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GesellschaftDeutschland

Gastkommentar: Diversity ist kein Modethema

Sheila Mysorekar
31. Mai 2022

Aktionstage sind so eine Sache für sich. Die Aufmerksamkeit ist groß, so wie jetzt zum "Deutschen Diversity-Tag." Meistens bedeutet es, dass im restlichen Jahr nicht mehr darüber geredet wird, meint Sheila Mysorekar.

Eine farbige und eine weiße Hand die ein Herz bilden
Vielfalt hält eine Gesellschaft zusammenBild: Frank May/picture alliance

Diversity ist keinesfalls ein Modethema für Sonntagsreden und Feiertage. Sondern Diversity, also Vielfalt, ist eine gesellschaftliche Realität. In Deutschland, in Europa, und in allen Ländern der Erde. Eine gesellschaftliche Realität, die oft ignoriert, problematisiert oder einfach wegdiskutiert wird. 

Keine Gesellschaft der Welt ist eindimensional. Alt und jung, verschiedene Geschlechter; unterschiedliche ethnische Herkünfte, Religionen und Sprachen; verschiedene sexuelle Orientierungen, und eine ganze Bandbreite von Begabungen und Behinderungen. Eine unendliche Variation dessen, was Menschen sind und sein können. In der Vielfalt zeigt sich die Schönheit des menschlichen Lebens und der komplexe Reichtum von Kulturen. 

Vielfalt gab es schon immer

Aber genau das wird oft verneint. Deutschland und viele Länder Europas haben lange ein völkisches Verständnis von einer homogenen Bevölkerung gehabt; ein Selbstbild, das noch nie stimmte und jetzt schon gar nicht mehr zutrifft. Grenzen in Europa waren immer fluide; ihr Verlauf änderte sich häufig, und Menschen zogen in allen Zeiten quer durch Europa, siedelten sich an, zogen weiter in andere Kontinente, und Menschen aus anderen Kontinenten kamen nach Europa. Das war so in der Steinzeit, es war so im Mittelalter, und es ist auch heute so. Deutschland und Europa waren schon immer vielfältig.

Sheila Mysorekar, Leiterin der "neuen deutschen organisationen"Bild: DW

Dennoch versuchen manche Politiker*innen, Stimmen zu gewinnen, indem sie gegen Minderheiten aufhetzen -gegen ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten. Und leider funktioniert es, sowohl in Europa wie auch in anderen Kontinenten. Selbst Länder, die schon immer multikulturell waren, wie etwa Ungarn oder Indien, verfolgen eine gefährliche Politik der Ausgrenzung und Diskriminierung.

Vielfältige Teilhabe macht eine Gesellschaft aus

Umso erfreulicher, dass die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag klar gesagt hat: Deutschland ist ein Einwanderungsland. Damit hat sie offiziell gemacht, was ohnehin schon lange eine Realität ist. Dieses Bekenntnis allein verschafft jedoch noch nicht allen Menschen gleiche Chancen auf Teilhabe. So etwa sind marginalisierte Gruppen aus Bereichen wie Justiz, Politik oder höhere Bildung weitgehend ausgeschlossen. Benachteiligungen aufgrund von Herkunft oder sozioökonomischem Hintergrund sind an der Tagesordnung, zum Beispiel auf dem Wohnungs- oder Arbeitsmarkt.

Das muss nicht so bleiben. Wir sind alle in der Pflicht, eine vielfältige Teilhabe durchzusetzen. Um als Gesellschaft zukunftsfähig zu sein, braucht jedes Land alle seine Bewohner*innen. Die Diversität der Menschen und ihrer Kompetenzen ist genau das, was in einer schwierigen Zukunft notwendig ist. Und ohnehin haben alle das Recht - das Menschenrecht! - auf Teilhabe und Mitgestaltung der Gesellschaft, in der sie leben.

Die Konzentration von Macht in den Händen weniger, sehr homogener Gruppen hat diesen Planeten ruiniert. Die soziale Ungleichheit wird weltweit immer größer; Millionen Menschen hungern, und der Klimawandel hat die Umwelt an gefährliche Kipppunkte gebracht. Wenn wir als Menschheit überleben wollen, in einer besser gestalteten Welt, dann kann das nur geschehen, wenn alle einbezogen werden. Mit einer gemeinsamen Vision der Zukunft.

Sheila Mysorekar ist Vorsitzende der "neuen deutschen organisationen", einem bundesweiten Zusammenschluss von postmigrantischen Initiativen gegen Rassismus und für Vielfalt.

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