G20-Gipfel in Afrika ohne Trump, Xi und Putin, aber mit Merz
21. November 2025
Die G20 sind das Forum, das seit 1999 sowohl die wichtigsten Industriestaaten als auch Schwellenländer zusammenbringt. Gerade diese Mischung unterschiedlicher Entwicklungsstufen und politischer Systeme macht die G20 in den Augen ihrer Mitglieder so wertvoll. Es sind 19 Länder und mit der EU und der Afrikanischen Union auch zwei Regionalorganisationen darunter. Ihre Mitglieder machen mehr als 80 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus.
Doch ausgerechnet die drei wichtigsten Staats- und Regierungschefs fehlen diesmal, das hat es in der Geschichte der Organisation noch nie gegeben: die Präsidenten der USA, Russlands und Chinas, Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping.
Trump, Xi und Putin ist G20 nicht mehr so wichtig
Xi hat seine Absage nicht begründet. Putin muss seit dem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen des Angriffs auf die Ukraine immer damit rechnen, im Ausland festgenommen zu werden, und hat seitdem nicht mehr teilgenommen. Im Gegensatz zu diesen beiden schickt Trump nicht einmal eine Delegation nach Johannesburg, ein beispielloser Affront.
Der US-Präsident hat zur Begründung gesagt, im Gastgeberland Südafrika würden weiße Farmer verfolgt, ohne dass die dortige Regierung dagegen etwas unternehme. Bei einem Besuch des südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa hatte er sogar von einem "Völkermord" gesprochen. Die südafrikanische Regierung weist den Vorwurf entschieden zurück. Auch die deutsche Regierung sieht keine Hinweise dafür.
Was bedeutet die Abwesenheit der großen Drei für die G20? "Es zeigt, dass die drei Bullys der Weltpolitik offenkundig dieser Veranstaltung aus sehr unterschiedlichen Gründen keinen großen Stellenwert mehr zubilligen", schreibt der Politikwissenschaftler Johannes Varwick der DW. Er ist Professor für internationale Beziehungen an der Universität Halle. "Das ist kein gutes Zeichen für die Art des Multilateralismus, wie sie in der Gruppe der 20 lange Zeit gepflegt wurde."
Eine neue Weltordnung
Für Bundeskanzler Friedrich Merz ist das aber kein Grund, selbst zuhause zu bleiben, im Gegenteil. "Es ist ein wichtiges Zeichen des Multilateralismus, das der Bundeskanzler da sieht und setzt. Und ich würde dafür werben, auch nicht immer nur auf die zu schauen, die nicht da sind, sondern den Blick auf die zu richten, die da sind", sagte Regierungssprecher Sebastian Hille dazu und betonte: "G20 ist und bleibt für die Bundesregierung ein wichtiges Format."
Die Bundesregierung hatte von einem schwierigen internationalen Umfeld der G20 gesprochen, die multinationale Ordnung, für die sie eintritt, werde infrage gestellt.
Besonders drastisch infrage gestellt wird sie durch den russischen Angriff auf die Ukraine. Doch auch innerhalb der G20 gibt es Staaten, die den Angriff nicht verurteilt haben und sich an Sanktionen gegen Russland nicht nur nicht beteiligen, sondern, wie Indien, als Zwischenhändler für russisches Öl sogar daran verdienen.
Zur geopolitischen Neuausrichtung seit Gründung der G20 gehört auch der enorme wirtschaftliche und militärische Aufstieg Chinas. China setzt seinen gewachsenen Einfluss rücksichtslos ein, sei es durch die Rückendeckung Russlands im Krieg gegen die Ukraine oder durch Exportbeschränkungen Seltener Erden.
"Wir erleben derzeit eine rasante Neuverteilung der weltpolitischen Gewichte und Machtverhältnisse", meint Johannes Varwick. "Der in sich gespaltene politische Westen ist in vielen Fragen nicht mehr die bestimmende Macht, und die Staaten des Globalen Südens treten mit neuem Selbstbewusstsein auf. Die G20 war trotz dieser Strukturverschiebungen deutliches Zeichen dafür, dass alte und aufstrebende Mächte an Dialog interessiert sind und schauen wollten, ob beziehungsweise was sie gemeinsam erreichen können." Damit sei es erst einmal vorbei.
Donald Trump gefällt der Fokus auf Afrika nicht
Der G20-Gipfel ist der erste, der auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen wird. Das wollen die Gastgeber nutzen. Schon 2024 hatte Präsident Ramaphosa angekündigt: "Wir werden die Entwicklung Afrikas ganz oben auf die Tagesordnung setzen, wenn wir 2025 den G20-Vorsitz innehaben."
Konkret soll nach dem Willen Südafrikas zum Beispiel der Umstieg zu sauberer Energie in Entwicklungsländern gefördert werden. Die Entschuldung armer Länder ist ein weiteres Ziel. Doch es ist gerade diese Agenda - neben der angeblichen Verfolgung weißer Südafrikaner -, warum Donald Trump nicht kommt.
Ganz anders die Bundesregierung in Berlin. "Ich werde die Gelegenheit nutzen, vor allem mit den afrikanischen Staaten einen vertieften Dialog zu führen", sagte der Bundeskanzler vor seiner Abreise, egal wie viele Absagen es vielleicht noch geben werde. Im Anschluss an das G20-Treffen reist Merz zum Gipfel der EU mit der Afrikanischen Union nach Angola. Das sende ein wichtiges Signal der Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika, teilte die Bundesregierung mit.
Hoffen auf Deutschland im Kampf gegen Ungleichheit
Zu den südafrikanischen Zielen für die G20 gehört auch eine Verringerung von Ungleichheit in der Welt. Das Gastgeberland kritisiert, dass die UN-Ziele einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung zu wenig beachtet werden.
Kurz vor dem Gipfel forderten mehr als 500 Ökonomen und andere Experten die Gründung einer Kommission zum Kampf gegen ungleiche Wohlstandsverteilung. In einem offenen Brief an die G20-Vertreter äußern die Unterzeichner ihre Besorgnis darüber, dass "extreme Vermögenskonzentrationen in undemokratische Machtkonzentrationen umschlagen, das Vertrauen in unsere Gesellschaften untergraben und unsere Politik polarisieren".
Die Gruppe unter Führung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz kann im Moment nicht auf Unterstützung der USA zählen, hofft aber auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Schließlich hat Deutschland im Juni die "Globale Allianz gegen Ungleichheit" mitbegründet, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt.
"Die Rückkehr des Dschungels"
Wegen der tiefen Unstimmigkeiten unter den G20-Mitgliedern ist bereits klar, dass es kein gemeinsames Abschlussdokument des Gipfels geben wird, nur eine Erklärung der südafrikanischen Gastgeber.
Wie sieht unter diesen Umständen die Zukunft der G20 aus? "Vermutlich werden Formate wie BRICS Plus eine größere Rolle spielen. Da müssen sich China und Russland keine westlichen Moralpredigten anhören", glaubt Johannes Varwick. "Auch wird es noch mehr als ohnehin schon wechselnde Koalitionen der Willigen geben."
Statt Multilateralismus und regelbasierter Ordnung, für die auch Deutschland eintritt, gebe es zunehmend einen "rein interessenbasierten und wechselnden Minilateralismus. Das ist der Trend: Wir erleben die Rückkehr des Dschungels".
Trotz dieses Gegenwinds - auch für die Anliegen der deutschen Regierung - resümiert Varwick, dass es für Deutschland keine gute Alternative gibt, als weiter auf Formate wie die G20 zu setzen.