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Politik

Autokratische Männerfreunde

Alexander Görlach
15. Februar 2022

Er ist weder isoliert, noch empfängt er ausschließlich diplomatische Vermittler: Der russische Präsident ist als Partner weiter begehrt. Wenn auch nur von einer bestimmten Sorte Politiker, meint Alexander Görlach.

DW Zitatkarte I Alexander Görlach

Wer einen Blick auf die neue Welt-Unordung erhaschen möchte, dem sei ein Blick auf das Gala-Dinner empfohlen, dass der chinesische Machthaber Xi Jinping zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking ausgerichtet hat. Das Abendessen geriet zu einem Schaulaufen des autokratischen Who is Who: Der pakistanische Premierminister Imran Khan, ein selbsterklärter Freund des wiedererrichteten grausamen Taliban-Regimes in Afghanistan, war zugegen. Ebenso war Ägyptens autokratischer Präsident Abdel Fattah al-Sisi anwesend. Ehrengast Xi Jinpings bei dem düsteren Bankett war der russische Führer Wladimir Putin. 

Die beiden, Putin und Xi, verbindet eine sogenannte "Männerfreundschaft", die auf der Ablehnung der USA und einem Hass auf alles Nicht-Heterosexuelle gründet. Wladimir Putin, der in der freien Welt aufgrund seiner militärischen Aggression gegen die Ukraine mehr und mehr zur persona non grata mutiert, ist auf die Unterstützung Xis aus. Machthaber Xi hingegen braucht Rückendeckung für seine geplante Invasion und Annexion des vor China gelegenen Inselstaates Taiwan.

Beifall spenden zum russischen Einmarsch?

Beide versicherten sich daher auch bei ihrer Olympia-Begegnung der gegenseitigen Unterstützung ihrer sinistren Zwecke und vereinbarten darüber hinaus Lieferverträge über Erdgas, die China Energie spenden und Russland Geld in die leeren Kassen spülen sollen. Die anderen anwesenden Autokraten durften die Verabredungen der beiden Spitzen-Despoten beklatschen. 

Wladimir Putin (li.) und Xi Jinping am Rande der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2022Bild: Alexei Druzhinin/AP/picture alliance

Putin konnte guter Dinge nach Russland zurückkehren und, von Peking gestärkt, seinen Konfrontationskurs gegen die Vereinigten Staaten von Amerika beherzt fortsetzen. Westliche Geheimdienste gehen von einer unmittelbar bevorstehenden Invasion der Ukraine durch Russland aus.

Rechtzeitig, um Putins geplanten Einmarsch in das souveräne Nachbarland zu beklatschen, findet sich der autokratische Präsident Brasiliens im Kreml ein - auch er bekannt für seinen Hass gegen Homosexuelle und Transgender, und wie Xi Jinping ebenfalls ein erklärter Rassist. Natürlich eint die Männer Bolsonaro, Putin und Xi ihre ablehnende Haltung gegenüber den USA. Wenn sich Bolsonaro und Putin am Mittwoch persönlich sprechen, wird es um Wirtschaftsabkommen ihrer beiden Länder gehen - ungeachtet aller Sanktionen, die im Fall eines russischen Überfalls auf die Ukraine im Raum sehen. Anschließend reist Bolsonaro dann weiter nach Budapest, wo in der Gestalt Viktor Orbans ein weiterer Putin-Fanboy autokratisch die Geschäfte des Landes führt. 

Keineswegs isoliert

Putin ist also am Vorabend einer möglichen Invasion, die kommende Generationen gegebenenfalls unschwer als die Ursache eines neuen Weltkrieges ausmachen können, keineswegs isoliert. Selbst in den USA beginnen einige Republikaner, den Kreml-Chef zu beklatschen. Dass der Kompass der Republikaner in Sachen Russland schon eine ganze Weile nicht mehr funktioniert, war bereits unter Donald Trumps Präsidentschaft weithin sichtbar: dass Trump möglicherweise nur mit Hilfe Russlands ins Amt gekommen sein könnte war der Grand Old Party herzlich egal. 

Doch der mächtigste Verbündete Putins in dieser Stunde ist China. Schon seit geraumer Zeit unterstützt die russische Armee die chinesische bei ihrer Modernisierung, vor allem in der Ausbildung: Häuserkampf und Guerillakrieg stehen im Lehrplan. Beide "Fähigkeiten" werden von Peking bei einer Invasion Taiwans gebraucht. Russland wird sie, wenn die Geheimdienste recht behalten, in den kommenden Tagen vor den Augen der Welt in der Ukraine zum Einsatz bringen.

Alexander Görlach ist Senior Fellow am Carnegie Council for Ethics in International Affairs, Research Associate am Internet Institut der Universität Oxford und Honorarprofessor für Ethik und Theologie an der Leuphana Universität. Der promovierte Linguist und Theologe arbeitet zu Narrativen der Identität, der Zukunft der Demokratie und den Grundlagen einer säkularen Gesellschaft. Nach Aufenthalten in Taiwan und Hongkong wurde diese Weltregion, besonders der Aufstieg Chinas und was er für die freie Welt bedeutet, zu seinem Kernthema. Er hatte verschiedene Positionen an der Harvard Universität und der Universität von Cambridge inne. Von 2009 bis 2015 gab er als Chefredakteur das von ihm gegründete Magazin "The European" heraus.

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