Abend "alles" an seiner Mannschaft gefallen hatte. "Die Anfangsphase, der Mittelteil, das Ende. Es war ein perfekter Abend. Ich bin so happy und stolz auf das, was wir gezeigt haben", so der 59-Jährige.
Die Nationalmannschaft zeigte das beste Spiel unter dem neuen Bundestrainer und auch von den Rängen wurde das Team lauter und emotionaler unterstützt als bei den vergangenen Partien.
Nach der Niederlage gegen Griechenland am vergangenen Sonntag hatte es erstmals seit Klopps Verpflichtung leichte Kritik gegeben - dazu Pfiffe nach dem Spiel. Zudem häuften sich in den Sozialen Netzwerken rassistische Kommentare über die DFB-Elf.
Schon bei Veröffentlichung der Mannschaftsaufstellung vor der Partie wurde das DFB-Team als "nicht weiß genug" oder "nicht deutsch genug" für eine deutsche Nationalmannschaft bezeichnet und aufs Übelste beschimpft.
"Es gibt keinen Grund, sich über diese Menschen Gedanken zu machen. Meine Gedanken kriegen sie nicht", hatte Klopp in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Serbien auf Nachfrage der Deutschen Welle (DW) erklärt. Er habe schon im normalen Leben für Dummheit wenig Zeit und in sozialen Medien auch nicht.
"Die große Crux in unserem Leben ist, dass jeder seine Meinung sagen darf", so der Bundestrainer. Solche Kommentare seien "Wahnsinn".
AfD schießt gegen DFB-Team
Auch auf politischer Ebene ist die Nationalmannschaft immer wieder Thema, vor allem einige Mitglieder der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) schießen regelmäßig gegen die DFB-Elf, die bereits seit Jahren Projektionsfläche für die Frage ist, wer als deutsch gelten soll.
Politiker Björn Höcke schrieb beispielsweise bei X mit Blick auf die Hautfarbe und Namen der Spieler, die während der Heim-EM 2024 auf dem Platz gestanden hatten: "Heute kann ich mich nicht mehr mit unserer Nationalmannschaft identifizieren."
Zur Mannschaftsaufstellung gegen Griechenland kommentierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk auf X den Fotovergleich der Weltmeisterelf von 1990 mit der aktuellen Startelf, den eine rechtsextreme Influencerin dort gepostet hatte.
Er schrieb über kulturell gewachsene "Charaktereigenschaften, bestimmte Tugenden und Teamgeist". Was diese Tugenden mit der Hautfarbe der Spieler zu tun haben, erklärte er allerdings nicht.
Sein AfD-Fraktionskollege Christopher Drößler, ein Polizeibeamter der Bundespolizei, warnte davor, eine "multiethnische Gesellschaft mit der Harmonie einer Fußballmannschaft gleichzusetzen - und fordert 'Remigration im gesetzlich maximal möglichen Umfang.'"
Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner behauptete auf X, dass man ohne die kleine deutsche Flagge keine Ahnung hätte, welche Nationalmannschaft dort eigentlich auf dem Platz stehe.
Fans stellen sich gegen Rassismus
"Diese Rassismus-Debatte ist Quatsch. Jeder gibt sein Herzblut für die Nationalmannschaft und da ist es egal, ob er schwarz ist, weiß oder welche Hautfarbe auch immer er hat", sagte DFB-Fan Jannik der DW. Jeder sei Deutscher, jeder gebe alles für Deutschland. Und auch die deutsche Fahne gehöre für ihn dazu.
"Man sollte stolz sein, die deutsche Flagge zu zeigen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Es darf genauso einer, der gerade erst hierhergekommen ist, die Flagge zeigen, wie die anderen auch." Die Flagge gehöre zur deutschen Nationalmannschaft dazu.
Deutschland-Fan Pablo ergänzte: "Es ist Wahnsinn, dass man 2026 immer noch dagegen kämpfen muss. Bunter geht es kaum in Deutschland und das soll sich auch in der Nationalmannschaft widerspiegeln." Viele der angereisten Fans stehen voll und ganz hinter der Elf von Bundestrainer Klopp.
Der 59-Jährige hatte vor einigen Wochen eine Pressekonferenz für eine Grundsatzrede gegen rechts und für "positiven Patriotismus" genutzt und gesagt: "Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen. Ich möchte, dass wir sie immer so schwingen, dass niemand denkt, was mit dir nicht in Ordnung ist. Sondern dass man einfach nur das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen und zugezogen bist."
Er wolle "Nationalstolz nicht den falschen Leuten" überlassen. "Ich kann stolz darauf sein, deutsch zu sein und trotzdem offen und vielfältig und nett, freundlich."
Klopp: "Die Gruppe könnte nicht großartiger sein"
Klopp hat mit seinen Aussagen viele Fans in Deutschland beeindruckt. "Ich habe Gänsehaut bekommen als er das gesagt hat. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung in der Welt, finde ich es wichtig, dass eine Persönlichkeit wie Klopp sich so positioniert", erklärte Pablo.
Leistungen wie die seines Teams gegen Serbien begeistern die Menschen in Deutschland - und fördern den von ihm geforderten "positiven Patriotismus". Und sie lassen die rassistischen Stimmen vielleicht bisschen leiser werden - so zumindest ist die Hoffnung des Bundestrainers, der mit Blick auf sein Team noch einmal betonte:
"Die Gruppe könnte nicht großartiger sein. Die Welt dürfte sich ein Beispiel an einer Sport-Umkleidekabine nehmen. Da wird jeder aufgrund der genau richtigen Tatsachen respektiert und nicht aufgrund der falschen Meinung diskreditiert", so Klopp. In keiner Mannschaft, in keinem Sportverein sei das ein Thema.