"Schande" - Fans aus Afrika empört über WM-Einreiseverbot
20. Januar 2026
"Was soll ich sagen, ich bin so glücklich!", rief der senegalesische Fußball-Edelfan Omar Sy nach dem turbulenten Finale des Afrika-Cups in Rabat, das Senegal gegen Gastgeber Marokko mit 1:0 nach Verlängerung gewonnen hatte. "Wer sind die Löwen? Jetzt habt ihr eure Antwort!" Das senegalesische Team hat den Spitznamen "Löwen von Teranga", das marokkanische "Löwen vom Atlas".
Der französische Filmstar Star Sy, berühmt geworden durch den Film "Ziemlich beste Freunde" und die Streaming-Serie "Lupin", hat einen senegalesischen Vater und war nicht nur zum Finale, sondern auch schon zum Halbfinale des Afrika-Cups angereist. Nach dem Triumph von Rabat feierte er in der Kabine Senegals mit den Gewinnern um Ex-Bayern-Star Sadio Mané.
Der nächste Programmpunkt von Fußball-Fan Sy dürfte gesetzt sein: In seinem ersten Gruppenspiel der WM 2026 trifft Senegal in East Rutherford in den USA auf die frühere Kolonialmacht Frankreich. Sy wird kein Problem haben, ein Besuchervisum für die USA zu erhalten, weil er französischer Staatsbürger ist - wie übrigens auch viele andere der rund 300.000 in Frankreich lebenden Menschen mit senegalischen Wurzeln.
In die Röhre gucken werden jedoch alle senegalesischen Fans, die nur einen Pass des afrikanischen Staats haben. Der Senegal steht auf einer Liste von 39 Staaten, für die US-Präsident Donald Trump Einreiseverbote verhängt hat.
Vor allem die treuesten Fans sind betroffen
"Ich finde das zu hart. Das geht zu weit. Die Mannschaft kann nicht ohne ihre Fans spielen - und es gibt einige wirklich begeisterte Anhänger, die das Team immer und überallhin begleiten", sagte Singom Dadji Ngam während des AFCON gegenüber der DW.
Der senegalesische Fan ist ein Youtuber mit mehr als 200.000 Followern. "Es [das Einreiseverbot - Anm. d. Red] gilt nur ausschließlich für Senegalesen, die nur einen senegalesischen Pass haben. Aber gerade die sind es, die die Mannschaft in allen Qualifikationsspielen begleiten."
Neben dem Senegal trifft Trumps Einreise-Bann auch Fans des deutschen Gruppengegners Cote d'Ivoire sowie der WM-Teilnehmer Haiti und Iran. Dazu könnte noch die Demokratische Republik Kongo kommen, die ebenfalls auf der schwarzen Liste des US-Präsidenten steht und deren Mannschaft noch die Chance hat, sich bei einem Playoff-Turnier Ende März ein Ticket für die WM in den USA, Kanada und Mexiko zu sichern. Ausgenommen von den Visa-Beschränkungen sind nur Spieler, Trainer und andere Teammitglieder.
Aufruf zum WM-Boykott
Auf Unterstützung des Weltverbands FIFA, dessen Präsident Gianni Infantino sich eng mit Trump verbunden fühlt, können die Fans kaum hoffen. Eine WM-Eintrittskarte "garantiert nicht die Einreise in ein Gastgeberland", erklärte die FIFA kürzlich. Nach ihren Angaben erhielt sie rund 500 Millionen Ticketanfragen aus "allen 211 FIFA-Mitgliedsverbänden", also auch jenen, die vom Visa-Bann betroffen sind.
Ein senegalesischer Fan beim Afrika-Cup forderte vor diesem Hintergrund sogar einen WM-Boykott. "Wenn wir als Fans nicht akzeptiert werden, sollten unsere Mannschaften nicht dort hinfahren und wir als Fans auch nicht. Wir sollten die WM boykottieren, andere sollten uns folgen", sagte der Anhänger der "Löwen von Teranga".
"Wir machen diese Wettbewerbe doch erst stark. Ohne Zuschauer gibt es keinen Sport, keine Unterhaltung." Auch in den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche WM-Boykottaufrufe.
Ticketpreise fünfmal höher als in Katar
Zu der politischen Hürde kommt für die afrikanischen Fans - und nicht nur für diese - eine erheblich finanzielle. Abgesehen von einer kleinen Menge günstigerer Karten, die weniger als zwei Prozent des Gesamtkontingents ausmachen, liegen die Preise fünfmal höher als bei der letzten Weltmeisterschaft in Katar vor vier Jahren.
Die Fanorganisation Football Supporters Europe errechnete für die WM 2026 eine Summe von durchschnittlich knapp 7000 Euro, um Tickets für alle Spiele der eigenen Mannschaft von der Auftaktpartie bis zum Finale zu erhalten.
"Fußball ist ein beliebter Sport und sollte für alle zugänglich sein. Nicht jeder kann es sich leisten, superteure Tickets zu kaufen, um ein Spiel zu sehen", sagte ein ivorischer AFCON-Besucher der DW, der sich sich wegen des Einreiseverbots aber wahrscheinlich ohnehin keine Hoffnungen auf einen WM-Besuch machen darf. "Solche Ungleichheiten sind nicht richtig. Was Trump getan hat, ist eine Schande. Das ruiniert den Fußball."
Ziemlich beste Freunde werden der US-Präsident und die afrikanischen Fans wohl nicht mehr.
Der Artikel wurde aus dem englischen Original "African fans fume at 'disgraceful' World Cup travel ban" adaptiert.