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HandelEuropa

Gasimport: Droht weitere Abhängigkeit von den USA?

20. Februar 2026

Die EU will Gaseinfuhren aus Russland 2027 einstellen. So will sie die Energieversorgung diversifizieren und erneuerbare Energien stärken. Doch dieses Ziel ist gefährdet, weil nun die USA eine dominante Rolle spielen.

Luftaufnahme eines LNG-Tankers auf dem Weg zu einem Flüssiggasterminal in Westeuropa
LNG-Tanker auf dem Weg zu einem Flüssiggasterminal in WesteuropaBild: E.on-Ruhrgas/dpa/picture-alliance

Im Jahr 2021 bezog Europa rund 50 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Russland, der Großteil davon wurde per Pipeline transportiert. Nach Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022 reagierte Europa jedoch rasch, um diese Abhängigkeit zu verringern, und reduzierte die Nachfrage innerhalb von drei Jahren um zwei Drittel.

Gleichzeitig entwickelte Europa eine Abhängigkeit von US-amerikanischem Flüssigerdgas (LNG). Das nach Russlands Invasion als "Freiheitsgas" bezeichnete LNG wird in immer größeren Mengen über den Atlantik in ein Netz neuer EU-Terminals verschifft. Bis 2025 stammten rund 57 Prozent der LNG-Importe der EU aus den USA - etwa viermal so viel wie 2021.

Laut einer Analyse des Institute for Energy Economics & Financial Analysis (IEEFA), einem globalen Netzwerk von Energiefinanzanalysten, wird dieser Anteil bis 2030 voraussichtlich auf bis zu 80 Prozent steigen. Die USA exportierten vor 2016 kein Gas, da ihre Reserven für den Inlandsverbrauch bestimmt waren. Seitdem sind sie zum weltweit größten LNG-Lieferanten geworden.

Gefahr für die Energiewende

Obwohl Gas weiterhin Teil der Energiewende der EU sein wird und der Großteil der europäischen Versorgung über Pipelines aus Norwegen stammt, könnte ein exponentieller Anstieg der US-amerikanischen LNG-Importe die Pläne für Energieunabhängigkeit gefährden, so Analysten.

Der IEEFA-Bericht argumentiert, die übermäßige Abhängigkeit von amerikanischem LNG widerspreche dem REPowerEU-Plan von 2022, der darauf abzielt, Europas Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen durch Energieeinsparung, Diversifizierung der Bezugsquellen und Beschleunigung der Energiewende zu beenden. Der Gasboom von jenseits des Atlantiks steht zudem im Widerspruch zum EU-Ziel, Energie günstiger zu machen.

"US-amerikanisches LNG ist für EU-Käufer am teuersten, dennoch schließen europäische Unternehmen weiterhin Verträge ab", sagte Ana Maria Jaller-Makarewicz, leitende Energieanalystin für Europa beim IEEFA und Autorin des Berichts über die steigende Energieabhängigkeit der EU.

Zu diesen Verträgen gehört auch ein Abkommen des neu gegründeten Joint Ventures Atlantic-See LNG zur Lieferung von US-amerikanischem LNG durch Südosteuropa und möglicherweise in die Ukraine. Das Gas soll über griechische Terminals durch Pipelines in der Region transportiert werden.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters trifft sich das griechische Joint Venture am 24. Februar mit US-Vertretern, um sich bis zu 15 Milliarden Kubikmeter LNG jährlich für 20 Jahre zur Versorgung Mittel- und Osteuropas zu sichern. Atlantic-See LNG hat bereits einen 20-Jahres-Vertrag mit Venture Global abgeschlossen, einem der größten US-amerikanischen LNG-Lieferanten der EU. Bereits 2023 hatte das deutsche Staatsunternehmen Securing Energy for Europe - ehemals Gazprom Germania - einen 20-Jahres-Vertrag mit Venture Global über den Import von jährlich mehreren Millionen Tonnen LNG aus dessen LNG-Anlagen in Louisiana unterzeichnet.

