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Kann Donald Trump seine MAGA‑Fans für Fußball gewinnen?

Dave Braneck
17. März 2026

Donald Trump unterstützt oft Sportarten wie MMA oder Wrestling. Seine Werbung für die Fußball-WM in den USA ist dagegen schwierig. Viele seiner eigenen Anhänger mögen Fußball nicht oder sehen den Sport kritisch.

Donald Trump bei der WM-Auslosung im Dezember 2025
Kann Donald Trump die WM nutzen, um seine treuen Anhänger für Fußball zu gewinnen?Bild: Kevin Lamarque/REUTERS

US-Präsident Donald Trump mag Sportarten wie Mixed Martial Arts und Wrestling, die in den USA oft als eher konservativ gelten. Jetzt wirbt er jedoch auch stark für die Fußball‑Weltmeisterschaft. Doch das sorgt für einen kulturellen Konflikt.

Früher war Fußball für viele Konservative etwas Negatives. Manche nannten den Sport "sozialistisch" oder sagten, er sei ein "Zeichen des moralischen Verfalls". Diese Sicht ist heute schwächer, aber rechte Medien behaupten weiterhin, dass die "USA sich nicht für Fußball interessieren" oder dass der Sport "unamerikanisch" sei.

In den letzten Jahren war Fußball oft Teil politischer Streitigkeiten. Besonders die US‑Frauen­Nationalmannschaft wurde von Trump und der MAGA‑Bewegung kritisiert, weil einige Spielerinnen sehr offen für progressive Themen eintreten.

Jetzt kommt die Männer-Weltmeisterschaft in die USA, nach Kanada und Mexiko. Trump wirbt stark für das Turnier und hat seine Kontakte zum Fußball-Weltverband FIFA ausgebaut. Dadurch steht er vor einer schwierigen Aufgabe: Er möchte seinen eigenen Anhängern Fußball näherbringen.

Trumps Weltmeisterschaft?

Trump spricht oft über Fußball, aber seine Botschaften haben meist wenig mit dem eigentlichen Sport zu tun.

"Verglichen mit anderen Ländern auf der Welt ist Fußball hier weniger politisch", sagt Jeffrey Kraus, Politikwissenschaftler in New York. "Diese kommende Weltmeisterschaft hat in vielerlei Hinsicht einen politischen Ton angenommen. Es gibt das Gefühl, dass die FIFA Präsident Trump umarmt hat, was das Turnier eindeutig mit dem Präsidenten verknüpft."

Trumps enge Beziehung zu FIFA‑Präsident Gianni Infantino und die Zusammenarbeit der FIFA mit Trumps neuem Board of Peace sorgen dafür, dass der US-Präsident sehr stark mit dem Turnier verbunden wird.

Einige Konservative finden das normal, weil Trump generell viele Sportarten unterstützt.

"Er war schon immer ein Sporttyp - man muss nur auf seine Verbindung zur UFC [Ultimate Fighting Championship, Anm.d.Red.] und zum Wrestling schauen", sagt Chris Vance von den UCLA Young Republicans, einer konservativen Studentengruppe an der University of California in Los Angeles. "Er war immer ein Entertainment‑Typ, er war lange in diesem Geschäft, also ergibt das Sinn."

Eine sich verändernde Fußballkultur

In den USA ist Fußball nicht so politisiert wie in vielen europäischen Ländern. Dennoch sind viele Fans jung und haben familiäre Wurzeln in anderen Ländern. Viele von ihnen sind politisch eher progressiv eingestellt.

Seit Trumps Wiederwahl gab es außerdem Streit über Anti‑ICE‑Proteste in der MLS. ICE ist die Einwanderungsbehörde, die wegen ihrer teilweise von Gewalt begleiteten Einsätze, bei denen es in Minnesota zu zwei Todesopfern kam, oft im Zentrum politischer Debatten steht.

Ryan Shirah vom Fanclub "American Outlaws", der mehr als 120 US‑Länderspiele besucht hat, sagt, dass die meisten Fußballanhänger Politik im Stadion vermeiden. Trotzdem seien die Meinungen oft eher links.

