"Gaza ist zerstückelt"
5. Januar 2009
"Der Gazastreifen ist zerstückelt, die Gebiete sind getrennt voneinander und überall patrouillieren israelische Soldaten" berichtet Fawaz Abu Sitta im DW-Interview. Er und seine Frau Anke, eine langjährige Leiterin der Außenstelle Gaza der deutschen Vertretung, leben im Gazastreifen. In der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 2008 überlebten sie das Bombardement im Keller ihres Hauses. Die Angriffe galten einem nur 30 Meter entfernten Hochhaus, in dem das Außen- und das Finanzministerium der Hamas-Regierung in Gaza untergebracht waren. "Die sind nun komplett zerstört", berichtet Abu Sitta.
Seit Beginn der Bodenoffensive kommen die Angriffe von überall: Aus der Luft, vom Meer und vom Land, erzählt er weiter: "Das ist katastrophal. Tausende Familien sind geflüchtet, sie haben nichts mehr, sie sind jetzt in Schulen untergekommen." Doch er befürchtet noch schlimmeres: Seit Tagen gibt es keinen Strom mehr, die Wasser- und Lebensmittelvorräte in Gaza gehen zu Ende. Mehr als 500 Menschen sind Israels "Operation Gegossenes Blei" bereits zum Opfer gefallen.
Irrungen und Wirrungen der EU-Nahost-Politik
Angesichts der eskalierenden Gewalt im Gazastreifen will sich jetzt auch die Europäische Union einschalten: Am Montag (5.1.2009) reiste eine Delegation nach Kairo, um mit Präsident Mubarak Israel und die Hamas zu einer Waffenruhe zu bewegen. Immerhin: Über dieses Ziel war man sich einig. Weniger Einigkeit herrscht hingegen in Europa darüber, wer an der Eskalation im Nahen Osten Schuld ist. Und für zusätzliche Irritationen sorgte der Alleingang von Frankreichs Staatspräsident Sarkozy: Der hat zwar seine EU-Ratspräsidentschaft hinter sich, er ist aber nach wie vor davon überzeugt, der Region den Frieden bringen zu können.
"Ibrahim, der Deutsche" beteuert seine Unschuld
Seit fünfeinhalb Jahren ist der Deutsche Christian G. in Frankreich in Untersuchungshaft. Seit Montag steht er wegen des Anschlags auf der tunesischen Ferieninsel Djerba vor Gericht, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen, darunter 14 deutsche Touristen. Während die Anklage in ihm einen der Hintermänner des Terrornetzwerkes El Kaida sieht, die den Anschlag vom April 2002 billigten, wirft der zum Islam übergetretene G. Frankreich vor, ihn vorab verurteilt und eines fairen Gerichtsverfahrens beraubt zu haben.
Redaktion: Ina Rottscheidt