Die Abhängigkeit wächst

Mike Sabel, CEO von Venture Global, zeigte sich "dankbar für die starke Führung von Präsident Trump" und all jener "beiderseits des Atlantiks, die den weiteren Handel mit amerikanischem LNG fördern". US-Präsident Donald Trump hat sein Streben nach globaler "Energiedominanz" vorangetrieben und im Juli 2025 ein EU-US-Handelsabkommen ausgehandelt, das Europa verpflichtet, bis 2028 jährlich US-Energie (LNG, Öl und Atomkraft) im Wert von 750 Milliarden US-Dollar, das entspricht 629 Milliarden Euro, zu kaufen.

"Das US-EU-Energieabkommen hat Europa unter Druck gesetzt, mehr US-Energie zu kaufen", sagte Jaller-Makarewicz über die Vereinbarung, die das Risiko einer "hochriskanten geopolitischen Abhängigkeit" von amerikanischem LNG erhöhen werde.

Im IEEFA-Bericht heißt es: "Das Abkommen bindet die Energieversorgung der EU faktisch an einen einzigen Anbieter, gefährdet die Energiesicherheit und setzt die Pläne zur Reduzierung des Gasverbrauchs unter Druck." Die Nachfrage nach US-Gas dürfte zudem steigen, wenn die EU Ende 2027 die laufenden russischen Gasimporte vollständig verbieten will. Nachdem das Europäische Parlament im Dezember den Ausstieg aus den Gas- und Ölimporten aus Russland beschlossen hatte, wiesen Experten darauf hin, dass ein Importstopp allein keine Diversifizierung der Energieversorgung garantieren werde.

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"Diversifizierung darf nicht bedeuten, einen dominanten Lieferanten durch einen anderen zu ersetzen", erklärte Raffaele Piria, Senior Fellow am Ecologic Institut in Berlin, in einem Policy Brief vom Januar. "Europa braucht eine klare Definition von Diversifizierung und eine Strategie, die den heutigen geopolitischen Realitäten Rechnung trägt."

Ende des US-EU-Handelsabkommens gefordert

Die Drohung des US-Präsidenten, Zölle gegen EU-Länder zu verhängen, die seine Forderung einer Annexion Grönlands nicht unterstützen, hat Brüssel jüngst dazu veranlasst, die Abhängigkeit von US-Gas zu überdenken.

"In diesen turbulenten geopolitischen Zeiten muss Europa stark und geeint zusammenstehen - und sich für Unabhängigkeit entscheiden. Das bedeutet, verstärkt auf saubere, sichere und heimische Energie zu setzen", sagte EU-Kommissar für Energie und Wohnen, Dan Jørgensen, Ende Januar auf dem Nordseegipfel in Hamburg.

LNG-Versorgungsschiff Energos Power im Hafen zur Installation der deutschen LNG-VersorgungBild: Stefan Dinse/CHROMORANGE/picture alliance

Ein "Gemeinsamer Investitionspakt für Offshore-Windenergie" gehörte zu den Maßnahmen, die auf dem Gipfel vereinbart wurden, um eine unabhängige und saubere Energieversorgung innerhalb der EU zu sichern. Jørgensen sagte im Januar, Europa solle sein Gas auch aus Ländern wie Kanada, Katar und Algerien beziehen.

"Die Energiezukunft Europas könnte sich verändern", sagte Analystin Jaller-Makarewicz mit Blick auf die sich wandelnden Rahmenbedingungen. "Wenn die EU an ihren Plänen festhält, den Gasverbrauch durch saubere Energie zu ersetzen, wird die Gasnachfrage sinken."

In diesem Szenario könnten bestehende US-amerikanische LNG-Abkommen, die auf Absichtserklärungen - formalen, aber nicht rechtsverbindlichen Vereinbarungen - basieren, scheitern, erklärte die Energieexpertin.

Unterdessen forderten kürzlich über 120 europäische und internationale zivilgesellschaftliche Gruppen in einem Brief an EU-Spitzenpolitiker den Abbruch der Verhandlungen über das US-EU-Handelsabkommen, das Europa an Energieimporte aus Übersee bindet. Der Aufruf, "die Abhängigkeit von US-amerikanischen fossilen Brennstoffen zu verringern, in Solidarität mit denjenigen, die von Trumps fossilem Imperialismus bedroht werden", folgte auf US-Angriffe auf Venezuela und Gebietsansprüche in Grönland.
 

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.

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