"Ich werde nicht davor zurückschrecken zu sagen, dass es da ein humanistisches Element gibt", erklärt er. "Ich denke, die meisten Fußballfans in Amerika tendieren eher zur progressiven, menschenrechtsorientierten Seite."

Die größten Spannungen gab es nach Trumps erster Wahl 2016. Damals hatten Fans Angst, dass Trumps anti-mexikanische Sprüche bei einem USA–Mexiko‑Spiel im Stadion auftauchen könnten.

2022 in Katar unterstützten Fans der USA und aus Iran ihre MannschaftenBild: Christophe Ena/AP/picture alliance

"Wir wussten nicht, was passieren würde, ob Leute versuchen würden, 'build that wall' ('Bau diese Mauer') [Grenzmauer zu Mexiko gegen illegale Einwanderung, Anm.d.Red.] zu skandieren", sagt Shirah. "Das ist etwas, das wir nicht in unsere Atmosphäre bringen wollten, und wir haben es draußen gehalten. Im Allgemeinen hatten wir wirklich kein Problem."

Mehr Fans - und neue Politik?

Fußball wird in den USA immer beliebter. Das kann auch die politische Zusammensetzung der Fans verändern.

"Seit die USA die Weltmeisterschaft 1994 ausgerichtet haben, ist Fußball zu einem größeren Teil des amerikanischen Lebens geworden", sagt Jeffrey Kraus. "Ein Großteil des Bevölkerungswachstums seit den 1990er‑Jahren kam durch Einwanderung zustande, und viele der Menschen, die hierherkommen, haben ihre Liebe zum 'schönen Spiel' mitgebracht."

Bei der Wahl 2024 wählten viele Latinos republikanisch. Das zeigt, dass sich politische Einstellungen ändern können - auch unter Gruppen, die das Fußballwachstum stark beeinflussen.

Der Wechsel von Argentiniens Superstar Lionel Messi nach Miami hat dem Sport in den USA noch mehr Aufmerksamkeit gebracht. Die WM 2026 soll diesen Trend fortsetzen. Und wenn Fußball größer wird, könnte er auch für konservative Fans interessanter werden.

"Ich lebe auf Staten Island, einem der suburbansten und konservativsten Stadtbezirke von New York City", sagt Kraus. "Als ich jünger war, spielten die Kinder dort am Wochenende Baseball. Jetzt spielen sie Fußball."

Staten Island war der einzige Bezirk in New York City, den Trump bei der Wahl 2024 gewann.

Die nächste MAGA‑Sportart?

Chris Vance freut sich darauf, dass die USA WM‑Spiele in Los Angeles austragen. "Es ist cool, dass wir sie hier haben", sagt er. "Ich denke fast, es ist ein konservativer Sport, weil er so gemeinschaftsorientiert ist - oder zumindest kein politisch besonders einseitiger Sport."

Fans wie Shirah wollen politische Konflikte im Stadion möglichst vermeiden. Für sie ist wichtig, dass die Stimmung freundlich bleibt.

"Wir hatten seit der Wahl kein großes Turnier mehr, aber warum sollten wir diesen (beleidigenden) Unsinn ins Stadion lassen, wenn wir es nicht müssen? Bisher läuft es gut", meint er.

"Es ist uns egal, was du tust oder welche Podcasts du nach den 90 Minuten hörst. Wenn du leidenschaftlich für das Team bist und keine Schimpfwörter benutzt oder so etwas, ist das in Ordnung", erklärt er weiter. "Wir alle haben unterschiedliche Lebenswege, und ich denke, das ist es, was Amerika großartig macht."

Zuerst müssen die USA bei der WM aber sportlich erfolgreich sein. Wenn das gelingt, könnten viele neue Fans dazukommen - und vielleicht aber auch neue politische Diskussionen.

Der Artikel wurde aus dem englischen Original "Can Trump sell the MAGA crowd on soccer with the World Cup?" adaptiert.

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